ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2017Valsartan: Topische Applikation als Gel fördert Wundheilung bei Diabetikern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Valsartan: Topische Applikation als Gel fördert Wundheilung bei Diabetikern

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der AT1-Antagonist Valsartan, der zur Behandlung von arterieller Hypertonie und Herzinsuffizienz zugelassen ist, könnte als Gel die Wundheilung bei Diabetikern fördern. Darauf deuten tierexperimentelle Studien im Journal of Investigative Dermatology hin.

Viele Diabetiker leiden unter schlecht heilenden Wunden an den Füßen. Die Behandlung ist in der Regel frustrierend und endet nicht selten mit einer Amputation. In den letzten Jahren wurde jedoch erkannt, dass das Renin-Angiotensin-System (RAS) an der Entzündungsreaktion der Haut, der Kollagenablagerung und der für die Wundheilung erforderlichen Signalgebung beteiligt ist. Studien zeigen, dass das RAS-System bei Diabetikern und älteren Erwachsenen Störungen aufweist. Dies veranlasste Peter Abadir von Johns Hopkins Medicine in Baltimore, die topische Wirkung von Medikamenten zu untersuchen, die das RAS hemmen.

Dazu wurden die AT1-Antagonisten Losartan und Valsartan und der ACE-Hemmer Captopril in verschiedenen Konzentrationen in ein Gel eingearbeitet. Die ersten Experimente wurden an Mäusen durchgeführt. Die beste Wirkung wurde mit 1 % Valsartan erzielt. Das Gel beschleunigte die beiden Phasen der Wundheilung (Entzündung und Reparatur). Die schlechtesten Ergebnisse wurden mit 10 % Losartan erzielt.

Die weiteren Experimente wurden dann mit einem 1%igen Valsartan-Gel an der Haut von älteren und diabetischen Schweinen durchgeführt, die große Ähnlichkeit mit der menschlichen Haut aufweist. Die topische Anwendung von Valsartan beschleunigte die Wundheilung. Nach 50 Tagen waren alle 12 Wunden verschlossen gegenüber keiner einzigen, die mit einem wirkstofffreien Gel behandelt worden war. Histologische Untersuchungen der Haut ergaben, dass Valsartan die Dicke der Epidermis verstärkte. Außerdem wurde die Neubildung von Kollagen in der darunter liegenden Dermis gefördert und die Ausrichtung der Kollagenfasern verbessert.

Fazit: Da der AT1-Antagonist seit zwei Jahrzehnten in der Kardiologie eingesetzt wird und die Verträglichkeit bekannt ist, sollte klinischen Studien nichts im Wege stehen. Rüdiger Meyer

Abadir P, Hosseini S, Faghih M, et al.; Topical Reformulation of Valsartan for Treatment of Chronic Diabetic Wounds. Journal of Investigative Dermatology , DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.jid.2017.09.030.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema