POLITIK

Medizinstudium: Der Numerus clausus vor Gericht

Dtsch Arztebl 2017; 114(41): A-1856 / B-1576 / C-1542

Richter-Kuhlmann, Eva

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Ob das Auswahlverfahren für das Medizinstudium legal ist, prüfen derzeit die Verfassungsrichter in Karlsruhe. Für Fakultäten und Bewerber könnte es künftig Änderungen geben.

Foto: dpa
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Der Flaschenhals bei der Studienplatzvergabe für Humanmedizin sei eng, betonte der Vorsitzende des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, Prof. Dr. jur. Ferdinand Kirchhof: Etwa 62 000 junge Menschen bewerben sich nach seinen Angaben derzeit jährlich auf einen der 11 000 begehrten Medizinstudienplätze. Doch nur Abiturienten mit einer Durchschnittsnote von 1,0 bis 1,1 haben die Chance, über ihr gutes Abitur sofort einen Studienplatz zu erhalten. Wer schlechter abgeschnitten hat, wartet inzwischen bis zu 15 Semester – sofern er nicht über diverse Auswahlverfahren der Hochschulen oder Tests vorher einen Platz erhält.

Dies könnte sich bald ändern: Denn seit dem 4. Oktober wird vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) über die derzeit praktizierte Vergabe der Medizinstudienplätze verhandelt. Anlass sind Klagen von Bewerbern vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Die dortigen Richter hielten Teile der Regelungen für verfassungswidrig und riefen das BVerfG an. Den Auftakt des Verfahrens dort bildete jetzt eine Befragung von Vertretern aus Politik, Verbänden, Hochschulen sowie von Medizinstudierenden. In den nächsten Wochen will das Gericht prüfen, ob der Numerus clausus (NC) überhaupt für die Zulassung zum Medizinstudium geeignet ist sowie ob das komplizierte Zulassungssystem dem Recht auf freie Berufswahl entspricht und der Grundsatz der Gleichbehandlung erfüllt ist. Dies gilt als fraglich, denn die Wahrscheinlichkeit, die Schulzeit mit einem Einser-Abitur abzuschließen, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Einser-Abitur ist nicht alles

Während der ersten Anhörung verteidigte die Stiftung für Hochschulzulassung das derzeitige Zulassungssystem: Abiturnote und Studienerfolg stünden nach wissenschaftlichen Studien in einem eindeutigen Zusammenhang.

Zum Arztsein brauche es jedoch mehr, meint Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer. Er sprach sich für ein Auswahlverfahren aus, das neben der Abiturnote verstärkt weitere Kriterien berücksichtigt, wie psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement und Berufserfahrung. „Das Zulassungsverfahren muss dringend reformiert werden. Wir haben immer gesagt, dass das rein auf der Abiturnote basierende System nicht mehr zeitgemäß ist“, betonte er. Montgomery schlägt Assessment-Center vor, in denen die Studierenden nach bundeseinheitlichen Kriterien ausgewählt werden.

Reformbedarf sehen auch die Medizinischen Fakultäten und die Studierenden: „Den NC gänzlich abzuschaffen, kann aber nicht die Lösung sein“, sagte der Generalsekretär der Medizinischen Fakultätentages (MFT), Dr. Frank Wissing, dem Deutschen Ärzteblatt. Wie ein künftiges Auswahlverfahren aussehen könne, zeige der gemeinsam veröffentlichte Vorschlag des MFT und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Das neue Zweistufenmodell kombiniere in einem zentralen Bewerbungsverfahren verschiedene Kriterien neben der Abiturquote.

„Die Abiturnote ist nicht vergleichbar und deshalb unfair. Sie muss in jedem Falle ins Verhältnis mit anderen Kriterien gesetzt werden“, erläuterte Isabel Molwitz von der bvmd dem Deutschen Ärzteblatt nach der Anhörung. Die Hochschulen dürften sich nicht auf der Abiturdurchschnittsnote ausruhen. Ihnen müssten verpflichtende Vorgaben zu der Mindestanzahl an validen Auswahlkriterien gemacht werden. Ortspräferenzen müssten als Zulassungskriterium ausgeschlossen und die Wartezeitquote ersetzt werden.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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klausenwächter
am Sonntag, 5. November 2017, 14:00

Pecunia clausa

Porta clausa est. Intellectus non aperire potuit, quo pater non delectatur. Igitur clavis aurea necessa est. Id professor doctus maxime delectat. Professor: "Magis necesse medicus esse."

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