MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Gräserpollenallergie: Seltener Asthma nach sublingualer Immuntherapie

Dtsch Arztebl 2017; 114(44): A-2040 / B-1722 / C-1686

Heinzl, Susanne

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Die allergische Rhinokonjunktivitis gilt als Risikofaktor für die Entstehung eines Asthma bronchiale. Mit einer spezifischen Immuntherapie kann die Immunantwort auf Allergene in den Atemwegen so verändert werden, dass der Übergang in ein Asthma bronchiale möglicherweise verhindert werden kann.

In der randomisierten, doppelblinden Studie Grazax Asthma Prevention (GAP) wurde nun bei Kindern untersucht, wie sich eine Gabe von sublingualer Immuntherapie (SLIT) über 3 Jahre im Vergleich zu Placebo auf die Entwicklung eines Asthma bronchiale auswirkt. In 101 Zentren in 11 europäischen Ländern wurden 812 Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren mit Gräserpollenallergie aufgenommen, die zuvor über mindestens 2 Pollenphasen eine antiallergische Pharmakotherapie benötigten. Nach 3-jähriger Behandlungszeit wurden die Kinder über weitere 2 Jahre nachbeobachtet. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Beginn einer Asthmaerkrankung ab dem Zeitpunkt der Randomisierung. Dieser wurde jedoch nicht erreicht. Zwischen der Verum- und der Placebogruppe zeigte sich kein Unterschied: Unter Placebo erkrankten 38/414 Kindern, unter Verum 34/398 Kindern (Hazard-Ratio: 0,9; p = 0,667).

In einer vordefinierten Wirksamkeitsanalyse wurden Asthmasymptome und Medikationsstatus am Ende der Studie erfasst. Hier ergab sich, dass Kinder der SLIT-Gruppe seltener unter Asthmasymptomen litten und Medikamente benötigten als Kinder der Placebogruppe (Odds-Ratio: 0,66; p = 0,036).

Fazit: Trotz Verfehlens des a priori gewählten primären Endpunktes hält Prof. Dr. med. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen, die Studie für besonders wichtig und das Erreichen der genannten sekundären Endpunkte für bedeutsam: „Eine reversible Lungenfunktionsstörung wurde zum Erreichen des primären Endpunktes gewählt, da sie sich leicht standardisieren lässt und trotz der hohen Zahl von 101 Zentren in 11 Ländern einheitliche und objektive Kriterien bietet. Klinisch wissen wir jedoch, dass bei einem beginnenden Asthma sogar bei den meisten Patienten normale Lungenfunktionsparameter gemessen werden. Daher sind die über 2 Jahre nach Therapieende stabile Reduktion von Asthmasymptomen und der Medikamentenverbrauch besonders bedeutsam und klinisch als hoch aussagekräftig zu bewerten.“

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Valovirta E, Petersen TH, Piotrowska T, et al.: Results from the 5-year SQ grass sublingual immunotherapy tablet asthma prevention (GAP) trial in children with grass pollen allergy. J Allergy Clin Immunol 2017; http://dx.doi.org/10.1016/j.jaci.2017.06.014.

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