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Selbstmanagement: Wie es gelingt, gut mit beruflichen Niederlagen umzugehen

Dtsch Arztebl 2017; 114(46): [2]

Schuster, Gabriele

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Kein Mensch ist im Berufsleben immer erfolgreich. Gerade Mutige stoßen gelegentlich an Grenzen und ecken an. Umso wichtiger ist es zu überlegen, wie sich ein guter Umgang mit Niederlagen gestalten lässt.

Foto: WavebreakMediaMicro/stock.adobe.com
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Vor einigen Jahren traf ich in einem Seminar auf einen Chefarzt, der mich bereits vor Beginn des Unterrichts beiseitenahm und meinte, „Also, Frau Schuster, in dieser Klinik werden Sie es nie schaffen, irgendetwas zu bewegen. Die Verwaltung blockiert alles. Was ich schon versucht habe, glauben Sie mir, ich habe richtig gekämpft, ist alles gescheitert. Das wird nie was, das verspreche ich Ihnen.“ Ich bedankte mich freundlich für den Hinweis und versprach ihm, seine Worte zu berücksichtigen. Während des mehrtägigen Seminars sprang er mehrfach auf und berichtete wütend immer wieder die gleiche Geschichte: Dass er in der Auseinandersetzung gescheitert sei, sein Team um einen zusätzlichen Arzt zu erweitern.

Einer der Kollegen meinte in einer Pause: „Das ist echt schlimm Frau Schuster. Er erzählt immer das Gleiche. Nicht nur hier – auch in der Klinik. Er hat was einstecken müssen und wird damit nicht fertig. Im Grunde ist er ein wirklich fähiger und kompetenter Kollege. Leider macht er sich mit seiner Kämpferei das Leben auch im Hinblick auf die Klinikleitung selbst richtig schwer. Wenn er damit endlich aufhören würde, könnte er ganz viel bewegen. So sicher nicht.“ In einer Pause stellte ich mich zu ihm, er stand allein da und sinnierte vor sich hin. Auf meine Frage, wie es ihm denn ginge, meinte er: „Schlecht. Ich bin so wütend. Hätte ich damals den zusätzlichen Oberarzt bekommen, wären wir heute deutlich weiter. Ich komme damit einfach nicht klar.“

Klugheit statt Lemming: Nicht über die Klippe!

Zugegeben: Die Theorie, dass sich Lemminge zum Zwecke des Massenselbstmords von Klippen stürzen, ist wohl falsch. Umso interessanter ist es, dass Menschen immer wieder Verhaltensweisen an den Tag legen, bei denen man an die unschuldigen Wühlmäuse denken muss: Sie springen im übertragenen Sinne über die Klippe und ruinieren ihre Karriere. Marketing für das eigene Scheitern zu machen, ist ungeschickt. Und genau das tat der Kollege wirkungsvoll, indem er immer wieder über die verlorene Auseinandersetzung sprach. Da es gerade ruhig war und wir etwas Zeit hatten, wies ich ihn während unseres Pausengesprächs genau darauf hin. Er schaute mich an und meinte „Mist. Das stimmt. Ich bin aber so wütend, das muss raus. Was mach’ ich denn jetzt?“

Nicht auf Basis hochdrehender Gefühle agieren

So kann es gelingen, mit dem eigenen Scheitern gut umzugehen:

1. Ausstieg aus den eigenen Gefühlen: Eine Auseinandersetzung fand kein gutes Ende. Das ist schlimm genug, nun gilt es, weiteren Schaden zu vermeiden. Der erste Schritt ist sicherzustellen, dass nicht auf der Basis hochdrehender Gefühle weitere Fehler entstehen. Es gibt viele Werkzeuge, die helfen, emotional aus Situationen auszusteigen. Dazu gehören die klassischen Entspannungsverfahren oder Achtsamkeits- und Meditationstechniken, alternativ auch Sport oder Musik. Diese sollte man jedoch einüben, solange alles gut ist. Dann kann man in Krisen darauf zurückgreifen.

2. Wer nicht will, dass etwas Thema wird, sollte nicht darüber sprechen: Es hilft, am Arbeitsplatz über die verlorene Auseinandersetzung zu schweigen und stattdessen gut über sich selbst zu sprechen. Das soll nicht bedeuten, dass Arroganz das Mittel der Wahl wäre. Ein konstruktives Marketing über die eigenen Stärken ist jedoch sicher sinnvoll. Menschen vergessen schnell. Das ist in diesem Fall hilfreich.

3. Wer verloren hat, sollte aufhören zu kämpfen. Das spart Energie: In den „Chinesischen Strategemen“, einem Buch über chinesische Kriegslisten, findet sich ein Strategem (Strategem Nr. 36: „Weglaufen ist das Beste“), das sich damit beschäftigt, was zu tun ist, wenn man verloren hat: „Wenn Du vom Gegner überwältigt wirst, dann kämpfst Du nicht. Du ergibst Dich, gehst einen Vergleich ein oder fliehst.“ Die Idee ist, sich im Fall einer Niederlage zurückzuziehen, nachzudenken und mit einer neuen Strategie und Herangehensweise das Thema erneut anzugehen.

4. Es ist an der Zeit zu schauen, in welcher Situation man steckt: Um im Fall einer Niederlage dennoch weiterzukommen, kann es helfen, sich die strategische Situation einmal in Ruhe anzuschauen. Dabei können folgende Fragen helfen:

  • Was treibt mich? Was will ich erreichen? Womit stehe ich mir selbst im Weg? Was kann ich gut? Was kann ich nicht gut? Wer kann das, was ich selbst nicht kann?
  • Was wäre für mich die zweitbeste Lösung?
  • Wer sind die handelnden Personen? Was können diese gut? Was können sie nicht? Was macht ihnen Spaß? Was wird dort gebraucht? Wer steht hinter diesen Menschen? Welcher Einfluss kommt von dort?

Es lohnt sich, sich für das Beantworten dieser Fragen etwas Zeit zu nehmen. Häufig entstehen während dieser „Nachdenkens-Phase“ etliche beschriebene Seiten Papier und so manche erweiternde Frage. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem das gesamte strategische Portfolio auf dem Tisch liegt.

5. Und nun: Was ist das Ziel?: Wer all dies analysiert hat, sollte sich überlegen, was genau eigentlich sein eigenes Ziel ist. Es hilft, dieses aufzuschreiben.

6. Spielerisch lassen sich viele Wege zum Ziel finden: Nun hilft es, sich im Sinne einer spielerischen intellektuellen Übung möglichst viele Wege zu überlegen, die helfen werden, das Ziel zu erreichen. Erfahrungsgemäß finden sich auf Basis obiger Überlegungen überraschend viele Wege. Dieser Teil der Arbeit macht übrigens richtig Spaß. Unkonventionelle Lösungen sind erlaubt und erwünscht.

7. Abstand gewinnen: An dieser Stelle ist es wichtig, sich etwas Zeit zu geben und sich mit ganz anderen Themen zu beschäftigen. Diese Phase ist wichtig, um Abstand zu gewinnen. Manchmal reichen wenige Stunden, gelegentlich helfen zwei bis drei Tage. Wichtig ist, dass das überdachte Thema völlig aus dem Kopf verschwindet. In dieser Zeit dreht sich die eigene Sicht auf die Dinge bisweilen noch einmal völlig um. Was während der Arbeit am Problem noch wichtig schien, verliert gelegentlich an Bedeutung, andere Themen treten in den Vordergrund.

8. Entscheidung für eine Strategie: Erst jetzt geht es darum, gute und tragfähige Entscheidungen für eine Strategie zu treffen. Übrigens ist in dieser Phase oft bereits völlig klar, was zu tun ist. Nun steht es an, die Ärmel hochzukrempeln und anzufangen. Und falls es nicht klappt: Kein Problem, der Werkzeugkasten für den Umgang mit Niederlagen ist ja gut gefüllt!

Dipl.-Psych. Gabriele Schuster

Geschäftsführerin

Athene Akademie GmbH

97072 Würzburg

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