ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2017Heilpraktiker: Unverständnis und Empörung
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Wie die Rheinische Post am 24. Oktober 2017 berichtet, darf der Heilpraktiker Klaus Ross nach dem Spruch des Verwaltungsgerichts Düsseldorf (7L2292/17) wieder im Kreis Viersen tätig sein, obgleich er seit Juli/August 2016 unverändert der fahrlässigen Tötung verdächtigt wird, nachdem einige Krebspatienten in seiner „Alternativen Krebsklinik“ in Brüggen-Bracht unter ungeklärten Verhältnissen zu Tode gekommen waren. Sie waren mit 3-bromo-pyruvat behandelt worden, einer Substanz, die approbierter Ärzte nicht benutzen dürfen.

Das Wiederauflebenlassen der Heilpraktikererlaubnis, die alles andere als ein Berufsnachweis ist, sondern lediglich eine von der örtlichen Gesundheitsbehörde erteilte Lizenz, stößt bei mir auf Unverständnis und Empörung. Was wäre, wenn sich ein approbierte Arzt einer vergleichbaren Verdächtigung ausgesetzt sehen würde?

Schon am 3. August 2016 ließ sich der ermittelnde Staatsanwalt in Krefeld in der Rheinischen Post vernehmen, dass man niemanden in seiner beruflichen Existenz zu gefährden gedenke, worauf ich antwortete, dass es hier nicht um den Erhalt beruflicher Existenzen gehe, sondern um die Aufklärung mehrerer Todesfälle. Inzwischen sind etwa 14 Monate ins Land gegangen, ohne Erhebung einer Anklage gegen den von Anfang an geständigen und kooperativen Beklagten oder dass gar ein Sterbenswörtchen zum Stand der Rechtsfindung an die Öffentlichkeit gelangt wäre.

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Wenig später gerieten gar die Verfolgungsbehörden in Mönchengladbach und Krefeld in einen Streit miteinander, der ebenfalls die Gerichte beschäftigte. Eine zum Jahrestag der Vorfälle in Brüggen-Bracht an den Minister für Justiz in NRW – Herrn Peter Biesenbach – gerichtete Anfrage ging bis dato ins Leere. Der Vorgang wurde nach Krefeld weitergeleitet, wo er in Frieden ruhen wird. Da ich nicht an Wunder glaube, werde ich den schon früh geäußerten Verdacht nicht los, dass da jemand seine schützenden Hände über Herrn Ross hält.

Nach fast vierJahren intensiver Beschäftigung mit dem Heilpraktikerwesen bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass eine Reform dieses weitgehend autodidaktisch funktionierenden und bunt-schillernden Systems nicht möglich ist, sondern nur dessen vollständige Abschaffung, etwa in Anlehnung an das ab 1952 behutsam und schonend betriebene Auslaufen des anerkannten Lehrberufs der Dentisten. Mit der Anmaßung, in den „Alternativen Krebskliniken“ im ganzen Land auch Krebs heilen zu können, haben die Heilpraktiker eindeutig ihren Rahmen überzogen. Die uns Regierenden sind verpflichtet, auch die Bürger in unserem Land vor Scharlatanerie und Übervorteilung zu schützen, so, wie es unsere europäischen Nachbarstaaten schon lange tun. Der Beschluss des 120. Deutschen Ärztetages in Freiburg vom 25. Mai 2017 darf nicht ignoriert werden.

Dr. med. Rudolf Waldmann, 41239 Mönchengladbach

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