ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2017Aufwachdelir nach Narkose bei Kindern: Clonidin zur Prävention des Delirs wirksam und sicher

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Aufwachdelir nach Narkose bei Kindern: Clonidin zur Prävention des Delirs wirksam und sicher

Siegmund-Schultze, Nicola

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Das Aufwachdelir nach Vollnarkose bei Kindern kann zu Selbstverletzung und Entfernen von Kathetern führen. Die Inzidenz wird mit 10 bis 80 % angegeben (1). Bei einer Narkoseführung mit Sevofluran sind diese Unruhe- und Erregungszustände deutlich häufiger als bei Halothan zum Beispiel oder bei intravenös applizierten Narkosemitteln. Andererseits hat Sevofluran für die Anästhesie von Kleinkindern Vorteile. Clonidin ist ein α2-Agonist, der für die Behandlung von Hypertonie zugelassen ist. Er wird zur Prophylaxe der postoperativen Agitation bei Kindern seit Längerem angewendet, allerdings off-label.

In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie unter Ägide der dänischen Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin sind Wirksamkeit und Sicherheit von intraoperativem Clonidin zur Prävention des Aufwachdelirs nach Vollnarkose mit Sevofluran und Fentanyl bei Vorschulkindern untersucht worden.

In der Studie wurden 379 Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren ohne chronische Krankheiten wegen eines operativen Eingriffs von 20 bis 40 Minuten Dauer mit Sevofluran und Fentanyl narkotisiert (2). Die Verumgruppe erhielt intraoperativ Clonidin i.v. (3 µg/kg KG) zur Prävention, der Placeboarm intravenös physiologische Kochsalzlösung. 20 % der Probanden waren Mädchen. Primärer Endpunkt waren eine oder mehrere Episoden postoperativer Agitation, definiert als Symptome von ≥ 3 auf der Watcha-Scale (1–4; 3: weinend und nicht zu beruhigen; 4: stark agitiert).

47 % in der Placebogruppe hatten ein Aufwachdelir, aber nur 25 % in der Verumgruppe (relatives Risiko [RR] für Aufwachdelir unter Ve-rum: 0,56; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI][0,43; 0,73]; p < 0,0001). In der Untergruppe der weiblichen Patienten waren die Effekte – vermutlich wegen der geringen Teilnehmerzahl – nicht signifikant. Deutlich reduzierte Clonidin auch die Häufigkeit von postoperativer Übelkeit und Erbrechen (RR: 0,58; [0,38; 0,89]; p < 0,012). Es gab keine Verum-assoziierten Nebenwirkungen mit Interventionsbedarf im Zeitraum von 24 Stunden und 30 Tagen postoperativ.

Fazit: Die Prophylaxe des Aufwachdelirs durch intraoperative Gabe von Clonidin halbiert bei Kindern im Vorschulalter das Risiko für ein Aufwachdelir und wird als sichere Prämedikation bewertet.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Moore AD, Anghelescu DL: Emergence delirium in pediatric anesthesia. Pediatric Drugs 2017; 9: 11–20.
  2. Ydemann M, Nielsen BN, Henneberg S, et al.: Intraoperative clonidine for prevention of postoperative agitation in children anaesthetised with sevoflurane (PREVENT AGITATION): a randomised, placebo-controlled, double-blind trial. Lancet Child Adolesc Health 2017; http://dx.doi.org/10.1016/ S2352–4642(17)30127-X.

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