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Cannabis: Legal ist nicht egal

Dtsch Arztebl 2017; 114(44): A-2007 / B-1695 / C-1661

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Auch wenn über die Drogenpolitik einer „Jamaika“-Koalition in der Presse viel geulkt wird: Die Folgen der von Bündnis 90/Die Grünen und FDP befürworteten Legalisierung von Cannabis für die Gesundheit der Menschen sind gar nicht witzig.

Die für die Legalisierungsambitionen genannten Gründe – statt nicht kontrollierbarer Sachlage die Hoffnung auf ein besseres Beherrschen des Drogenmilieus und eine Reduzierung der für die Gesellschaft entstehenden Kosten – werden nach wie vor divers diskutiert.

Die Befürworter behaupten, die durch das Verbot bedingte Verfolgung binde unnötig Ressourcen, da heute die meisten Ermittlungsverfahren ohnehin eingestellt würden. Sparen kann man aber, so zumindest das Ergebnis einer 2014 in Australien durchgeführten Gegenrechnung, trotzdem nichts: Das Verbot wie auch ein legalisierter, an Bedingungen geknüpfter Verkauf verursachen demnach etwa gleiche Kosten. Nicht gegengerechnet sind allerdings die volkswirtschaftlichen Gesundheitskosten, die beispielsweise durch die Notfallbehandlung von Intoxikationen in Krankenhäusern entstehen, ganz zu schweigen von den Kosten für psychologische Behandlungen.

Selbst Teile der Polizei, die eigentlich ob des Wegfalls der Strafverfolgung froh sein müssten, warnen vor Problemen: Cannabis ist auch dann noch möglicher Einstieg zu anderen Drogen im nicht legalen Markt. Noch wird unterschiedlich prognostiziert, ob die Zahl der Konsumenten bei Legalisierung steigen wird. Falls ja, bekommt die Polizei doch wieder mehr zu tun.

Die medizinische Einschätzung des Cannabis-Ab-usus ist da schon klarer: Die Ärzteschaft warnt vor den Folgen, insbesondere vor den Auswirkungen auf junge Menschen. Deren Schutz soll, so versichern die Legalisierungsbefürworter, natürlich gewährleistet werden. Vielleicht ähnlich wie beim Missbrauch von Alkohol?

Die Legalisierung des Cannabiskonsums ist, so hat es der Heidelberger Mediziner und Psychiater Prof. Dr. med. Rainer Matthias Holm-Hadulla gegenüber dem Magazin Cicero geäußert, „ein Experiment an Kindern und Jugendlichen mit Risiken, denen im medizinischen Bereich keine Ethikkommission zustimmen würde“. Als Beispiele führt Holm-Hadulla das hohe Risiko von Psychosen und zerebralen Entwicklungsstörungen an.

Betroffen sind laut Europäischer Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD, 2011) nicht gerade wenige: 1,4 Prozent der 15- bis 16-jährigen in Deutschland haben ein „problematisches Konsum-muster“. Wird daraus psychische Abhängigkeit, brauchen sie später eine suchttherapeutische Behandlung.

Wahrscheinlich ist: Das Verlagern des Milieus vom Schwarzmarkt etwa in die Apotheke lässt den Konsum für viele harmloser erscheinen. Schon die inzwischen mögliche Verordnung von Cannabis bei ärztlicher Rezeptur auf Krankenkassenkosten war, so Kritiker, mit dem Begleiteffekt behaftet, das Hanf gesellschaftsfähiger zu machen.

Ob der von einigen befürworteten GKV-Rezeptierbarkeit des Medikaments Cannabis jetzt die Freigabe des Rauschgiftes Cannabis als Genussmittel folgen wird, liegt in den Händen der künftigen Regierung.

Mitverantwortlich sind aber auch die Aufklärer und Berichterstatter in den Medien. Ein Hang zur Verharmlosung oder Verklärung – und sei es auch nur „in Erinnerung an frühere Zeiten“ – ist für die Jugend von heute ein ausnehmend schlechter Berater.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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    Syntaxie
    am Montag, 6. November 2017, 22:14

    Mal nachgegraben bei Cicero...

    >>Kiffen schrumpft das Hirn?
    Ja, besonders in der Pubertät, wo ohnehin...<< bla bla
    Insgesamt nur geistiger Müll mit rassistischer Tendenz. Wohl ähnlich dem Müll vom korrumpierten Mr. Harry J. Anslinger in den 1930er Jahren !?

    Zu Alkohol, einem Lösungsmittel bzw. Zellgift ist bekannt, daß langjähriger Konsum zu Hirnschrumpfung führt. Ebenso bei Lackierern, die zu oft ohne Atemschutz vor Lösungsmitteldämpfen gearbeitet haben.

    >>...hirnschädigenden THC...<<
    THC ein Zellgift ? Es gibt keinen einzigen belegten Todesfall durch
    Cannabis !
    Durch Alkoholvergiftungen verursachte Todesfälle gibt es dagegen genug.


    Syntaxie
    am Freitag, 3. November 2017, 23:44

    Und noch einer ...

    >>Die Legalisierung des Cannabiskonsums ist, so hat es der Heidelberger Mediziner und Psychiater Prof. Dr. med. Rainer Matthias Holm-Hadulla gegenüber dem Magazin Cicero geäußert, „ein Experiment an Kindern und Jugendlichen mit Risiken, denen im medizinischen Bereich keine Ethikkommission zustimmen würde“. Als Beispiele führt Holm-Hadulla das hohe Risiko von Psychosen und zerebralen Entwicklungsstörungen an.<<
    ...der gut zu M.Mortler respektive deren Äußerung "Kiffen verursacht Halluzinationen und Hirnschäden" paßt und sich offenbar nicht eingehend befaßt hat mit Hochsensitivität und Synästhesie.
    Hohes Risiko ?
    Mayakuja
    am Freitag, 3. November 2017, 11:59

    Meinungsmache...?

    Der Ärzteschaft scheint sehr daran gelegen ja nicht die Wirksamkeit von Cannabis als Medikament zu bestätigen. Wirkt dieses "Rauschgift" vielleicht so gut dass die Ärzte Angst bekommen weil etliche ihrer Patienten ein soo gutes Medikament verschreibungsfrei in der Apotheke bekommen dass diese nur noch sehr selten bei ihnen vorbeikommen?
    Sie wollen also den alten Alkohol-Jugendschutz-Vergleich? 1. Keiner will eine abgabe ab 16 Jahren. Es ist sogar schon eine Grenze von 21 Jahren im Gespräch. 2. Es ist wohl mit einer kontrollierten Abgabe in Apotheken leichter zu regulieren als Alkohol, welchen es überall frei erhältlich gibt.
    3. Wo waren die ganzen Ärzte, die sich jetzt über die Legalisierung beschweren, im jahr 2007 um Druck auf die Politik zu machen als es darum ging die Altersgrenze für Alkohol auf 18 Jahre anzuheben?
    PS: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2017/_09/_25/Petition_73900.nc.html

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