MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mitralinsuffizienz: Kohortenstudie findet starke Assoziation mit arterieller Hypertonie

Dtsch Arztebl 2017; 114(47): A-2220 / B-1862 / C-1816

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Eine arterielle Hypertonie begünstigt offenbar die Entwicklung einer Mitralinsuffizienz. Das Risiko war in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie überwiegend unabhängig von vorbestehenden Herzerkrankungen. Die Mitralklappeninsuffizienz ist mit mindestens 800 000 Betroffenen nach der Aortenklappenstenose der zweithäufigste Herzklappenfehler. Die gestörte Ventilfunktion der Mitralklappe kann manchmal auf Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie, Myokarditis) oder der Herzklappe (etwa nach Lupus, Endokarditis oder Endomyokardfibrose) zurückgeführt werden. In der Regel findet sich jedoch keine erkennbare Ursache.

Ein Team um Kazem Rahimi von der Universität Oxford hat jetzt die Daten der Clinical Practice Research Datalink ausgewertet, die Zugriff auf die Krankenakten von 7 % der britischen Bevölkerung hat. Dabei fiel eine signifikante Assoziation mit dem systolischen Blutdruck (RR) der Patienten auf. Verglichen mit einem normalen RR unter 120 mmHg war ein Wert von 121–140 mmHg mit einer Zunahme der Mitralinsuffizienz um 23 % verbunden, bei 141–160 mmHg erkrankten die Patienten zu 44 % häufiger und bei einem Wert von über 160 mmHg kam es zu 49 % häufiger zu einer Mitralinsuffizienz.

Rahimi errechnete für jeden Anstieg des systolischen RR um 20 mmHg eine Hazard Ratio von 1,26, die mit einem 95-%-KI von 1,23–1,29 hoch signifikant war. Noch stärker war der Einfluss von ischämischen Herzerkrankungen, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz oder Kardiomyopathie, die zusammen das Risiko auf eine Mitralinsuffizienz fast verdreifachten (Hazard Ratio 2,94: 2,86–3,03).

Fazit: Nach den Berechnungen erklären die vorbestehenden Herzerkrankungen, für die eine arterielle Hypertonie ein bekannter Risikofaktor ist, nur 13 % der Assoziationen zwischen einem erhöhten systolischen RR und der Mitralinsuffizienz. Die anderen 87 % könnten direkt über den RR-Anstieg ausgelöst worden sein. Der Pathomechanismus ist allerdings nicht bekannt. Sollte die Assoziation kausal sein, wofür die Dosis-Wirkungs-Beziehung spricht, könnten viele Herzklappenfehler durch eine frühzeitige antihypertinische Behandlung vermieden werden. Rüdiger Meyer

Rahimi K, et al.: Elevated blood pressure and risk of mitral regurgitation: A longitudinal cohort study of 5.5 million United Kingdom adults. PLoS Medicine 2017; doi: 10.1371/journal.pmed.1002404.

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige