MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiale Anomalien beim Fetus: Die Assoziation zu einer Betablocker-Therapie der Mutter ist nicht belegt

Dtsch Arztebl 2017; 114(47): A-2218 / B-1860 / C-1814

Vetter, Christine

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Obwohl bei kardialen Problemen in der Schwangerschaft häufig Betablocker angewendet werden, ist die Datenlage zur Sicherheit der Medikation in dieser Situation limitiert. In einer retrospektiven Studie in Kalifornien ist bei 4 847 Schwangeren, die Betablocker eingenommen hatten – das waren 1,3 % des Gesamtkollektivs von 379 238 Schwangeren – die Fragestellung eines potenziellen Zusammenhangs zum Auftreten kardialer Anomalien beim Feten untersucht worden. 2 628 Schwangere nahmen den Betablocker im ersten Trimester.

Auffällig war, dass Schwangere, denen Betablocker verordnet werden, im Durchschnitt älter sind als die Frauen im Gesamtkollektiv, einen höheren Body-Mass-Index (BMI) haben, häufiger unter Hypertonie, Hyperlipidämie oder Diabetes leiden, dass bei diesen Frauen häufiger eine Präeklampsie und eine Eklampsie in der Schwangerschaft berichtet wurde sowie eine Herzinsuffizienz oder eine Herzrhythmusstörung bestand. Es kam in dieser Gruppe im Durchschnitt nach 37,4 im Vergleich zu 38,9 Schwangerschaftswochen im Normalkollektiv zur Entbindung.

Die Analysen ergaben zunächst eine signifikant erhöhte Rate fetaler kardialer Anomalien bei Kindern von Frauen, die Betablocker eingenommen hatten. Nach Adjustierung der Daten in Bezug auf das Alter der Schwangeren, den BMI, mütterliche Komorbidität und Gestationsalter bei der Entbindung bestand jedoch kein statistischer Zusammenhang mehr.

Fazit: „Die Erhebung belegt, wie wichtig es ist, bei der Analyse von Fehlbildungsraten nach Medikamenteneinnahme in der Schwangerschaft mütterliche ‚Störgrößen‘ wie Diabetes oder BMI zu berücksichtigen“, kommentiert Dr. med. Maria Hoeltzenbein vom Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin. „Wie schon in anderen Studien zu Antihypertensiva diskutiert, scheint das erhöhte Risiko für fetale kardiale Anomalien nach Einnahme von Betablockern eher mit mütterlichen Risikofaktoren oder der Grunderkrankung der arteriellen Hypertonie assoziiert zu sein als eine direkte Folge der Betablocker-Therapie. In dieser Studie wurde allerdings die überwiegende Zahl der Schwangeren mit Labetalol behandelt, nämlich 69 %. Labetalol ist in Deutschland nicht verfügbar. Nur 7 % der Teilnehmerinnen erhielten den in Deutschland am häufigsten in der Schwangerschaft verwendeten Betablocker Metoprolol.“

Die Sicherheit einer antihypertensiven Therapie in der Schwangerschaft ist nach Ansicht von Hoeltzenbein ein aktuelles wichtiges Thema, das im Rahmen von prospektiven Studien weiter untersucht werden sollte. Zusätzlich zum Fehlbildungsrisiko sollte auch die Frage nach einer intrauterinen Wachstumsrestriktion, die häufig nach Betablocker-Einnahme in der Schwangerschaft beschrieben wird, analysiert werden. Christine Vetter

  1. Duan L. Ng A, Chen W, et al.: Betablocker exposure in pregnancy and risk of fetal cardiac anomalies. JAMA Intern Med 2017; 177: 885–887.
  2. Weiterführende Informationen:
    http//: www.embryotox.de.

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