ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2017Rheumatoide Arthritis: Bislang kein erhöhtes Krebsrisiko durch Biologika

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rheumatoide Arthritis: Bislang kein erhöhtes Krebsrisiko durch Biologika

Meyer, Rüdiger

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Biologika haben in den ersten 10 Jahren der Anwendung nicht zu einem Anstieg von Krebserkrankungen von Patienten mit rheumatoider Arthritis geführt. Dies geht aus einer prospektiven Kohortenstudie aus Schweden hervor.

Diese „Disease-modifying anti-rheumatic drug“ (DMARD) können das Fortschreiten der entzündlichen Gelenkzerstörung bremsen. Die dauerhafte Blockade des Immunsystems ist jedoch nicht ohne Risiken. Neben einem erhöhten Infektionsrisiko wird auch ein Anstieg von Krebserkrankungen befürchtet. In einigen Ländern wurden deshalb Patientenregister zur Nachbeobachtung gegründet. In Schweden sind die Voraussetzungen besonders günstig, da alle Einwohner eine Registrierungsnummer haben, die registerübergreifend verwendet wird.

Ein Team um Johan Askling vom Karolinska Institut Stockholm konnte die Daten des „Swedish Rheumatology Quality of Care Register“, das die Therapie von 90–95 % aller Rheumapatienten erfasst, mit dem „Swedish Patient Register“ abgleichen, aus dem ersichtlich wird, wer wegen einer Krebserkrankung in einem Krankenhaus behandelt wurde. In einer früheren Auswertung (2001–2010) hatte das Team noch ein erhöhtes Melanomrisiko von Patienten gefunden, die mit TNF-Inhibitoren behandelt wurden. Die Hazard Ratio von 1,5 (95-%-KI 1,0–2,2) war damals auf der Basis von 20 Melanomerkrankungen berechnet worden (BMJ 2013; 346: f1939).

Die jetzt veröffentlichte Analyse für den Zeitraum von 2006–2016 kann diese Zahlen nicht bestätigen. TNF-Inhibitoren sind nicht mehr mit einem erhöhten Risiko von Melanomen (oder anderen Karzinomen) assoziiert. Dies galt sowohl für Patienten, die die TNF-Inhibitoren als erste DMARD erhalten hatten, als auch für Patienten, die vorher bereits mit anderen Biologika behandelt wurden. Ein Einsatz über mehr als 4 Jahre erhöhte das Melanomrisiko nicht. Auch Patienten, die mit neueren Biologika behandelt wurden, sind nicht häufiger an Krebs erkrankt. Einzige Ausnahme: eine erhöhte Zahl von Spinaliomen unter der Therapie mit Abatacept (Hazard Ratio 2,15; 1,31–3,52).

Fazit:

Trotz der Entwarnung gibt es gute Gründe, die Register fortzuführen. Denn es sei möglich, dass bei einer längeren Beobachtungszeit doch noch ein erhöhtes Risiko gefunden werde, so Askling.

Wadström H, Frisell T, Askling T: JAMA Intern Medicine 2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.4332

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