ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2017Methadon: Vergleichsweise komplizierte Pharmakodynamik

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Methadon: Vergleichsweise komplizierte Pharmakodynamik

Zylka-Menhorn, Vera

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Im Rahmen einer laufenden Tumortherapie oder Tumorschmerztherapie äußern Patienten immer häufiger den Wunsch nach einer Behandlung mit D,L-Methadon. Allerdings bestehen spezifische Risiken vor allem bezogen auf das Reizleitungssystem des Herzens und die vergleichsweise komplizierte Pharmakodynamik. Das Hauptrisiko wird neben der vergleichsweise schwierigen Titrationsphase bis zu einem „steady state“ in einer möglichen QTc-Zeit-Verlängerung durch die Bindung an den HERG-Kanal an Herzmuskelzellen bis hin zum plötzlichen Herztod (Torsades de Pointes) gesehen. Vorsorglich wird vor der Auswahl von Methadon als Schmerzmittel obligat ein EKG gefordert, denn etwa 5 % der Bevölkerung haben eine QTc-Zeit von mehr als 450 ms (long QT-Syndrom). Deshalb ist bei einer QTc-Zeit größer als 500 ms auf jeden Fall eine Alternative zu Methadon indiziert. In der Regel beginnt man eine Methadon-Schmerztherapie mit einer einzigen Tagesdosis von 10–40 mg, die man wöchentlich um circa 10 mg steigert. Die Halbwertszeit von Methadon ist etwa 4- bis 6-mal so lang wie bei anderen Opioiden (Oxycodon, Hydromorphon, Fentanyl nicht retardiert) und liegt ungefähr bei 24 Stunden, sie kann aber auch nur 15 oder bis zu 60 Stunden betragen. Wenn man 5 Halbwertszeiten für einen „steady state“ hinterlegt, kann die Ersteinstellung damit bis zu 12 Tage dauern.

Methadon wird in der Leber überwiegend über CYP3A4 abgebaut und bindet zu fast 90 % an Plasmaproteine. Dementsprechend kann es zu Wirkverstärkungen oder -minderungen bei CYP3A4-aktiven Co-Medikationen kommen. Ansonsten ist – insbesondere in der Einstellungsphase – mit den opioidtypischen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Vigilanzstörungen und Verstopfung zu rechnen.

Fazit: „In Kenntnis dieser pharmakologischen und pharmakodynamischen Besonderheiten des Methadons dürfte es unter Beachtung der Kautelen eines EKG und einer langen Einstellungsphase sowie einer Beachtung möglicher Interaktionen kein Problem darstellen, bei Patienten mit der Indikation einer opioiden Schmerztherapie auch gelegentlich auf D,L-Methadon zurückzugreifen“, meint der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, SanRat Dr. med. Oliver Emrich, Ludwigshafen.

Dr. med Vera Zylka-Menhorn

Emrich, O; Kritisch betrachtet: D,L-Methadon – eine neue Wunderwaffe in der Tumor-(Schmerz-)Therapie? Schmerzmedizin 2017; 33 (4): 47–48.

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