ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2017Ärztenetze: Mehr Aufgaben in den Regionen

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Ärztenetze: Mehr Aufgaben in den Regionen

Osterloh, Falk

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Die Agentur deutscher Arztnetze fordert, dass auch Praxisnetze Medizinische Versorgungszentren gründen dürfen – damit sie in strukturschwachen Regionen Ärzte anstellen können. Bei Politikern stößt dieser Vorschlag auf offene Ohren.

Zusammenarbeit wird in Ärztenetzen gelebt – nach dem Willen der Agentur deutscher Arztnetze künftig auch in von Netzen gegründeten Medizinischen Versorgungszentren. Foto: lightwise/123RF
Zusammenarbeit wird in Ärztenetzen gelebt – nach dem Willen der Agentur deutscher Arztnetze künftig auch in von Netzen gegründeten Medizinischen Versorgungszentren. Foto: lightwise/123RF

Ärzte und Psychotherapeuten dürfen Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gründen, ebenso wie Krankenhäuser, Kommunen oder Erbringer nicht ärztlicher Dialyseleistungen. Ärztenetze dürfen dies hingegen nicht. Das muss sich ändern, forderte der Vorstandsvorsitzende der Agentur deutscher Arztnetze (ADA), Dr. med. Veit Wambach, auf einer Veranstaltung der ADA Ende November in Berlin. „Praxisnetze, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung als besonders förderungswürdig anerkannt wurden, müssen MVZ gründen dürfen – zumindest in strukturschwachen Regionen“, sagte Wambach. „Dadurch würde nicht nur die Versorgung verbessert werden, sondern es würde auch jungen Ärzten erleichtert, in strukturschwachen Bereichen zu arbeiten, in denen Ärztemangel herrscht.“

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Bei den anwesenden Gesundheitspolitikern stieß diese Forderung auf Zustimmung. „Ich finde es zentral wichtig, dass Praxisnetze Ärzte anstellen können, gerade in ländlichen Regionen“, sagte Kathrin Vogler von den Linken. Dass Netze heute nicht selbst Ärzte anstellen könnten, „müssen wir ändern“, meinte auch Christine Aschenberg-Dugnus von der FDP. „Ich denke, da gibt es auch Möglichkeiten.“

Anerkennung sehr wichtig

Seit 2013 können Praxisnetze, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) als besonders förderungswürdig anerkannt werden. Diese Anerkennung sei für Praxisnetze von immenser Bedeutung, sagte Wambach und betonte zugleich, dass die Praxisnetze stets vor dem Hintergrund des Kollektivvertrages arbeiteten. Ihre Aufgabe sieht er vor allem in der Organisation der regionalen Versorgung. „In Nürnberg leben die Menschen im Durchschnitt zwei Jahre weniger als in München“, sagte Wambach, der in Nürnberg auch das Gesundheitsnetz QuE leitet. „Als Arzt kann ich das nicht hinnehmen.“

Die Ursache für solche lokalen Unterschiede liege in sozioökonomischen Umständen, die man vor Ort genau betrachten müsse. Wenn man zum Beispiel feststelle, dass Menschen in einem bestimmten Teil von Nürnberg besonders oft an Lungenerkrankungen stürben, müsse die Selbstverwaltung den Versorgungsauftrag an dieser Stelle an ein Arztnetz vergeben, damit dieses spezifische Problem bekämpft werden könne. Dies werde jedoch nur gelingen, wenn alle Akteure vor Ort zusammenarbeiteten. „Dafür brauchen wir eine ganze Menge anderer Partner, wie die Kommune, die ihren Teil dazu beitragen kann, um Lungenerkrankungen zu bekämpfen – zum Beispiel durch eine Reduktion der Feinstaubbelastung“, so der ADA-Vorsitzende.

Dr. med. Bernhard Gibis, Leiter des Geschäftsbereichs „Sicherstellung und Versorgungsstruktur“ bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, lobte den ganzheitlichen Ansatz von Praxisnetzen, da sie nicht nach Haus- und Fachärzten aufgeteilt seien. „Hier wird Zusammenarbeit gelebt“, sagte er. Eine solche Art der Zusammenarbeit könne man allerdings nicht von oben verordnen. Heute gebe es in elf KVen anerkannte Netze. „Das wächst langsam“, so Gibis. „Aber diesen Spielraum muss man lassen.“

Eines der großen gesundheitspolitischen Themen der kommenden Legislaturperiode wird die Zusammenführung der Sektoren sein. Auch die Bremer Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. med. Kirsten Kappert-Gonther, die nach der Bundestagswahl für die Grünen in den Bundestag eingezogen ist, sprach sich dafür aus. „Da müssen wir als Politik ran“, sagte sie. Und die Ärztenetze seien dafür eine sinnvolle Keimzelle.

Falk Osterloh

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