ArchivDeutsches Ärzteblatt24/1996Börsebius – Vorsicht Finanzhaie: Was lange währt . . .

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius – Vorsicht Finanzhaie: Was lange währt . . .

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Das muß so vier, fünf Jahre her sein, als ich nach Frankfurt auf einen ganz bestimmten Investmentkongreß eingeladen wurde, von dem ich Ihnen nun eine kleine Geschichte erzählen will. Auf diesem besagten Kongreß gab es auch ein Forum für Finanzdienstleister, und ebenda sollte ich meine gutachterliche Meinung über zwei Firmen äußern, nämlich über die Plus Conzept GmbH und die Graf Lambsdorff Vermögensverwaltung. Da saßen Sie nun alle, die Herren Finanzdienstleister, und vernahmen zu Ihrem Entsetzen, daß ich von beiden Anbietern nicht allzu viel hielt, um es mal vornehm auszudrücken. Bei der Plus Conzept stieß mir die angebliche Absicherung der angelegten Gelder derart auf, daß ich dringend davon abriet, sich dort zu engagieren.
In der Pause drohten mir die Leute von Plus Conzept Prügel an, so aufgebracht waren sie über meine Kritik. Aber auch das Publikum fand meine Worte größtenteils "etwas hart" formuliert. Erst später habe ich begriffen, daß man auf einem Forum, in dem sich ausschließlich Anlagevermittler tummeln, nicht viel ausrichten kann.
Schon gar nicht gegen einen Anbieter, der exzellente Vermittlungs-Provisionen zahlt. Ob das Produkt windig ist oder nicht, interessiert bei der prospektierten Gewinnspanne offensichtlich wenig. Aber da der Veranstalter wohl einen Jubelreferenten wollte, muß man klar sagen, daß er sich in mir vergriffen hatte. Ich bin dann auch später auf Veranstaltungen ähnlicher Art nicht mehr eingeladen worden.
Irgendwann kommt das Debakel aber doch ans Tageslicht. Die Plus Conzept GmbH ging dieser Tage in Konkurs und ließ Tausende von Anlegern im Regen stehen. Der Konkursverwalter stellte sage und schreibe über 21 000 Einzelanlagen mit einem Volumen von 305 Millionen Mark fest. Dem stehen gerade mal knapp 200 000 Mark Vermögen gegenüber. Die Differenz von über 300 Millionen Mark ist also futsch und derzeit nicht aufzufinden. Welch ein Verlust! Welch dramatische existentielle Bedrohung für so manchen Anleger, der glaubte, sich auf die Traumrenditen verlassen zu können, und sich dafür mit Haus und Hof verschuldete.
Ich wette, es wird nur noch wenige Tage geben, bis – wie so oft in solchen Fällen – eine Interessengemeinschaft zur Auffindung versteckter Gelder aufgemacht wird. Natürlich gegründet von einem ebenso "betroffenen" Anlagevermittler. Das kostet rund drei bis fünf Prozent der angelegten Summe und führt, wie die Geldanlage selbst, zu einem erneuten Totalverlust. Lassen Sie sich bloß nicht auf sowas ein! Einmal in den Brunnen fallen sollte wohl reichen. Börsebius
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