ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2017Antisoziale Persönlichkeitsstörung: Spannende Begegnung mit einem vernachlässigten Thema

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Antisoziale Persönlichkeitsstörung: Spannende Begegnung mit einem vernachlässigten Thema

Dtsch Arztebl 2017; 114(42): A-1936 / B-1637 / C-1603

Behrens, Stefan

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Die Autorengruppe um den Hamburger Psychiater und Psychotherapeuten Birger Dulz machte sich bereits 2004 durch das „Handbuch der Borderline-Persönlichkeits-störung“ einen Namen und setzte den Goldstandard der Grundlagenforschung und Therapiemethoden dieser (damals) nur sehr schwer behandelbaren Persönlichkeitsstörung. Auch in der zweiten, erweiterten Auflage bricht das Buch noch immer hartnäckig Lanzen in der Aufklärung darüber, dass sich die Borderline-Persönlichkeitsstörung heute mittels entwickelter und etablierter Therapiemethoden gut behandeln lässt.

Einen ähnlichen Auftrag verfolgen Dulz und seine Mitherausgeber Peer Briken, Otto F. Kernberg und Udo Rauchfleisch nun erneut, jedoch in Bezug auf die antisoziale Persönlichkeitsstörung. Diese gilt heute als nur äußerst schwer – wenn überhaupt – behandelbar. Die aktuelle Forschung diesbezüglich erschöpft sich weitestgehend in der Grundlagenforschung. Wissenschaftlich bedeutsame Veröffentlichungen über Therapiemethoden und deren Wirksamkeit sind eher selten. Dabei nehmen die Autoren wahr, dass sich antisoziale Persönlichkeitsstörungen in forensischen, stationären und ambulanten Therapieeinrichtungen zunehmend häufen.

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Die Herausgeber stellen daher das aktuelle Wissen um Geschichte, Grundlagen, Klassifikation und Diagnostik, Symptomatologie und hauptsächlich der Therapie im „Handbuch der Antisozialen Persönlichkeitsstörung“ zusammen. Dabei kommen international bedeutsame, durchweg namhafte Autoren zu Wort, die in die allgemeine Thematik und Zusammenhänge, zum Beispiel auch zu rechtlichen Aspekten und zur Straffälligkeit, einführen. Ferner geben sie einen Überblick über das Störungsbild und Komorbiditäten in all ihren Facetten und beleuchten umfassend die Behandlungsmethoden der stationären und ambulanten Therapie. Hierbei zeigen sie zudem die besonderen Voraussetzungen der verschiedenen Therapieschulen, der Forensik oder des Strafvollzugs durchaus kritisch diskutierend auf.

Die Verwobenheit verschiedener komplexer Themen schafft eine besondere Herausforderung für die Autoren, der sie oftmals sprachlich wie auch didaktisch elegant begegnen. Den fachfremden Leser lassen sie damit vielleicht auch häufig im Unklaren zurück. Insgesamt bietet das „Handbuch der Antisozialen Persönlichkeitsstörung“ jedoch eine spannende und anregende Begegnung mit einem bislang vernachlässigten, aber bedeutsamen Thema. Stefan Behrens

Birger Dulz, Peer Briken, Otto F. Kernberg, Udo Rauchfleisch: Handbuch der Antisozialen Persönlichkeitsstörung. Schattauer Verlag, Stuttgart 2017, 709 Seiten, gebunden, 99,99 Euro

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poleev
am Freitag, 19. Januar 2018, 10:21

Rezension über das „Handbuch der Antisozialen Persönlichkeitsstörung“, Schattauer, 2017.

In dem Maße, wie das Buch über Narzissmus gelungen ist, das 10 Jahre davor erschiehnen ist (1), ist das Handbuch der Antisozialen Persönlichkeitsstörung mißlungen. Der Hauptgrund für dieses Mißlingen besteht in anstaltzentrierter Betrachtung des Phänomens, das im Handbuch beschrieben wird, nur in zwei Kapitel (3 und 10) wird Versuch unternommen, diese begrenzende Fokusierung und Fixierung zu überwinden und über den Zaun zu blicken. Zu weiteren wesentlichen Gründen für dieses Urteil gehören die Fraglichkeit des Konstrukts der Antisozialen Persönlichkeitsstörung, was auf Verwechslungen und Unschärfe der Definitionen zurückzuführen ist; die Voreingenommenheit der Erzähler, die in eine Erzählweise übergeht, in der die bestehenden Interessenkonflikte weitgehend übersehen und übergehen werden, was die Frage aufwirft, inwieweit die Erzählung der wissenschaftlichen Methoden zur Efassung und Beschreibung von Tatsachen, d.h. faktologischen Grundsätzen, entspricht, und ob die aus dieser Erzählung gezogenen Schlußfolgerungen wissenschaftliche Kriterien erfüllen. Weitere Kritikpunkte werden im Text der Rezension erläutert.
http://enzymes.at/download/Rezension.pdf

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