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In dem Artikel wird das Bild erweckt, die Intention des Münsteraner Kreises wäre, den Bereich der komplementäralternativen Medizin und das Heilpraktikerwesen zu analysieren. Nach meiner Auseinandersetzung mit Memorandum und Münsteraner Kreis komme ich zu dem Ergebnis: Das Motiv ist anders, so wie ganz konkret ausgesagt: „Wir wollten den gegenwärtigen Irrsinn nicht länger hinnehmen.“ Was alles Irrsinn sein soll, wird nicht ganz konkret, sondern lässt beliebige Erweiterungen offen.

Die Handlungsempfehlungen sind konkret. Die Grundlage dafür ist erstaunlicherweise ohne irgendeinen Beleg. Der Großteil der Behauptungen, Setzungen über die Heilpraktiker, ihre Gesinnung, ihre Arbeit und auch über alternativkomplementär arbeitende Ärzte und Patienten wird in keiner Weise verifiziert.

Zu den Heilpraktikern wird ausgesagt, es gibt keine Daten, außer einer Zunahme in Bayern. Weder im Memorandum noch auf der MK-Seite findet sich irgendein Beleg, eine Studie, Umfrage, Forschung, Gehör des Gegenübers. Die Autoren kennen ihr Objekt nicht.

Wissenschaftliche Orientierung, die von den Autoren als Kriterium eingeführt wird, sieht anders aus. Wissenschaft wäre die Fähigkeit des Menschen, ein Objekt ergebnisoffen unter bestimmten Kriterien kommunizierfähig anzuschauen, sich und das Objekt daran weiterzuentwickeln. Im Memorandum scheint meines Erachtens Wissenschaft vorgegeben als Deckmantel für Bedienung von Ressentiments.

Ein anderes eingeführtes Kriterium, die Selbstbestimmung, ein eigenständiges Urteilsvermögen, wird dem Patienten in diesem Bereich der KAM einfach so abgesprochen und auch dem alternativ arbeitenden Arzt.

Das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) positioniert sich, zu Recht meine ich, bei Kollektivschuldzuweisungen und Pauschalierungen (Abzocker, Ärtzepfusch etc.) gegenüber Ärzten oder wenn ein Einzelfall unsubstanziert aufgebauscht wird. Dass über das DÄ kommentarlos hier eine Berufsgruppe und auch ein nicht kleiner Anteil der Ärzte so diffamiert werden kann, halte ich für gefährlich. Ein professionales Selbstbewusstsein, welches sich daran erbaut, dass eine andere Profession abgebaut wird, scheint mir mangelhaft.

Gewachsene, anders kulturgegründete Heilsansätze oder neue Ansätze wären nach dieser Diktion nicht wert, sich näher mit ihnen zu beschäftigen und ihre Gesetzmäßigkeiten zu ergründen. Eine freie interdisziplinäre und interkulturelle Forschung, Annäherung, die es durchaus gibt und befruchtend für beide Seiten ist, darf nicht sein.

Als Schulmediziner sehe ich die wissenschaftliche Medizin im Spannungsfeld, dass die Krankheiten immer schneller sind als die Forschung und dass der individuelle Mensch ein sehr komplexes, nicht nur aus sich existierendes Wesen ist. Dass Regulierung und Leitlinien auch zwanghaft aufgenommen werden und kein Garant für Verantwortung und Charakter sind, ist unbestritten. Auch die etwas selbstbestimmtere Möglichkeit der Komplementärmedizin mit der Gefahr des nicht kommunizierbaren Unsoliden führt nicht automatisch zu einer Stärkung der individuell im Sozialen sich verantwortenden Persönlichkeit und dem Wissen, was man genau macht. Entwicklung bleibt also notwendig.

Aber Spaltung, Diffamierung und eine sich selbst einsetzende Instanz, die richtige und falsche Lehre festsetzt und die Falschen bekämpfen lässt, ohne selbst in die mühevolle Entwicklung der Verantwortung, der Forschung, der Kriterienaufstellung und der Zusammenarbeit zu gehen, sind meines Erachtens das Ende einer Wissenschaft und eine Gefahr für die Selbstbestimmung.

Imme Koll, Strietweg 3, 75181 Pforzheim

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