MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Jugendliche Typ-1-Diabetiker: Insulinpumpen vermindern Hypoglykämien und Ketoazidosen

Dtsch Arztebl 2017; 114(46): A-2160 / B-1815 / C-1771

Meyer, Rüdiger

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Insulinpumpen können das Risiko von schweren Hypoglykämien und Ketoazidosen senken. Dies zeigen die Ergebnisse einer Kohortenstudie aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. An der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) beteiligen sich 446 Zentren, die vermutlich mehr als 80 % aller Typ-1-Diabetiker unter 20 Jahre betreuen. Beate Karges von der RWTH Aachen und Mitarbeiter haben die Daten von 30 579 Patienten aus 2011–2015 ausgewertet. Von ihnen trugen 14 119 Patienten eine Insulinpumpe. Ob diese Hypoglykämien und Ketoazidosen vermeiden, ist bisher umstritten.

In einer „Propensity Score“- Analyse, die Patienten mit möglichst identischen Eigenschaften gegenüberstellt, wurde die Zahl der schweren Hypoglykämien, die das Eingreifen einer weiteren Person zur Gabe von Glukose oder Glukagon erfordert, auf 9,55 Ereignisse pro 100 Patientenjahre gesenkt gegenüber 13,97 Ereignissen bei Patienten, die sich Insulin spritzen.

Hypoglykämien traten zu etwa einem Drittel seltener auf (–32 %): Die relative Inzidenzrate von 0,68 war mit einem 95-%-KI von 0,59– 0,79 statistisch signifikant. Auch die Häufigkeit eines hypoglykämischen Schocks wurde um 22 % gesenkt (relative Inzidenzrate 0,78; 0,62–0,97). Die Zahl der diabetischen Ketoazidosen (pH-Werts im Blut unter 7,3) ging ebenfalls auf 3,64 Ereignisse pro 100 Patientenjahre zurück gegenüber 4,26 Ereignissen bei konventionellen Insulin-injektionen. Karges ermittelt hier eine relative Inzidenzrate von 0,85 (0,73–0,995), also einen Rückgang um 15 %. Bei den schweren Ketoazidosen (pH-Wert unter 7,1) kam es zu einem Rückgang um 18 % (relative Inzidenzrate 0,82; 0,68–0,99).

Fazit: Karges bringt den Rückgang der Hypoglykämien mit einer insgesamt niedrigeren täglichen Insulindosis in Verbindung. Das Insulin wurde bei der Pumpentherapie auch vermehrt über den Bolus bedarfsgerecht vor den Mahlzeiten appliziert. Die Vorteile könnten damit zusammenhängen, dass Patienten mit Insulinpumpen häufiger schnellwirksame Insulinanaloga einsetzen, die es dem Patienten erlauben, flexibler auf die Mahlzeiten zu reagieren. Für eine langfristig bessere Einstellung des Blutzuckers sprechen auch die etwas günstigeren HbA1c-Werte von 8,04 % gegenüber 8,22 % in der Vergleichsgruppe. Rüdiger Meyer

Karges B, Schwandt A, Heidtmann B, et al.: Association of Insulin Pump Therapy vs Insulin Injection Therapy With Severe Hypoglycemia, Ketoacidosis, and Glycemic Control Among Children, Adolescents, and Young Adults With Type 1 Diabetes. JAMA 2017; 318: 1358–1366.

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