ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2017Zystische Fibrose: Positive Effekte der Lumacaftor/Ivacaftor-Therapie auch bei Kindern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Zystische Fibrose: Positive Effekte der Lumacaftor/Ivacaftor-Therapie auch bei Kindern

Dtsch Arztebl 2017; 114(44): A-2042 / B-1723 / C-1687

Vetter, Christine

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Die zystische Fibrose ist die häufigste autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung in der kaukasischen Bevölkerung, circa eines von 2 500 Kindern ist betroffen. Ursache sind Mutationen im „Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator (CFTR)“-Gen, die pathologische Änderungen im Salzgehalt von Körpersekreten hervorrufen.

Die Behandlung mit einer Lumacaftor/Ivacaftor-Wirkstoffkombination hat sich bei Patienten mit homozygoter F508del-CFTR-Mutation jenseits des 12. Lebensjahres als effektiv und sicher erwiesen. Ob das auch für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren gilt, war Fragestellung einer randomisierten, doppelblinden und placebo-kontrollierten Phase- 3-Studie. Eingeschlossen wurden 204 Kinder dieser Altersgruppe. Es erfolgte eine Stratifizierung über das Gewicht (< 25 kg vs. ≥ 25 kg) und den ppFEV1 (percent predicted FEV1, < 90 vs. ≥ 90). Behandelt wurden die Kinder über einen Zeitraum von 24 Wochen mit 200 mg Lumacaftor plus 250 mg Ivacaftor alle 12 Stunden oder mit Placebo.

Primärer Endpunkt war die Veränderung des Lungen Clearance Index (LCI) in 24 Wochen Therapie. Dafür ergab sich eine durchschnittliche Differenz von –1,09 Einheiten (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [–1,43; –0,75], p < 0,0001) zwischen der Verum- und der Placebogruppe. Ein sekundärer Endpunkt war der Schweißtest, bei dem sich eine Differenz der Chloridkonzentration von –20,8 mmol/L [–23,4; –18,2] ergab. Beim ppFEV1 zeigte sich eine Verbesserung von 2,4 ([0,4; 4,4], p = 0,0182).

Von 196 Kindern (96 %) wurden Nebenwirkungen berichtet. Die meisten waren mild (43 %) oder moderat (48 %). Schwere Nebenwirkungen traten bei 13 % der Patienten unter Lumacaftor/Ivacaftor und bei 11 % unter Placebo auf. Bei 3 % der Kinder in der Lumacaftor/Ivacaftor-Gruppe und bei 2 % in der Placebogruppe wurde die Behandlung wegen unerwünschter Wirkungen abgebrochen.

Fazit: „Bei der Mukoviszidose beginnt die Lungendestruktion in einem sehr frühen Alter, sodass eine möglichst frühe Intervention zur Reduktion der Krankheitsprogression von größter Bedeutung für die Langzeitprognose ist“, kommentiert Priv.-Doz. Dr. med. Ernst Rietschel, Mukosviszidose-Zentrum Köln, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Köln. Die Weiterentwicklung symptomatischer Therapien und eine Betreuung in spezialisierten Zentren hätten dazu beigetragen, dass die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen mit Mukoviszidose inzwischen ein fast normales FEV1 aufweist. „Deshalb verliert die FEV1 als primärer Outcome-Parameter in Medikamentenstudien für diese Altersgruppe an Bedeutung“, so Rietschel. „Sensitivere Methoden wie die Bestimmung des LCI als primärer Outcome-Parameter ermöglichen es, die Wirksamkeit neuer Medikamente auch an kleineren Patientenzahlen zu belegen.“ Das unterstreiche die Relevanz der aktuellen Studie: Bei 6–11-jährigen Kindern, die homozygot für die Mutation F508del waren, ergab sich ein signifikanter Unterschied im LCI zwischen einer den Chloridkanal modulierenden Therapie mit Lumacaftor/Ivacaftor und Placebo. Allerdings kam es nach 24 Wochen nicht zu einer Verbesserung des LCI, sondern lediglich zu einer Stabilisierung, während sich in der Placebogruppe der Wert verschlechterte. Rietschel: „Damit ist es nun möglich geworden, der Hälfte aller Patienten ab einem Alter von 6 Jahren eine CFTR-modulierende Therapie zusätzlich zur symptomatischen Therapie anzubieten.“

Christine Vetter

Ratjen F, Hug C, Marigowda G, et al.: Efficacy and safety of lumacaftor and ivacaftor in patients aged 6–11 years with cystic fibrosis homozygous for F508del-CFTR: a randomized, placebo-controlled phase 3 trial. Lancet Respir Med 2017; 5: 557-67.

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