ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2017Prävention: Mehr Schlaganfälle nach Absetzen von „Kardio-ASS“

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prävention: Mehr Schlaganfälle nach Absetzen von „Kardio-ASS“

Meyer, Rüdiger

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Das Absetzen von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure, die als „Kardio-ASS“ vielen Patienten nach einem Herzinfarkt oder zum Schutz vor einem Schlaganfall verordnet wird, war in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie, die unlängst in der Fachzeitschrift „Circulation“ veröffentlicht wurde, mit einem Anstieg der kardiovaskulären Ereignisse verbunden (1).

Obwohl die Behandlung mit niedrig dosierter ASS in klinischen Studien einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung eines erneuten Herzinfarkts oder Schlaganfalls leistet, ist sie bei vielen Patienten unbeliebt. Etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten setzen „Kardio-ASS“ in den ersten drei Jahren nach ihrem Herzinfarkt wieder ab, da sie sich sicherfühlen. Von den anderen nehmen viele die Mittel unregelmäßig ein. Der Epidemiologe Johan Sundström von der Universität Uppsala hat die Folgen durch einen Abgleich von schwedischen Patientenregistern untersucht. Die erste Datenquelle war das Schwedische Arzneimittelregister. Ihm entnahm Sundström, ob die Patienten, denen die Ärzte „Kardio-ASS“ verschrieben hatten, die Rezepte auch eingelöst haben. Die zweite Quelle waren das schwedische Krankenhausregister und das Sterberegister. Dort konnte Sundström jene Patienten ermitteln, die nach dem Absetzen von „Kardio-ASS“ ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten hatten oder daran gestorben waren. Unter den 601 527 Nutzern von „Kardio-ASS“ zur Primär- oder Sekundärprävention war es innerhalb der ersten drei Jahre zu 62 690 kardiovaskulären Ereignissen gekommen.

Fazit: Dies zeigt noch einmal, wie stark diese Patienten gefährdet sind. Für die Patienten, die „Kardio-ASS“ in den ersten drei Jahren abgesetzt hatten, ermittelt Sundström ein um 37 Prozent erhöhtes Risiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis. Die adjustierte Hazard Ratio von 1,37 war signifikant (95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,34–1,41). Ein statistischer Zufall kann deshalb so gut wie sicher ausgeschlossen werden.

Nach weiteren Berechnungen von Sundström kommt auf 74 Patienten, die ihre „Kardio-ASS“ eigenmächtig abgesetzt haben, einer, der dadurch einen Schlaganfall oder Herzinfarkt (oder ein anderes kardiovaskuläres Ereignis) erlitten hat. Das Risiko stieg sofort nach dem Absetzen von „Kardio-ASS“ an und war dann über den gesamten Zeitraum erhöht. Sundström warnt daher vor einem „Rebound-Effekt“ nach dem Absetzen von „Kardio-ASS“ und rät den Patienten, die von den Ärzten erhaltenen Rezepte auch einzulösen. Rüdiger Meyer

  1. Sundström J, Hedberg J, Thuresson M, et al.: Low-Dose Aspirin Discontinuation and Risk of Cardiovascular Events. Circulation 2017; 136: 1183–1192.

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