Supplement: Perspektiven der Kardiologie

Automatisierte externe Defibrillatoren: Eine kritische Bilanz

Dtsch Arztebl 2017; 114(45): [29]

Grunert, Dustin

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In den vergangenen Jahren wurden viele öffentliche Plätze wie U-Bahnstationen, Freibäder und Sportstadien mit automatisierten externen Defibrillatoren (AED) ausgestattet. Die Resultate sind unterschiedlich: Einerseits zeigen Daten beispielsweise aus dem ländlichen Italien, dass die Reanimation durch Laienhelfer mit AED zu einer deutlichen Verkürzung der Zeit bis zum Beginn von Reanimationsmaßnahmen sowie zu einer Verbesserung der Ergebnisse geführt hat.

Andererseits wurde etwa der Landtag von Nordrhein-Westfalen bereits 2003 mit AED ausgestattet und mehr als 50 Angestellte im Umgang mit diesen Geräten geschult, doch kam es bis heute unter mehr als einer Million Besuchern nicht zu einem einzigen Einsatz. Auf dem Frankfurter Flughafen sind mittlerweile mehr als 80 Geräte verfügbar. In den Jahren 2003 bis 2015 wurden mehr als 500 Millionen Passagiere abgefertigt. Es kam bei 25 Personen zu Reanimationen unter AED-Einsatz. Das allerdings mit sehr gutem Erfolg: 16 der Reanimierten überlebten.

„Es ist unbestritten, dass der AED ein sicheres therapeutisches Konzept ist, ein gefährliches Kammerflimmern zu beenden. Auch die Handhabung ist sicher, die Schockabgaben bei Kammerflimmern ad-äquat und Fehlentladungen nicht möglich. Es gibt aber auch nicht erfüllte Erwartungen, die zu einer spürbaren Zurückhaltung gegenüber der AED-Euphorie geführt haben“, erklärte Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe, Ruhr-Universität Bochum, bei den Herztagen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Berlin: „Die Zahl der erwarteten AED-Einsätze war höher als die der tatsächlichen Einsätze im Alltag. Die Ausstattung von großen Sportstadien, Einkaufsmärkten und ähnlichen öffentlichen Orten hat wegen nicht erfolgter oder weniger AED-Einsätze zu Fragen der Kosten-Nutzen-Relation unter finanziellen Aspekten geführt. Und schließlich wurde in einzelnen Fallberichten darauf hingewiesen, dass Reanimationen nicht erfolgreich waren, weil statt unverzüglicher konventioneller Wiederbelebungsmaßnahmen erst ein AED gesucht wurde.“ gru

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