ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1996Amalgam: Diskussion um Phobien

SPEKTRUM: Leserbriefe

Amalgam: Diskussion um Phobien

Bayer, Karlheinz

Zu dem Medizinreport zur Tübinger Amalgam-Studie "Speichelanalysen eignen sich nicht zur Bewertung der Quecksilberbelastung" von Prof. Dr. med. Rainer Schiele in Heft 22/1996
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LNSLNS Ich verstehe die Diskussion um Konzentrationsmessungen von Quecksilber im Speichel nicht. Die Diskussion geht gar nicht um manifeste Vergiftungen oder Überempfindlichkeitsreaktionen, sondern um Phobien vor denselben.
Wenn man diesen Phobien Raum läßt und sie sogar wissenschaftlich stützt, wie das die Tübinger AmalgamStudie vorgibt, stürzt man die Patienten eventuell in tatsächliche toxikologische Probleme. Ich bitte zu bedenken, daß die alternativ statt Amalgam verwandten Kunststoffe chemisch wesentlich bedenklicher sind als Amalgam. Vor allem sind sie bei der Härtung nicht inert, und sie besitzen Lösungsmitteldämpfe. In mehreren Fällen (allein rund ein Dutzend in 1995) habe ich Trigeminusneuralgien gesehen, die unmittelbar oder wenige Wochen nach dem Ersatz von Amalgam durch Kunststoffüllungen auftraten. Meines Erachtens sind das eindeutige, lokal nerventoxische Krankheitsbilder gewesen, zumal sie in der Regel nach Entfernung der Kunststoffüllung wieder abklangen. Auch Pulpitis-Schmerzen durch Dampfdruck, die nach Aufbohren der Kunststoffeinlage sofort verschwanden, habe ich hier gesehen. Beides, Neuralgie und Pulpitis, sind mir nach Amalgambehandlungen unbekannt gewesen.
Berichte wie die Tübinger Studie, veröffentlicht in der bunten Presse, haben in der zurückliegenden Woche – nach etlichen Monaten Ruhe – gleich wieder zu hysterischen Amalgam-Beseitigungsaktionen mit den oben beschriebenen Komplikationen geführt. Deshalb bin ich Prof. Schiele sehr dankbar, wenngleich ich annehme, daß sein Artikel nicht ins Fernsehen kommt, so wie der der Tübinger "Spezialisten".
Dr. Karlheinz Bayer, Forsthausstraße 22, 77740 Bad Peterstal
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