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Der Leserbrief von Dr. Bickhardt wirft wichtige Fragen auf. Aus chronobiologischer Sicht, basierend auf Beobachtungen und experimentellen Studien, empfahl die alte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin nicht mehr als drei aufeinanderfolgende Nachtschichten in Vorwärtsrotation zu planen. Hauptbegründung ist, dass aufgrund des 24-Stunden-Rhythmus des Zeitgebers Licht und des sozialen Lebens eine chronobiologische Anpassung, wie nach Reisen durch die Zeitzonen, im Rahmen der Schichtarbeit nicht möglich ist. Damit nimmt die Beanspruchung von Nacht zu Nacht zu. Da mehrere kurze Pausen effektiver sind als wenige lange, sollten die Belastungsperioden möglichst kurz gehalten werden. Die Richtigkeit dieses Konzepts belegen sowohl Beobachtungsstudien aus der realen Arbeitswelt Krankenhaus (1) als auch eine Metaanalyse von Interventionsstudien (2): Die Einführung kurzer Schichtfolgen beeinflusste kurzfristige Gesundheitsindikatoren wie Schlaf oder Melatoninkonzentration günstig. Dennoch können in dem multifaktoriellen Geschehen ungünstige physiologische Effekte von langen Schichtfolgen beziehungsweise Dauernachtschicht durch günstigere psychosoziale Belastungen ausgeglichen werden, zum Beispiel durch bessere Vereinbarkeit beruflicher und privater Anforderungen.

Eine neue S2k-Leitlinie zu Nacht- und Schichtarbeit ist angemeldet und wird voraussichtlich 2018 veröffentlicht. Die dafür angefertigten systematischen Reviews lassen bereits erkennen, dass aus den vorhandenen Daten die Frage, welches Schichtsystem das geringste Risiko für langfristige gesundheitliche Folgen wie Depression, Herzinfarkt oder metabolisches Syndrom birgt, nicht beantwortet werden kann.

Ab welchem Alter die chronobiologische Anpassungsfähigkeit soweit reduziert ist, dass Schichtarbeit nicht mehr geleistet werden kann, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Mit dem Älterwerden nimmt die Toleranz für Schichtarbeit tatsächlich ab (3). Die Anpassungsfähigkeit entwickelt sich aber ganz unterschiedlich, sodass feste Altersgrenzen nicht überzeugend begründbar sind.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0680b

Für die Autoren

Prof. Dr. med. Peter Angerer
Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
Centre for Health and Society
Medizinische Fakultät
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
peter.angerer@uni-duesseldorf.de

Interessenkonflikt

Die Autoren beider Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Tucker P, Brown M, Dahlgren A, et al.: The impact of junior doctors‘ worktime arrangements on their fatigue and well-being. Scand J Work Environ Health. 2010; 36: 458–65 CrossRef MEDLINE
2.
Neil-Sztramko SE, Pahwa M, Demers PA, Gotay CC: Health-related interventions among night shift workers: a critical review of the literature. Scand J Work Environ Health 2014; 40: 543–56 CrossRef MEDLINE
3.
Costa G, Di Milia L: Aging and shift work: a complex problem to face. Chronobiol Int 2008; 25: 165–81 CrossRef MEDLINE
4.
Angerer P, Schmook R, Elfantel I, Li J: Night work and the risk of depression—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 404–11 VOLLTEXT
1.Tucker P, Brown M, Dahlgren A, et al.: The impact of junior doctors‘ worktime arrangements on their fatigue and well-being. Scand J Work Environ Health. 2010; 36: 458–65 CrossRef MEDLINE
2.Neil-Sztramko SE, Pahwa M, Demers PA, Gotay CC: Health-related interventions among night shift workers: a critical review of the literature. Scand J Work Environ Health 2014; 40: 543–56 CrossRef MEDLINE
3.Costa G, Di Milia L: Aging and shift work: a complex problem to face. Chronobiol Int 2008; 25: 165–81 CrossRef MEDLINE
4.Angerer P, Schmook R, Elfantel I, Li J: Night work and the risk of depression—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 404–11 VOLLTEXT

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