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Als Psychologische Psychotherapeutin mit dem Behandlungsschwerpunkt Psychoonkologie muss ich der dem aktuellen Heilpraktikergesetz zugrunde liegenden Annahme, Heilpraktiker wären harmlos und würden Patienten keinen Schaden zufügen, entschieden widersprechen.

Viele Krebspatienten suchen Heilpraktiker auf, in der Meinung, dort eine staatlich regulierte Alternativmedizin zu finden. Insofern vergeht keine Woche, in der ich in meiner psychotherapeutischen Praxis nicht in irgendeiner Form mit den Folgen heilpraktischer Tätigkeit konfrontiert bin. Zum Standard der „psychoonkologischen Heilpraxis“ gehört es beispielsweise, Krebspatienten mit (längst widerlegten) psychoätiologischen Theorien der Krankheitsentstehung in Angst und Schrecken zu versetzen. Also, in etwa: Falsches

Leben gelebt, Konflikte nicht gelöst, schlechte Mutterbeziehung – und jetzt ist der Krebs die Quittung! Zusätzlich zu dem Anpassungsstress, unter dem Krebspatienten nach der Diagnose stehen, wird ihnen damit die Schuld für ihre Erkrankung aufgebürdet. Sie geraten nicht selten in eine verzweifelte Suche nach dem „richtigen“ Leben als vermeintlicher Grundvoraussetzung ihrer Heilung. Bei dieser Suche ist der Heilpraktiker natürlich gerne behilflich – vorausgesetzt, man nimmt ihn nur regelmäßig genug in Anspruch. Patienten erhalten zudem die explizite Empfehlung, wichtige Bausteine der onkologischen Behandlung, wie Chemotherapie und Bestrahlung, nicht in Anspruch zu nehmen, um nicht „die Selbstheilungskräfte des Körpers zu schwächen“. Ich beobachte regelmäßig, wie kommunikativ (und manipulativ) begabte Heilpraktiker gezielt die Vertrauensbeziehung zwischen Krebs-

patient und behandelndem Onkologen schwächen, indem sie die leitlinienorientierte Medizin desavouieren. Dabei gehört eine vertrauensvolle Arzt-Patient-Beziehung zum Kostbarsten, was ein schwerkranker Patient haben kann.

Besonders empfänglich für die Heilsversprechen der Heilpraktiker sind Patienten in palliativer Behandlung. Ich habe mehrfach Patienten in den letzten Monaten und Wochen ihres Lebens begleitet, deren Heilpraktiker ihre verzweifelten Hoffnungen ausnutzte, um sie zu weiteren kostspieligen „Behandlungen“ zu motivieren. Diese zehrten letztlich die gesamten finanziellen Rücklagen der Familie auf.

Nach Jahren psychoonkologischer Praxis halte ich den Schaden, der Patienten durch Heilpraktiker und ihre Behandlungsempfehlungen entsteht, medizinisch, materiell und menschlich für erheblich. Insofern spricht mir die in ihrem Artikel zitierte Forderung der Arbeitsgruppe um Frau Professor Schöne-Seifert, diese „medizinische Parallelwelt“ wenn schon nicht abzuschaffen, so sie doch nicht mehr staatlich anzuerkennen und mit einer „gesetzlich fixierten Berufsbezeichnung“ zu versehen, aus dem Herzen. Heilpraktikeranwärter staatlicherseits besser zu überprüfen, wie jetzt angedacht, würde diesen unseligen „Berufsstand“ nur stärken und die bestehenden Verhältnisse zementieren.

Dr. phil. Angela Grigelat, 80336 München

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