MEDIZIN: Originalarbeit

Behandlung depressiver Störungen in der primärärztlichen Versorgung

Eine epidemiologische Querschnittstudie

The treatment of depression in primary care — a cross-sectional epidemiological study

Dtsch Arztebl Int 2017; 114(43): 721-8; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0721

Trautman, Sebastian; Beesdo-Baum, Katja

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Hintergrund: Hausärzte haben bei der Versorgung von Patienten mit depressiven Störungen eine zentrale Rolle inne. Diese Studie untersucht die Häufigkeit und Art der Behandlung depressiver Störungen in der primärärztlichen Versorgung.

Methode: In einer epidemiologischen Querschnittstudie mit einer Stichtagserhebung in 6 Regionen Deutschlands wurden 253 Ärzte und 3 563 unselektierte Patienten hinsichtlich Diagnose und Behandlung von Depression mittels Fragebögen untersucht. In die Analyse gingen 3 431 verwertbare Patientenangaben beziehungsweise 3 211 verwertbare Arzt- und Patientenangaben ein.

Ergebnis: 68,0 % der Hausarztpatienten mit einer Depression gemäß Depression-Screening-Questionnaire (N = 490) wurden vom Hausarzt oder in anderen Versorgungssettings behandelt, wobei die Behandlungsrate unter den durch den Hausarzt korrekt diagnostizierten Fällen mit 92,8 % höher lag als unter nicht erkannten Fällen (47,8 %). Am Stichtag wurden 54,1 % der Patienten mit Depression vom Hausarzt selbst behandelt, 21,2 % waren in die spezialisierte Versorgung überwiesen worden. Rund 60 % aller Patienten mit Depression wurden nicht leitlinienorientiert mit Antidepressiva und/oder Psychotherapie behandelt. Eine leitlinienorientierte Behandlung war abhängig von der hausärztlichen Diagnose (Odds Ratio [OR] = 7,5; Konfidenzintervall: [4,9; 11,6]; p < 0,001) und besser bei Ärzten mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie (OR = 1,9; [1,1; 3,4]; p = 0,022).

Schlussfolgerung: Die Befunde einer relevanten Unterversorgung von Patienten mit depressiven Störungen in der Primärversorgung weisen auf die Notwendigkeit der Vermittlung differenzierter Fähigkeiten zur Diagnose- und Indikationsstellung hin.

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen (1) und sind mit erheblichen individuellen und gesellschaftlichen Kosten verbunden (2, 3). Vor diesem Hintergrund ist eine frühe Erkennung und effektive Behandlung von großer Bedeutung. Für die Diagnostik und optimale Behandlung depressiver Störungen existieren bereits qualitätsgesicherte Standards (S3/NVL-Leitlinie Unipolare Depression) (46). Trotzdem wird noch immer ein erheblicher Teil der Patienten mit depressiven Störungen nicht adäquat behandelt (7), wobei das korrekte Erkennen der Störung einer der wichtigsten Prädiktoren für eine leitlinienorientierte Behandlung ist (8, 9).

Bei der Versorgung von depressiven Störungen kommt dem primärärztlichen Sektor eine Schlüsselrolle zu: Hausärzte sind in der Regel der erste Kontakt im Versorgungssystem und können Patienten mit depressiven Störungen frühzeitig erkennen, selbst behandeln oder in die spezialisierte Versorgung überweisen; damit sind sie Weichensteller für eine leitliniengerechte Versorgung (1012).

Aktuelle Kenntnisse zur Häufigkeit und Qualität der Behandlung von Menschen mit Depression in der primärärztlichen Versorgung im deutschsprachigen Raum basieren auf Sekundärdatenanalysen (7, 10), die über den erheblichen Anteil an nicht erkannten beziehungsweise nicht diagnostizierten Patienten mit Depression keine Aussage treffen können. Eine epidemiologische Bestandsaufnahme im primärärztlichen Bereich erfolgte in Deutschland zuletzt Ende der 1990er-Jahre im Rahmen der „Depression-2000-Studie“, die – neben einer hohen Stichtagsprävalenz der Depression – Optimierungsspielräume im Erkennen und Behandeln depressiver Störungen aufzeigte (13, 14). Um aktuelle Daten zur Behandlung von Patienten mit depressiven Störungen in der primärärztlichen Versorgung nach Einführung der S3-Leitlinie vorzulegen, wurde 2014/15 erneut eine epidemiologische Studie in deutschen Hausarztpraxen durchgeführt.

Methodik

Studiendesign und Stichprobe

Im Rahmen des bundesweit angelegten, mehrstufigen epidemiologischen Studienprogramms zum „Versorgungsverlauf bei Depression in Arztpraxen der Primärversorgung“ (VERA-Studie) wurden Ende 2013/Anfang 2014 auf Basis einer regional geclusterten Zufallsauswahl von Hausärzten in 6 Regionen Deutschlands 269 Ärzte (Response 5,8 %) für die Teilnahme an der Studie rekrutiert und zunächst in einer Vorstudie hinsichtlich Arzt- und Praxismerkmalen befragt. 253 Ärzte nahmen mit 3 563 unselektierten Patienten (Response: 55,9 %) an der Querschnitt-Stichtagsuntersuchung teil, indem sie Patienten- beziehungsweise Arztfragebögen bearbeiteten. Daraus ergaben sich 3 431 verwertbare Patientenangaben. Von 3 367 Patienten lagen sowohl Patienten- als auch Arztbögen vor, wobei hier 3 211 Angaben verwendbar waren; diese bildeten die Grundlage für den Großteil der hier präsentierten Ergebnisse. Details zur Studiendurchführung sowie zur Arzt- und Patientenstichprobe finden sich im eMethodenteil und eGrafik 1.

Flow-Chart der Rekrutierung und Response
eGrafik 1
Flow-Chart der Rekrutierung und Response

Erfassung der Depression

Depressive Beschwerden wurden bei Patienten im Selbstbericht mittels des Depression Screening Questionnaire (DSQ) (15) erfasst. Der DSQ bildet die ICD-10-Kriterien depressiver Episoden (16) mittels zwölf Fragen zu depressiven Beschwerden in den letzten zwei Wochen ab. Eine ICD-10-Studiendiagnose „Depression“ wurde bei Vorliegen von mindestens vier Symptomen, davon mindestens drei „an den meisten Tagen“, kodiert (17) (eKasten). Gemäß diesen Kriterien lag bei n = 490 Patienten (14,3 %) eine Depression vor (n = 451 Patienten [14,1 %] mit vorliegendem Arztbogen).

Erfassung der Depression
eKasten
Erfassung der Depression

Zusätzlich beurteilten die Ärzte das Bestehen von Depression und anderen psychischen Störungen und ordneten diese den Kategorien „sicher“, „unterschwellig“, „fraglich“ oder „nein“ zu. Bei Diagnose einer Depression erfolgte zudem eine Schweregradeinschätzung.

Erfassung der Behandlung

Daten zur Behandlung depressiver Störungen wurden von den Ärzten und den Patienten erhoben (eTabelle 1). Die Ärzte gaben im Arztfragebogen Auskunft über ihre Interventionen am Stichtag und über eventuell bereits laufende Therapien. Im Patientenfragebogen wurden aktuell bestehende Behandlungen erfasst. Somit werden im Folgenden die Behandlung durch den Arzt am Stichtag (Angaben aus dem Arztbogen) (Tabelle) und bereits bestehende Therapien jenseits der Behandlung am Stichtag (Angaben aus Arzt- und Patientenbogen) (eTabelle 2) beschrieben. Arzt- und Patientenangaben wichen ebenso wie in anderen Studien (18) teilweise voneinander ab (Cohens Kappa 0,20–0,40). Um bestehende Behandlungen möglichst sensitiv zu identifizieren, wurden diese dann als gegeben angenommen, wenn sie durch den Patienten oder durch den Arzt angegeben wurden (19, 20).

Interventionen des Arztes am Stichtag*1
Tabelle
Interventionen des Arztes am Stichtag*1
Erfassung von Interventionen/Behandlungen
eTabelle 1
Erfassung von Interventionen/Behandlungen
Bestehende aktuelle Behandlungen*1
eTabelle 2
Bestehende aktuelle Behandlungen*1

Leitlinienorientierung

Um das Ausmaß leitlinienorientierter Behandlung abschätzen zu können, wurden alle Angaben zur Behandlung folgenden Kategorien zugeordnet: (1) Psychotherapie, (2) Antidepressiva, (3) sonstige Behandlungen, (4) keine Behandlung (eTabelle 1). Dabei wurden Interventionen am Stichtag und Angaben zu bestehenden Behandlungen einbezogen. Sowohl Psychotherapie als auch Antidepressiva sind nach den S3-Leitlinien bei der Therapie depressiver Störungen indiziert.

Statistische Auswertung

Anhand von Häufigkeitsanalysen wurde zum einen das Interventionsverhalten von Ärzten betrachtet, wenn diese eine Depression beim Patienten diagnostizierten, unabhängig von den Ergebnissen des DSQ (Arztdiagnose „Depression sicher“, n = 353 [10,7 %]). Zum anderen wurden die Interventionen von Ärzten bei Patienten mit ICD-10-DSQ-Studiendiagnose Depression untersucht. Bei allen Analysen, die Daten des Arztes einbezogen, bildeten diejenigen Patienten die Untersuchungsstichprobe, für die sowohl Angaben im DSQ als auch diagnostische Angaben im Arztbogen vorlagen (n = 3 211). Einzelne Analysen, die nur Patientenangaben umfassen, beziehen sich auf die Stichprobe der n = 3 431 Patienten.

Analysen zur Behandlung wurden nach dem Erkennen der depressiven Störung durch den Hausarzt stratifiziert. Der Arzt klassifizierte die DSQ-Fälle dabei als sichere/unterschwellige Depression (richtiges Erkennen) beziehungsweise als fragliche Depression oder als fragliche/unterschwellige/sichere andere psychische Störung (unspezifische Fallerkennung) (eGrafik 2). Zudem wurde jeweils nach dem Schweregrad der depressiven Störung stratifiziert. Um mit leitlinienorientierter Behandlung (= abhängige Variable) assoziierte Arztmerkmale (= unabhängige Variablen) zu identifizieren, wurden logistische Regressionsanalysen durchgeführt und das Zusammenhangsmaß Odds Ratio (OR) mit 95-%-Konfidenzintervallen (KI) bestimmt. Unter den Arztmerkmalen wurden Alter, Geschlecht, Zusatzbezeichnung Psychotherapie, Zusatzbezeichnung Psychosomatische Grundversorgung sowie selbstberichtetes Kennen der S3-Leitlinie einbezogen. Da in den einzelnen Arztpraxen mehrere Patienten rekrutiert wurden, wurden Cluster-Effekte in den logistischen Regressionen mittels robuster Standardfehler berücksichtigt.

Klassifikation der DSQ-Fälle durch den Hausarzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire
eGrafik 2
Klassifikation der DSQ-Fälle durch den Hausarzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire

Ergebnisse

Häufigkeit und Art der Behandlung
durch den Hausarzt am Stichtag

Ein aktives Abwarten mit Wiedereinbestellung am Stichtag war äußerst selten (drei Patienten unter allen vom Arzt erkannten Depressionsfällen; keiner davon erstmals am Stichtag diagnostiziert) (Tabelle). In der Mehrzahl der Fälle führte der Arzt am Stichtag selbst Behandlungen durch, unabhängig davon, ob die Patienten die Diagnose nach Selbstbericht oder nach Arzteinschätzung erfüllten. Die häufigsten Interventionen waren dabei Gespräche/Beratungen, gefolgt von medikamentöser Behandlung. Ein geringer Anteil der Ärzte führte selbst eine Psychotherapie durch (leichte Depression: 2,3–5,9 %, mittelschwere Depression: 4,7–12,0 %, schwere Depression: 12,5–15,8 %). Je nach Diagnose (Selbstbericht versus Arztdiagnose) und Schweregrad lag der Anteil an Überweisungen in die spezialisierte Versorgung zwischen 15,1 % und 60,6 %. Bei der Mehrzahl der Überweisungen erfolgte eine Mitbehandlung durch den Hausarzt (Grafik 1). Sowohl für eine selbst durchgeführte Behandlung als auch für eine Überweisung ging das Erkennen der depressiven Störung durch den Hausarzt – im Vergleich zu nicht erkannten oder anders diagnostizierten Fällen – mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für die entsprechende Intervention durch den Hausarzt am Stichtag einher.

Behandlung und Überweisung durch den Hausarzt am Stichtag in Abhängigkeit des Erkennens der Depression (DSQ-Studiendiagnose) durch den Arzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire
Grafik 1
Behandlung und Überweisung durch den Hausarzt am Stichtag in Abhängigkeit des Erkennens der Depression (DSQ-Studiendiagnose) durch den Arzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire

Häufigkeit und Art bestehender Behandlungen

Bei 53,3 % der Patienten mit einer Depressionsdiagnose gemäß DSQ und bei 79,9 % der Patienten mit einer entsprechenden Arztdiagnose wurde am Stichtag eine bereits bestehende Behandlung vom Arzt oder vom Patienten angegeben (eTabelle 2). Dabei waren bestehende medikamentöse Behandlungen häufiger als psychotherapeutische Behandlungen. Psychotherapie wurde für 23,7 % der DSQ-Fälle und 34,8 % der Arztdiagnose-Fälle berichtet. Bei der medikamentösen Behandlung wurde vor allem die Therapie mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSNRI) und noradrenergen und spezifisch serotonergen Antidepressiva (NaSSA) angegeben. Die Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva (TCA) und anderen Substanzen außerhalb der Klasse der Antidepressiva war eher selten. Es zeigte sich für die Mehrheit der Interventionen eine höhere Wahrscheinlichkeit der Behandlung mit zunehmender Schwere der Depression sowie bei Erkennen der vom Patienten im Fragebogen berichteten depressiven Störung durch den Arzt.

Leitlinienorientierung

Grafik 2 zeigt den Anteil von Patienten mit leitlinienorientierter Behandlung (Psychotherapie und/oder Antidepressiva), mit nicht leitlinienorientierter Behandlung (Intervention, aber keine Antidepressiva/Psychotherapie) sowie Patienten ohne Behandlung. Dabei sind sowohl Interventionen am Stichtag (einschließlich Überweisung Psychiater/Psychotherapeut/Klinik) als auch bereits bestehende Behandlungen berücksichtigt. Bei korrekt erkannten DSQ-Fällen war der Anteil von Patienten ohne eine Intervention gering (2,6 % bei schwerer Depression bis 9,3 % bei leichter Depression). Bei nicht vom Arzt erkannten oder anders diagnostizierten Depressionsfällen lag dieser Anteil zwischen 37,5 % (schwere Depression) und 54,0 % (leichte Depression). Insgesamt erhielten 68,0 % aller DSQ-Fälle eine Intervention entweder am Stichtag durch den Hausarzt oder in anderen Versorgungssettings. Hinweise auf eine Unterversorgung gemäß S3-Leitlinie (keine Antidepressiva oder Psychotherapie bei leichter und mittelschwerer Depression, keine Kombinationsbehandlung bei schwerer Depression) lagen bei 58,6 % der DSQ-Fälle vor, jedoch bei korrekt erkannten DSQ-Fällen in geringerem Ausmaß (33,5 %) als bei nicht erkannten Fällen (79,1 %; OR = 7,5; [4,9; 11,6]; p < 0,001). Die stärksten Hinweise auf Unterversorgung fanden sich bei schwerer Depression (insgesamt: 60,0 %; 39,5 %, wenn erkannt; 93,7 %, wenn nicht erkannt). Die Unterversorgung von 37,9 % bei erkannter leichter Depression reduzierte sich nicht weiter, wenn ärztliche Angaben zu Abwarten und Wiedereinbestellung berücksichtigt wurden.

Ausmaß leitlinienorientierter Behandlung in Abhängigkeit des Erkennens der Depression (DSQ-Studiendiagnose) durch den Arzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire
Grafik 2
Ausmaß leitlinienorientierter Behandlung in Abhängigkeit des Erkennens der Depression (DSQ-Studiendiagnose) durch den Arzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire

Ärztinnen behandelten im Vergleich zu Ärzten mit höherer Wahrscheinlichkeit leitlinienorientiert (OR = 1,64; [1,04; 2,60]; p = 0,034), während es keinen Zusammenhang mit dem Alter der Ärzte gab. Darüber hinaus wurden depressive Patienten von Ärzten mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie häufiger leitlinienorientiert behandelt (55,8 %) als von Ärzten ohne Psychotherapie-Zusatzbezeichnung (39,7 %; OR = 1,9; [1,1; 3,4]; p = 0,022). Für die Zusatzbezeichnung Psychosomatische Grundversorgung zeigte sich ein solcher Zusammenhang nicht (OR = 1,04; [0,66; 1,62]; p = 0,862). Das Kennen der S3-Leitlinie nach Selbstaussage der Ärzte war tendenziell mit einer leitlinienorientierten Behandlung der Depressionspatienten assoziiert (OR = 1,5; [0,98; 2,3]; p = 0,058).

Diskussion

Die Hauptergebnisse dieser epidemiologischen Querschnittstudie in Hausarztpraxen zur Häufigkeit und Art der Behandlung bei Patienten mit Depression sind:

  • Die Mehrheit der Hausarztpatienten mit einer depressiven Störung erhält irgendeine Behandlung/Intervention.
  • Gemäß Erhebung an einem Stichtag wird etwa jeder zweite Patient mit einer depressiven Störung vom niedergelassenen Hausarzt selbst behandelt, etwa jeder fünfte wird in die spezialisierte Versorgung überwiesen.
  • Hausarztpatienten mit einer depressiven Störung erhalten häufiger eine medikamentöse als eine psychotherapeutische Behandlung. Dies gilt auch für Patienten mit einer leichten Depression.
  • Bei mehr als der Hälfte der Hausarztpatienten mit Depression finden sich Hinweise auf eine Unterversorgung, da sie nicht die in den Leitlinien empfohlene Behandlung mit Antidepressiva und/oder Psychotherapie erhalten. Die leitlinienorientierte Behandlung war in hohem Maß abhängig vom korrekten Erkennen der depressiven Störung durch den Hausarzt und besser bei Ärzten mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie.

Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung (11), aber auch im Vergleich zu Krankenkassendaten (21) sind die in dieser Studie gefundenen Behandlungsraten für depressive Störungen in der primärärztlichen Versorgung relativ hoch. Stellt der niedergelassene Arzt eine Depressionsdiagnose, sind sogar fast alle Patienten in irgendeiner Behandlung. Gründe für die hohen Behandlungsraten könnten neben der Einführung der S3-Leitlinie eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber psychischen Störungen im Allgemeinen sowie depressiven Erkrankungen im Speziellen sein.

Die Beteiligung der Hausärzte an der Behandlung depressiver Patienten ist ebenfalls relativ hoch. Erkennen Ärzte die depressive Störung, so behandeln sie in etwa 80 % der Fälle den Patienten selbst. Dieser Behandlungsanteil stellt im Vergleich zu einer ähnlichen früheren Untersuchung eine leichte Erhöhung dar (12) und deckt sich mit jüngeren Krankenversichertendaten (10). Bei erkannten Fällen behandelt der Arzt gut ein Drittel der Patienten mit Antidepressiva, unabhängig vom Schweregrad der Depression. Bemerkenswert ist dabei der deutliche Rückgang der Verwendung von TCA von etwa 32 % im Jahr 2000 (12) auf circa 0–6 % in der vorliegenden Studie. Der Anteil an psychotherapeutischen Interventionen durch den Hausarzt ist erwartungsgemäß gering, bei schweren Depressionen allerdings um ein Vielfaches höher. Hier könnten fehlende Kapazitäten in der spezialisierten Versorgung eine Rolle spielen, in deren Folge Hausärzte bevorzugt Patienten mit schweren Depressionen auch selbst psychotherapeutisch behandeln.

Neben Interventionen durch den niedergelassenen Arzt fanden sich bei der Mehrheit der Patienten mit Depression Hinweise auf weitere bestehende Behandlungen. Auch hier waren medikamentöse Interventionen häufiger als nichtmedikamentöse, was Ergebnisse aus Krankenversichertendaten bestätigt (22). Dieses Verhältnis zeigt sich auch bei leichter Depression, was darauf hindeutet, dass die in den S3-Leitlinien vorgeschlagene Präferenz von psychotherapeutischen gegenüber medikamentösen Interventionen bei leichter Depression in der Routineversorgung noch nicht breit umgesetzt wird. In diesem Zusammenhang wurde bereits auf eine mögliche Übermedikalisierung bei leichter Depression hingewiesen (23), obgleich die Befunde dahingehend nicht einheitlich sind (7). Möglicherweise werden die begrenzten Psychotherapie-Ressourcen eher für schwerere Depressionen vorgehalten. Hinsichtlich der sonstigen bestehenden medikamentösen Behandlungen zeigte sich ähnlich wie bei der hausärztlichen Behandlung, dass kaum TCA oder nichtantidepressive Substanzen verordnet wurden. Dies deutet auf eine gute Umsetzung der S3-Leitlinie in Bezug auf die Verwendung effektiver und möglichst verträglicher Substanzen hin.

Bei der Abschätzung der Leitlinienorientierung konnte festgestellt werden, dass ein hoher Anteil von etwa 70 % der vom Hausarzt korrekt erkannten Depressionsfälle entweder eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Antidepressiva erhält. Bei nicht erkannten Fällen (keine oder andere Diagnose) lag dieser Anteil jedoch nur bei knapp einem Viertel. Eine solch große Diskrepanz lässt sich nicht allein mit der Behandlung durch den Hausarzt selbst erklären, sondern deutet auf die zentrale Rolle der Hausärzte als „Gatekeeper“ hin, die Patienten nicht nur selbst behandeln, sondern vor allem auch notwendige Behandlungen durch Überweisung initiieren können. Hierfür ist ein möglichst gutes Erkennen depressiver Störungen essenziell. Die leitlinienkonforme Kombinationsbehandlung von Psychotherapie und Antidepressiva wird zwar bei schweren Depressionen häufiger durchgeführt als bei leichten und mittelschweren Depressionen, dennoch erhalten auch bei korrektem Erkennen der Störung weniger als zwei Drittel der Patienten mit schwerer Depression eine solche Behandlung. Hier wird die Leitlinie bisher nur unzureichend umgesetzt. Über die Gründe (zum Beispiel nicht erkannte Indikation, Ablehnung durch den Patienten) kann hier jedoch keine Aussage getroffen werden.

Limitationen

Bei der Interpretation der Ergebnisse sind Limitationen zu beachten. Es handelt sich um eine Querschnittuntersuchung. Informationen zum Störungs- und Behandlungsverlauf konnten hier nicht berücksichtigt werden. Durch die Stichtagserhebung können nicht alle Interventionen des Arztes erfasst werden. Die vorgestellten Häufigkeiten der Interventionen durch den Arzt sind konservative Schätzungen. Demgegenüber könnte die additive Verwendung von Arzt- und Patientenangaben bei der Schätzung bestehender Behandlungen tendenziell eine Überschätzung der Behandlungsraten darstellen. Eine Objektivierung der Behandlungsdaten, zum Beispiel durch Verbindung mit Krankenversichertendaten, war in der vorliegenden Studie nicht möglich. Die Beurteilung der Leitlinienorientierung ist eine näherungsweise Schätzung, da zahlreiche Aspekte (Dauer, Dosierung, Therapiewechsel) hier nicht berücksichtigt werden konnten. Zudem können Fragen der Überversorgung bei leichten und mittelgradigen Depressionen mit den vorliegenden Querschnittdaten nicht beantwortet werden. Obgleich der DSQ an etablierten diagnostischen Kriterien (16, 24) abgeleitet wurde und eine gute Sensitivität und Spezifität aufweist, hat das Verfahren Grenzen in Bezug auf die korrekte Klassifikation von Patienten mit Depression und kann keineswegs als „Goldstandard“ angesehen werden (2529). Diese Limitation ist vor allem hinsichtlich der „erkannten Fälle“ zu beachten.

Vergleichbar mit anderen jüngeren Untersuchungen (30, 31) zeigte sich eine relativ geringe Responserate bei den Ärzten. Im Vergleich zu den im Jahr 2014 bundesweit registrierten ambulant tätigen Ärzten ist die Arztstichprobe durch einen höheren Anteil an Frauen und jüngeren Ärzten charakterisiert (eMethodenteil, eGrafik 1).

Resümee

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse dieser primärärztlichen Versorgungsstudie, dass ein hoher Anteil an Patienten mit Depression irgendeine Behandlung/Intervention erhält. Die Behandlung depressiver Störungen im Allgemeinen sowie die Orientierung an bestehenden Leitlinien im Speziellen ist in hohem Maße abhängig vom korrekten Erkennen der Störung durch den Arzt. Dieser Befund unterstreicht die Bedeutung niedergelassener Ärzte bei der Versorgung depressiver Störungen sowie die Notwendigkeit, in Aus- und Weiterbildungen differenzierte Fähigkeiten zur Diagnostik und Indikationsstellung zu vermitteln. Ein Disease-Management-Programm Depression könnte zur Reduktion der Unterversorgung beitragen (32, 33).

Förderung und Danksagung
Das VERA-Projekt wurde durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert und vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität Dresden unter Leitung von Prof. Dr. Katja Beesdo-Baum und Co-Leitung von Prof. Dr. Franziska Einsle und PD Dr. Susanne Knappe am Center for Clinical Epidemiology and Longitudinal Studies (CELOS) durchgeführt. Projektpartner waren die Stiftung Deutsche Depressionshilfe, das Deutsche Bündnis gegen Depression e. V. (PD Dr. Christine Rummel-Kluge und Ines Heinz, Leipzig) sowie das Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden (ZEGV; Prof. Dr. Jochen Schmitt). Wissenschaftliche Studienmitarbeiter der VERA-Studie waren Gesine Wieder, Lisa Knothe, Denise Küster, Janine Quittschalle, Diana Pietzner, Abdelilah El Hadad und Sebastian Trautmann. Die Feldarbeit wurde unterstützt durch regionale Bündnisse gegen Depression (Region Leipzig: Nicole Koburger, Bettina Haase; Region Berlin: PD Dr. med. Meryam Schouler-Ocak, Theresa Wilbertz; Region München: Rita Wüst; Dr. med. Joachim Hein; Region Fulda: Dr. med. Ulrich Walter; Region Hamburg: Dr. med. Hans-Peter Unger) sowie zahlreiche studentische Mitarbeiter. Assoziierte Partner und Berater für das VERA-Studienteam waren: Prof. Antje Bergmann, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin, TU Dresden; Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universität Leipzig; Prof. Hans-Ulrich Wittchen & Dr. Michael Höfler, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, TU Dresden; Dr. Lars Pieper, Torsten Tille & Henning Schmidt, Center for Clinical Epidemiology and Longitudinal Studies (CELOS), TU Dresden; Prof. Jürgen Hoyer, Behaviorale Psychotherapie und Institutsambulanz für Psychotherapie, TU Dresden; Prof. Andrea Pfennig, Psychiatrische Epidemiologie und Verlaufsforschung, TU Dresden; Dipl.-Psych. Christian Klesse, Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie, Mitglied der S3-Leitlinien-Gruppe. Die Studie wurde unterstützt durch die Sächsische Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM, Dr. Johannes Dietrich und Dr. Andreas Schuster) sowie die AOK Plus (Dr. Ulf Maywald und Andreas Fuchs).

Wir bedanken uns bei allen an der Studie teilnehmenden Ärzten, ihren Medizinischen Fachangestellten und den teilnehmenden Patienten für ihr großes Engagement.

Interessenkonflikt
Prof. Hoyer erhielt Kongressgebührenerstattung von der Firma AstraZeneca.

PD Dr. med. Rummel-Kluge bekam Vortragshonorare von den Firmen Servier und Jansen.

Prof. Hegerl war innerhalb der letzten drei Jahre Mitglied in den Advisory
Boards von Lundbeck und Servier, Berater für Bayer Pharma und Referent für Roche Pharma.

PD Dr. Schouler-Ocaker erhielt Vortragshonorare sowie Reisekosten- und Kongressgebührenerstattung von der Forum für medizinische Fortbildung GmbH und der Lundbeck GmbH.

Dr. Unger erhielt Vortragshonorare durch die Firma Otsuka und Unterstützung für Weiterbildungsmaßnahmen in der Klinik durch die Firmen Servier und Jansen.

Dr. Walter erhielt Kongressgebühren- und Reisekostenerstattung von den Firmen Servier und Merz. Für Vorträge wurde er honoriert von der Firma Lundbeck.

Dr. Hein hält Aktien der Firma Eli Lilly.

Prof. Pfennig bekam Kongress- und Reisekostenunterstützung von der Firma Otsuka sowie Vortragshonorare von den Firmen Otsuka und Lundbeck.

Prof. Schmitt erhielt institutionelle finanzielle Unterstützung für Forschungsprojekte von Sanofi, Novartis, ALK, Pfizer und MSD.

Prof. Bergman bezieht Lizenzgebühren oder Tantiemen für das Buchkapitel „Angststörungen, Psychotherapie“ im Lehrbuch „Duale Reihe Allgemein- und Familienmedizin“ vom Thieme Verlag.

Prof. Wittchen ist Mitglied der Faculty der Lundbeck Foundation und Mitglied des Steering Board von ThINC-IT von Lundbeck.

Die übrigen Autoren klären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 28. 9. 2016, revidierte Fassung angenommen: 11. 7. 2017

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. rer. nat. habil. Katja Beesdo-Baum
Technische Universität Dresden
Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Behaviorale Epidemiologie & Center for Clinical
Epidemiology & Longitudinal Studies
Chemnitzer Straße 46, 01187 Dresden
Katja.Beesdo-Baum@tu-dresden.de

Weitere Autoren

Zitierweise
Trautmann S, Beesdo-Baum K, Knappe S, Einsle F, Knothe L, Wieder G, Venz J, Rummel-Kluge C, Heinz I, Koburger N, Schouler-Ocak M, Wilbertz T, Unger H-P, Walter U, Hein J, Hegerl U, Lieb R, Pfennig A, Schmitt J, Hoyer J, Wittchen H-U, Bergmann A: The treatment of depression in primary care—a cross-sectional epidemiological study. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 721–8.
DOI: 10.3238/arztebl.2017.0721

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Zusatzmaterial
Mit „e“ gekennzeichnete Literatur:
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eMethodenteil, eGrafik, eKasten, eTabellen:
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*1 Die beiden Autoren teilen sich die Erstautorenschaft.
*2 Weitere Autoren am Ende des Beitrags.
Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Technische Universität Dresden:
Dr. rer. nat. Trautman, Prof. Dr. rer. nat. habil. Beesdo-Baum
Behaviorale Epidemiologie, Technische Universität Dresden: Dr. rer. nat. Trautman,
Prof. Dr. rer. nat. habil. Beesdo-Baum
Center for Clinical Epidemiology and Longitudinal Studies, Technische Universität Dresden:
Prof. Dr. rer. nat. habil. Beesdo-Baum
Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Technische Universität Dresden: PD Dr. rer. nat. Knappe, Dr. rer. medic. Einsle, Dipl.-Psych. Knothe, Dipl.-Psych. Wieder, M.Sc.-Math. Venz, Prof. Dr. phil. Hoyer, Prof. Dr. phil. habil. Wittchen
Behaviorale Epidemiologie, Technische Universität Dresden: Dipl.-Psych. Knothe, Dipl.-Psych. Wieder, M.Sc.-Math. Venz
Center for Clinical Epidemiology and Longitudinal Studies, Technische Universität Dresden: M.Sc.-Math. Venz, Prof. Dr. phil. habil. Wittchen
Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Leipzig: PD Dr. med. Rummel-Kluge, Prof. Dr. med. Hegerl
Deutsches Bündnis gegen Depression e. V., Leipzig: Dipl.-Psych. Heinz, Prof. Dr. med. Hegerl
Leipziger Bündnis gegen Depression e. V., Leipzig: Dipl.-Psych. Koburger
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Leipzig: PD Dr. med. Rummel-Kluge, Dipl.-Psych. Koburger, Prof. Dr. med. Hegerl
Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus, Berlin: PD Dr. med. Schouler-Ocak, Dr. med. Wilbertz
Harburger Bündnis gegen Depression e. V., Asklepios Klinik Harburg:
Dr. med. Unger
Akademie für Suizidprävention des Gesundheitsnetz Osthessen e. V., Fulda: Dr. med. Walter
Münchner Bündnis gegen Depression e. V., München: Dr. med. Hein
Klinische Psychologie und Epidemiologie, Fakultät für Psychologie, Universität Basel: Prof. Dr. phil. Lieb
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Fakultät Carl-Gustav Carus, Technische Universität Dresden: Prof. Dr. med. Pfennig
Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV), Medizinische Fakultät Carl-Gustav Carus, Technische Universität Dresden: Prof. Dr. med. Schmitt
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Ludwig-Maximilians Universität München: Prof. Dr. phil. habil. Wittchen
Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät Carl-Gustav Carus, Technische Universität Dresden: Prof. Dr. med. habil. Bergmann
Behandlung und Überweisung durch den Hausarzt am Stichtag in Abhängigkeit des Erkennens der Depression (DSQ-Studiendiagnose) durch den Arzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire
Grafik 1
Behandlung und Überweisung durch den Hausarzt am Stichtag in Abhängigkeit des Erkennens der Depression (DSQ-Studiendiagnose) durch den Arzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire
Ausmaß leitlinienorientierter Behandlung in Abhängigkeit des Erkennens der Depression (DSQ-Studiendiagnose) durch den Arzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire
Grafik 2
Ausmaß leitlinienorientierter Behandlung in Abhängigkeit des Erkennens der Depression (DSQ-Studiendiagnose) durch den Arzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire
Interventionen des Arztes am Stichtag*1
Tabelle
Interventionen des Arztes am Stichtag*1
Flow-Chart der Rekrutierung und Response
eGrafik 1
Flow-Chart der Rekrutierung und Response
Klassifikation der DSQ-Fälle durch den Hausarzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire
eGrafik 2
Klassifikation der DSQ-Fälle durch den Hausarzt; DSQ, Depression Screening Questionnaire
Erfassung der Depression
eKasten
Erfassung der Depression
Erfassung von Interventionen/Behandlungen
eTabelle 1
Erfassung von Interventionen/Behandlungen
Bestehende aktuelle Behandlungen*1
eTabelle 2
Bestehende aktuelle Behandlungen*1
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    popert
    am Dienstag, 31. Oktober 2017, 00:43

    Wer andern eine Grube gräbt ...

    Diese Studie erscheint pünktlich, um in der internen Diskussion um ein DMP Depression Munition für einen Diagnosenvorbehalt durch Psychologen/Psychiater zu liefern.
    Allerdings ist die Methodik schlecht: durch Verwendung eines ungeeigneten, nämlich wenig spezifischen Screening-Tests als Referenz möchten die Autoren ihre These belegen, dass Hausärzte zur Diagnostik und Therapie der Depression dringend weitergebildet werden müssen.
    Bezogen auf die von Hausärzten selbst gestellten Diagnosen ergibt sich aber eine sehr gute Qualität. Die Therapiequoten betragen bei schweren, mittleren und leichten Depressionen 97%, 87,5% und 79,1%! Das ist kaum zu toppen, wenn man berücksichtigt, dass in der NVL nicht die Behandlung, sondern die Beratung über die Behandlungsoptionen das Ziel ist.
    Fazit: wenn selbst die Wissenschaftler unter den Psycho-Spezialisten nicht einmal zu einer sauberen Diagnose fähig sind, wie sieht das dann in der Praxis aus? So gesehen, haben die Autoren ihren Kollegen einen Bärendienst erwiesen.
    Und: ist es Zufall, dass einige der Autoren schon wegen Interessenskonflikten im Mittelpunkt standen? Siehe dazu:
    https://www.aerzteblatt.de/archiv/145655/Fachliche-und-ethische-Kritik
    https://www.online-zfa.de/media/archive/2003/12/10.1055-s-2003-816015.pdf

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