ÄRZTESTELLEN

Steuerrecht: Mitarbeitermotivation – Incentives von A bis Z

Dtsch Arztebl 2017; 114(47): [2]

Dietrich, Miria; Finck, Klaus G.

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Die Freude über eine Gehaltserhöhung dauert meist nicht länger an als bis zur nächsten Abrechnung. Oft ist sie wegen der Steuerlast kaum spürbar. Ein Ausweg: steuerfreie oder pauschal besteuerte Incentives.

Foto: hanack/stock.adobe.com
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Aufmerksamkeiten

Sachzuwendungen bis zu 60 Euro, die dem Arbeitnehmer oder auch seinen Angehörigen aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet werden, sind steuerfrei. Denkbar sind Blumen, Bücher, Getränke, Pralinen oder andere Präsente.

Beratungs- und Betreuungsleistungen

Steuerfrei sind Leistungen des Arbeitgebers an ein Dienstleistungsunternehmen, das den Arbeitnehmer zur Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen berät oder dafür Betreuungspersonen vermittelt. Bis 600 Euro pro Jahr gilt die Steuerfreiheit auch für Leistungen des Arbeitgebers für die kurzfristige Betreuung von Kindern, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder für die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger des Arbeitnehmers, wenn die Betreuung aus zwingenden und beruflich veranlassten Gründen notwendig ist, auch im privaten Haushalt des Arbeitnehmers.

Betriebliche Altersversorgung

Eine betriebliche Altersversorgung können Arbeitgeber als Direktzusage, Unterstützungskasse, Pensionskasse, Direktversicherung oder Pensionsfonds mit unterschiedlichen steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Auswirkungen gewähren. Arbeitnehmer, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, haben einen Rechtsanspruch auf Umwandlung von Gehaltsteilen in eine betriebliche Altersversorgung (sog. Entgeltumwandlung). Arbeitgeber sind jedoch nicht verpflichtet, sich am Aufbau der Betriebsrente der Beschäftigten finanziell zu beteiligen. Ausnahmen gibt es bei tarifgebundenen Verträgen. Die Aufwendungen für eine betriebliche Altersversorgung sind zum Teil steuer- und sozialversicherungsfrei. Allerdings muss die resultierende Altersversorgung (Betriebsrente) bei Verträgen ab 2005 im Alter versteuert werden.

Gesund­heits­förder­ung

Für Leistungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands sowie zur betrieblichen Gesund­heits­förder­ung beträgt der Freibetrag 500 Euro je Arbeitnehmer. Davon erfasst sind auch Zuschüsse zu Maßnahmen, an denen Arbeitnehmer bei externen Anbietern teilnehmen. Reine Mitgliedsbeiträge für Sportvereine und Fitnessstudios fallen nicht unter den Freibetrag. Stattdessen muss es sich um Maßnahmen handeln, die die fachlichen Anforderungen der Krankenkassen erfüllen.

Gruppenunfallversicherung

Beiträge bis durchschnittlich 62 Euro pro Mitarbeiter und Jahr kann der Arbeitgeber mit 20 Prozent pauschal versteuern. Zu beachten ist: Viele Arbeitgeberleistungen setzen für die Steuerbefreiung/-pauschalierung voraus, dass sie zusätzlich zum ohnehin bereits geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden. Eine Umwandlung von Lohn in Sachbezüge ist daher in vielen Fällen steuerschädlich.

Kinderbetreuungskosten

Kinderbetreuungskosten sind steuer- und beitragsfrei in tatsächlicher Höhe für noch nicht schulpflichtige Kinder in Kindergarten, Kinderkrippe, Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter.

PC und Telekommunikation

Betrieblich genutzte PC und Telekommunikationsgeräte können Arbeitnehmern auch zur privaten Nutzung überlassen werden. Die Kosten sind in voller Höhe, inklusive der Verbindungsentgelte, Providergebühren und sonstiger laufender Kosten, steuer- und beitragsfrei. Das gilt auch, wenn sich die Geräte in der Wohnung des Mitarbeiters befinden.

Nutzt der Arbeitnehmer sein eigenes Telekommunikationsgerät für betriebliche Zwecke, können ihm Kosten nach den Grundsätzen des Auslagenersatzes erstattet werden. Entweder er erhält die nach Einzelkostennachweis angefallenen tatsächlichen Aufwendungen. Zur Vereinfachung kann er die Einzelkosten über einen Zeitraum von drei Monaten nachweisen und diesen repräsentativen Durchschnitt künftig ansetzen. Feste Kosten (z. B. Grundgebühr) werden entsprechend dem Anteil der betrieblichen Verbindungsentgelte aufgeteilt. Oder er erhält pauschal ohne Einzelkostennachweis bis zu 20 Prozent des Rechnungsbetrags, höchstens jedoch 20 Euro pro Monat.

Sachbezüge

Sachbezüge sind steuerfrei, wenn der Vorteil für den Arbeitnehmer höchstens 44 Euro pro Kalendermonat beträgt. Beispiele: Waren- oder Benzingutscheine oder Belohnungsessen. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten: Wird der Freibetrag auch nur in einem Monat überschritten, entfällt er für das gesamte Jahr. Außerdem sollten bei der Bewertung der Sachbezüge Nebenkosten wie Versand berücksichtigt werden. Wenn die Freigrenzen überschritten werden, kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer des Arbeitnehmers für betrieblich veranlasste Sachzuwendungen übernehmen. In dem Fall kann er einen pauschalierten Steuersatz von 30 Prozent wählen und seine Ausgaben als Betriebsausgaben absetzen. Dadurch können sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Einsparungen ergeben. Beispiele sind Goldmünzen, Schmuck oder Uhren, aber auch Urlaubsreisen. Der Wert der Sachzuwendungen pro Arbeitnehmer darf einen Betrag von 10 000 Euro nicht übersteigen. Der Arbeitnehmer muss über diese Pauschalierung informiert werden.

Steuerberatung

Gibt es zwischen dem Arbeitgeber und einem Steuerberater eine Vereinbarung, nach der alle Arbeitnehmer ihre Steuererklärung kostenlos von diesem erstellen lassen können, muss der Arbeitgeber diese Zuwendung nicht versteuern. Das pauschale Honorar wird vom Arbeitgeber an den Steuerberater gezahlt.

Vorsorgeuntersuchungen

Vorsorgeuntersuchungen sind steuerfrei, wenn sie im überwiegenden eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers durchgeführt werden und der Personenkreis sowie der Turnus vom Arbeitgeber bestimmt werden.

Weiterbildungskosten

Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist ein überwiegend betriebliches Interesse des Arbeitgebers. Dies ist der Fall, wenn die Einsatzfähigkeit des Arbeitnehmers für den Arbeitgeber erhöht wird. Wenn der Arbeitnehmer selbst Rechnungsempfänger der Bildungsmaßnahme ist, muss der Arbeitgeber die Kostenübernahme allgemein oder für die besondere Bildungsmaßnahme vor Vertragsabschluss schriftlich zugesagt haben. Ein zusätzlicher Incentive-Effekt ist gegeben, wenn die Fortbildung während oder unter Anrechnung auf die Arbeitszeit erfolgt. Das lässt die Prüfung des ganz überwiegenden betrieblichen Interesses des Arbeitgebers entbehrlich werden. Konkrete Anhaltspunkte für einen Belohnungscharakter darf es jedoch nicht geben.

Miria Dietrich, Rechtsanwältin

Klaus G. Finck, Rechtsanwalt und Steuerberater

FASP Finck Sigl & Partner

80336 München

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