ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2017Kopfschmerzen: Symptome persistieren bis zu 3 Jahre nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kopfschmerzen: Symptome persistieren bis zu 3 Jahre nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma

Dtsch Arztebl 2017; 114(42): A-1931 / B-1633 / C-1599

Gerste, Ronald D.

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Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Symptomen nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma. Zwar sollten die Schmerzen meist in den ersten 6 bis 12 Monaten nach Verletzung abklingen, doch haben manche Patienten über längere Zeiträume mittelgradige bis schwere Kopfschmerzen, für die sich in der Fachliteratur der Begriff „persistierend“ anstelle von „chronisch“ etabliert hat.

Eine koreanische Arbeitsgruppe hat jetzt den Verlauf von 259 Patienten mit leichten Hirntraumata und mittelgradig bis schwerer Kopfschmerzsymptomatik über 3 Jahre nachverfolgt. Von den zum Zeitpunkt des Traumas im Durchschnitt 38 Jahre alten Patienten hatte die Mehrheit (54,8 %) einen Verkehrsunfall erlitten. Der häufigste Verletzungsmechanismus war bei 2 Drittel dieser Verunfallten der direkte, abrupte Kontakt des Kopfes mit einem Objekt. Zweithäufigste Unfallart waren Stürze (zu 23,6 %). Nach dem Unfall hatten 55,6 % der Betroffenen vorübergehend das Bewusstsein verloren, 22 % hatten eine posttraumatische Amnesie und bei 16,2 % war eine intrakranielle Blutung diagnostiziert worden.

Beim Follow-up nach 12 Monaten gaben 59,5 % eine Besserung der Kopfschmerzen an, welche als Rückgang des NRS (numeric rating scale) auf 3 oder weniger definiert war. Ein NRS-Score von 4 und mehr entspricht mittelgradigen bis schweren Kopfschmerzen. Direkt nach dem Trauma lag der durchschnittliche Wert in dem Kollektiv bei 8,37, nach 1 Monat betrug er 5,23, nach 1 Jahr lag er bei 2,94. 40,5 % der Patienten hatten nach
1 Jahr indes immer noch recht ausgeprägte Beschwerden. Danach ging der durchschnittliche NRS-Score auf 2,62 (nach 2 Jahren) und 2,35 (nach 3 Jahren) zurück.

Zwar gaben nach 3 Jahren
86,9 % der Patienten eine deutliche Besserung an, immerhin 34 Patienten (13,1 %) bewerteten ihre Kopfschmerzen auch nach so langer Zeit als mittelgradig bis schwer.

Als Risikofaktor für persistierende Kopfschmerzen auch noch
3 Jahre nach dem auslösenden Trauma ermittelten die Autoren das Auftreten eines posttraumatischen Krampfanfalls (Odds Ratio [OR]: 2,162; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [1,095; 6,542]; p = 0,041) und eine intrakraniale Blutung als Folge des Unfalls (OR: 2,854; [1,241; 10,372]; p = 0,024).

Fazit: „Die Studie ist für die Aufklärung betroffener Patienten über den zu erwartenden Verlauf, für deren Behandlung und insbesondere auch für die Begutachtung posttraumatischer Kopfschmerzen von großer Bedeutung“, erklärt Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. „Mehr als 40 % der Patienten leiden nach 12 Monaten noch an den gleich starken Kopfschmerzen wie nach dem Unfall. Bei circa 13 % halten sie länger als 3 Jahre an. Eine intensive und umfassende schmerztherapeutische Behandlung ist daher gleich von Beginn an erforderlich, um den Übergang in die Persistenz zu vermeiden. Die Therapie muss von Anfang an als Behandlung über einen längeren Zeitraum geplant werden. Die hochfrequente Einnahme von kurzwirksamen Akutanalgetika kann die Persistenz bei Übergang in einen medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz herbeiführen und unterhalten. Die frühere Ansicht in der Gutachtenspraxis, dass posttraumatische Kopfschmerzen bei milden Schädel-Hirn-Traumata grundsätzlich in wenigen Wochen abklingen, ist obsolet.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Hong CK, Joo JY, Shim YS, et al.: The course of headache in patients with moderate-to-
severe headache due to mild traumatic brain injury: a retrospective cross-sectional study. The Journal of Headache and Pain 2017; 18:48: DOI 10.1186/s10194–017–0755–9.

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