ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2017Psychische Erkrankungen: Spannender Krimi von Psychotherapeuten

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Psychische Erkrankungen: Spannender Krimi von Psychotherapeuten

PP 16, Ausgabe Dezember 2017, Seite 597

Breitenbach, Gaby

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In ihrem zweiten Buch gelingt es den Autoren in unterhaltsamem, leichten Ton, fachlich sauber und mit dem gebührenden Respekt vor dem Leid ihrer Klienten, über Störungsdynamiken zu schreiben. Dieses Mal steht ein wahnhaftes Geschehen im Mittelpunkt der Erzählung, das sich erst nach und nach in der Geschichte sichtbar entwickelt. Das Buch erzählt aus unterschiedlichen fiktiven Therapien und verschränkt die Handlungen ihrer beiden Protagonisten, die ebenfalls Psychotherapeuten sind.

Aus den Blickwinkeln ihrer jeweiligen Klienten und der beiden Therapeuten wird der Leser in ein spannendes Geschehen geführt, das durchaus Krimiqualitäten entwickelt. Wichtige Fachbegriffe sind in Fußnoten erklärt, sodass auch der weniger kundige Leser sich schnell orientieren kann, wenn Methoden wie EMDR zur Anwendung kommen, oder Begriffe wie Dekompensation im Text verwendet werden.

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Es tut dem Buch gut, dass ihre Hauptdarsteller keine Helden, sondern Menschen mit Problemen und manchen psychischen Abgründen sind, denen es nicht immer nur leichtfällt abzuschalten. So begleitet Tilmann Braun die Frage, ob seine depressive Patientin suizidal sein könnte und Peer Hammer fürchtet sich vor den möglichen Folgen einer scheinbar paranoid-wahnhaften Störung seines Patienten. Dass die tatsächlichen Bedrohungen nicht immer nur dort zu finden sind, wo sie sich so deutlich zeigen, wird in weiteren Erzählsträngen deutlich. Auch in ihrem Privatleben sind die beiden Psychotherapeuten nicht nur in sich ruhend und ausgeglichen. Das verleiht dem Buch zusätzliche Spannung, aber auch Tiefe. So werden alle Protagonisten als lebendige Menschen fassbar und ganz nebenbei erfährt man so manches über Störungen, ihre Entstehung und ihre potenziellen Auswirkungen.

Manche Darstellung ist im Dienste der Unterhaltsamkeit ein bisschen überzeichnet, mancher Dialog lebt von der Freude an skurrilem Wortwitz – aber nie auf Kosten wirklicher Klienten und ihrem Leid. Das Buch lebt auch von der tragfähigen Freundschaft der beiden Psychotherapeuten, die sich bei allen ausgefochtenen Grabenkämpfen, wenn es darauf ankommt, gegenseitig Unterstützung geben. Und so zeigt dieses Buch auch auf, dass Belastungen eines spannenden Berufes am besten im Team zu schultern sind.

Das Buch kommt ohne mahnenden Zeigefinger aus. Es belehrt nicht und lädt den Leser in Welten ein, die mancher sonst nicht betreten würde. Ich habe das Buch mit viel Freude gelesen und kann es als Entspannungslektüre, auch für Psychotherapeuten, nur empfehlen. Gaby Breitenbach

Holger Schmidt, Heinz-Gerhard Witte: Braun und Hammer – im Wahn. Psycho-Artists-Verlag, Berlin 2017, 460 Seiten, kartoniert, 13,99 Euro

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