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Vielen Dank für die so wichtige Studie (1). Dennoch sehe ich die Ergebnisse weniger positiv als die Autorinnen: Die Screening-Vorgaben werden bei rund einem Drittel der Frauen nicht befolgt: 12,7 % der Frauen erhalten – wie im Screening vorgeschrieben – den Vortest und dann, bei pathologisch definiertem Ausfall desselben, den diagnostischen Test (also oGTT). Aber 4,8 % erhalten nur den diagnostischen Test. Somit werden knapp ein Drittel der Frauen nicht kunstgerecht versorgt (4,8 % von insgesamt 17,5 %). Aber Screenings sind in den Durchführungsvorgaben so angelegt, dass man ein definiertes Optimum zwischen Schaden und Nutzen mit vorgegebenen methodischen Vorgehen erreicht. Dies ist in diesem Fall das gestufte Testen: erst Vortest, wenn hier auffällig, dann diagnostischer Test. Wird das nicht eingehalten und nur der diagnostische Test durchgeführt, so kommt es zu unkalkulierbaren Verschiebungen zwischen Nutzen und Schaden – und dies geschieht hier bei fast einem Drittel der Schwangeren.

Nun kann man einwenden, dass dies egal sei, hätte man ja eh – wie ansonsten für Screenings gefordert – keinerlei Studienevidenz für ein Screening gehabt (2), sondern alles Wissen zu Grenzwerten oder Nutzen stamme aus nur fünf, meist sehr kleinen Therapiestudien. Damit sei die Frage der Grenzwerte und damit die, wen man behandeln sollte und wen nicht, eh nicht studienbasiert zu beantworten. Dennoch sollte man nicht schon gemachte und für Schwangere möglicherweise gefährliche Fehler noch durch Beliebigkeit der Durchführung ergänzen. Und dies bei einem Screening, dessen Nutzen nicht angegeben werden kann, aber, anders als bei Patienten mit manifestem Diabetes, extrem klein sein muss (3, 4).

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0689a

Prof. (emer) Dr. med. Heinz-Harald Abholz

Institut für Allgemeinmedizin, Universität Düsseldorf

abholz@med.uni-duesseldorf.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Melchior H, Kurch-Bek D, Mund M: The prevalence of gestational diabetes—a population-based analysis of a nationwide screening program. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 412–8 VOLLTEXT
2.
Koch K, Horvarth K, Siebenhfer A: Was ist bei Behandlung von Schwangeren mit Gestationsdiabetes zu erwarten? Systematische Literaturanalyse und Metaanalyse zu Therapiestudien aus 4 Jahrzehnten. Z Allg Med 2010; 86: 278–89.
3.
Abholz H H: Screening auf Gestationsdiabetes – Warum reichen Studien zum Behandlungsnutzen nicht für die Einführung eines Screenings aus? Z Allg Med 2010; 86: 290–5.
4.
Cundy T, Holt RIG: Gestational diabetes: paradigm lost? Diabetic Med 2017; 34: 8–13 CrossRef MEDLINE
1.Melchior H, Kurch-Bek D, Mund M: The prevalence of gestational diabetes—a population-based analysis of a nationwide screening program. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 412–8 VOLLTEXT
2.Koch K, Horvarth K, Siebenhfer A: Was ist bei Behandlung von Schwangeren mit Gestationsdiabetes zu erwarten? Systematische Literaturanalyse und Metaanalyse zu Therapiestudien aus 4 Jahrzehnten. Z Allg Med 2010; 86: 278–89.
3.Abholz H H: Screening auf Gestationsdiabetes – Warum reichen Studien zum Behandlungsnutzen nicht für die Einführung eines Screenings aus? Z Allg Med 2010; 86: 290–5.
4.Cundy T, Holt RIG: Gestational diabetes: paradigm lost? Diabetic Med 2017; 34: 8–13 CrossRef MEDLINE

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