MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Lemierre-Syndrom nach Tonsillektomie

Lemierre syndrome after tonsillectomy

Dtsch Arztebl Int 2017; 114(40): 679; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0679

Quast, Daniel R.; Lotz, Tanja A.; Breuer, Thomas G. K.

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Röntgenaufnahme des Thorax (liegend) bei akutem Lungenschädigungssyndrom. Die vvECMO-Kanüle wurde bereits eingebracht. Deutlich sichbar ist die Totalverschattung beider Lungenflügel mit positivem Aerobronchopneumogramm
Abbildung
Röntgenaufnahme des Thorax (liegend) bei akutem Lungenschädigungssyndrom. Die vvECMO-Kanüle wurde bereits eingebracht. Deutlich sichbar ist die Totalverschattung beider Lungenflügel mit positivem Aerobronchopneumogramm

Neun Tage nach Tonsillektomie wird eine 18-jährige Patientin mit Cephalgien, Fieber und Meningismus auf unserer Intensivstation aufgenommen. Bei dem Verdacht auf Meningitis erfolgt die leitliniengerechte Diagnostik und Therapie ohne besondere Auffälligkeiten. Es zeigen sich pneumonische Infiltrate, und die Patientin entwickelt ein akutes Abdomen. Die explorative Laparoskopie ist ohne Befund. Bei respiratorischer Instabilität erfolgt die Intubation. Kurz danach entwickelt die Patientin ein akutes Lungenschädigungssyndrom, das eine Therapie durch eine veno-venöse extrakorporale Lungenunterstützung (vvECMO) erfordert. In der angelegten Blutkultur lässt sich Fusobacterium necrophorum nachweisen. Dieses gramnegative, anaerobe Bakterium kommt physiologischerweise im Oropharynx vor und kann zu einem Lemierre-Syndrom führen. Typisch ist ein schwerer Verlauf mit septischen Embolien und Thrombosen. Gemäß Literatur erfolgt eine vierwöchige Antibiotikatherapie mit Meropenem und Metronidazol. Nach 7 Tagen kann die vvECMO entfernt werden. Die Patientin wird nach 4 Wochen ohne kognitive oder körperliche Defizite entlassen. Maßgeblich für diesen positiven Krankheitsverlauf waren die frühzeitig abgenommenen Blutkulturen sowie die Etablierung der vvECMO innerhalb von 24 h nach respiratorischer Verschlechterung. Dieser Fallbericht zeigt, dass neben der Blutung auch andere, gravierende Komplikationen nach Tonsillektomie auftreten können.

Daniel R. Quast*, Tanja A. Lotz*, Dr. med. Thomas G. K. Breuer, Medizinische Kliniken I, St. Josef-Hospital, Ruhr-Universität-Bochum, thomas.breuer@rub.de

Daniel R. Quast und Tanja A. Lotz teilen sich die Erstautorenschaft.

Interessenkonflikt: TA Lotz und Dr. Breuer erhielten Erstattung von Teilnahmegebühren für Kongresse von der Firma Maquet.
Dr. Quast erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Quast DR, Lotz TA, Breuer TGK: Lemierre syndrome after tonsillectomy. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 679. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0679

The English version of this article is available online: www.aerzteblatt-international.de

Röntgenaufnahme des Thorax (liegend) bei akutem Lungenschädigungssyndrom. Die vvECMO-Kanüle wurde bereits eingebracht. Deutlich sichbar ist die Totalverschattung beider Lungenflügel mit positivem Aerobronchopneumogramm
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Röntgenaufnahme des Thorax (liegend) bei akutem Lungenschädigungssyndrom. Die vvECMO-Kanüle wurde bereits eingebracht. Deutlich sichbar ist die Totalverschattung beider Lungenflügel mit positivem Aerobronchopneumogramm

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