POLITIK

31. Deutscher Psychotherapeutentag: Ausbildungsreform angemahnt

Dtsch Arztebl 2017; 114(48): A-2260 / B-1898 / C-1852

Bühring, Petra

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Die Delegierten der Länderkammern wollen eine zügige Weiterentwicklung der Reform der Psychotherapieausbildung, und sie fordern eine Reform der Bedarfsplanung, um eine angemessene Versorgung psychisch Kranker sicherzustellen.

Mit großer Mehrheit stimmten die Delegierten dafür, die Politik weiterhin von der Notwendigkeit der Reform der Psychotherapieausbildung zu überzeugen. Foto: Bundes­psycho­therapeuten­kammer
Mit großer Mehrheit stimmten die Delegierten dafür, die Politik weiterhin von der Notwendigkeit der Reform der Psychotherapieausbildung zu überzeugen. Foto: Bundes­psycho­therapeuten­kammer

Der 31. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) verabschiedete erneut ein eindeutiges Bekenntnis für die Reform der Psychotherapieausbildung. Die Delegierten der Landeskammern für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten forderten die künftigen Regierungsparteien am 18. November in Berlin auf, die Ausbildungsreform in den Koalitionsvertrag aufzunehmen, sodass das „Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz“, von dem bereits ein Arbeitsentwurf des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) vorliegt, zügig weiterentwickelt werden könne. Darüber hinaus mahnten sie eine Reform der Bedarfsplanung an, um die langen Wartezeiten zu reduzieren. Sie kritisierten zudem die aktuelle Entscheidung des Bundesschietsamts, das die Terminservicestellen dazu verpflichtet hat, auch in probatorische Sitzungen bei Psychotherapeuten zu vermitteln.

Bezug nehmend auf die Kritik aus der Ärzteschaft an der Gesetzesinitiative zur Ausbildungsreform erklärte der Vizepräsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), Dr. phil. Nicolaus Melcop: „Die Reform regelt nur unseren Berufsstand, nicht den der Ärzte.“ Der Arbeitsentwurf sei beschränkt auf die berufsrechtlichen Regelungen des Psychotherapeutengesetzes. Die Reform sieht ein fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie vor, bestehend aus einem Bachelor- und einem Masterstudiengang, das nach Staatsexamen die Approbation ermöglicht. In der anschließenden Weiterbildung erfolgt die Spezialisierung auf die Behandlung von Erwachsenen oder Kindern und Jugendlichen sowie der Erwerb der Fachkunde in einem Psychotherapieverfahren.

Der Arbeitsentwurf sieht auch die Möglichkeit vor, Psychotherapeuten für Psychopharmakotherapie zu qualifizieren und dies in einem Modellstudiengang zu erproben. Gerade dieser Punkt stößt in der Ärzteschaft auf massive Ablehnung. Die Bundes­ärzte­kammer forderte bei einer Fachtagung zu „Chancen und Wert der ärztlichen Psychotherapie“ eine Woche zuvor, dass die Verordnung von Medikamenten in ärztlicher Hand bleiben müsse (siehe DÄ, Heft 47). Hatte der Präsident der BPtK, Dr. rer. nat. Dietrich Munz, bei eben dieser Tagung noch erklärt, dass die Gesamtheit seiner Profession gegen Psychopharmakotherapie sei, relativierte sein Vize diese Aussage beim DPT: „Die Bewertung dieses Vorschlags erfordert eine fachliche Auseinandersetzung mit der Notwendigkeit dieser Kompetenzerweiterung und der Vereinbarkeit mit unserem Selbstverständnis als Psychotherapeuten“, sagte Melcop. Bei einer Fachtagung am 25. Januar 2018 soll über diesen Punkt beraten werden.

Der 31. DPT forderte darüber hinaus eine Reform der Bedarfsplanung. Sie sehen hier den Gesetzgeber am Zug. Der Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), der am 17. November den Sonderstatus des Ruhrgebiets in der Bedarfsplanung für alle Arztgruppen aufgehoben hatte, um die Versorgung zu verbessern, trage kaum dazu bei, die Wartezeiten zu verringern. Diese betragen im Ruhrgebiet nach Angaben der BPtK rund acht Monate. „Geschaffen wurden 85 neue Psychotherapeutensitze, notwendig sind rund 550 zusätzliche Sitze, damit psychisch Kranke dort genauso versorgt werden können wie in Großstädten“, erklärte Munz.

Aufgrund einer Entscheidung des Bundesschiedsamts vom 11. November sollen die Terminservicestellen (TSS) Patienten künftig auch in probatorische Sitzungen – und somit faktisch direkt in die Richtlinien-Psychotherapie – vermitteln, wenn eine Behandlung als dringlich eingestuft wurde. „Wenn das Problem der Bedarfsplanung nicht gelöst wird, wird ein erheblicher Teil der psychotherapeutischen Versorgung in den Psychiatrischen Institutsambulanzen (PiA) der Krankenhäuser stattfinden“, befürchtet BPtK-Präsident Munz. Denn wenn die TSS innerhalb von vier Wochen keinen Termin anbieten können, sollen sie in eine Klinik vermitteln. Der Schiedsamtbeschluss sieht zudem vor, dass die Behandlung dann in der Klinik bis zum Abschluss der Richtlinien-Psychotherapie durchgeführt werden soll. Der 31. DPT forderte deshalb, diese Entscheidung aufzuheben und die Vermittlung auf Psychotherapeutische Sprechstunde und Akutversorgung zu begrenzen.

Petra Bühring

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