ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2017Diabetes und Arthrose: Diabetiker sind empfindlicher für Arthroseschmerzen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes und Arthrose: Diabetiker sind empfindlicher für Arthroseschmerzen

Dtsch Arztebl 2017; 114(50): A-2414 / B-2004 / C-1958

Heinzl, Susanne

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Ein metabolisches Syndrom ist mit einem erhöhten Risiko für eine Arthrose bzw. deren Progression assoziiert. Eine Verschlechterung der Arthrose durch einen Diabetes mellitus kann sich in verstärkten Arthroseschmerzen zeigen. Daher wurde nun gezielt untersucht, ob bei Patienten mit Kniegelenksarthrose die Arthroseschmerzen durch einen Diabetes mellitus verstärkt werden können.

In die Studie wurden 70 Arthrose-Patienten aufgenommen, die sich einer Kniegelenksersatzoperation unterzogen, von denen 23 gleichzeitig an einem Diabetes mellitus erkrankt waren. Vor der Operation wiesen die Diabetiker im Vergleich zu den Nichtdiabetikern ein signifikant höheres Körpergewicht auf (Body-Mass-Index: 31,0 vs. 27,7), einen signifikant höheren CRP-Wert (6,6 vs. 2,0 mg/L), einen signifikant höheren Triglyceridspiegel (1,96 vs. 1,41 mmol/L) und einen signifikant höheren Harnsäurespiegel (414 vs. 342 µg/L) auf.

Der Knee Injury and Osteoarthritis Outcome-(KOOS-)Schmerzscore war bei den Diabetikern höher als bei den Nichtdiabetikern. In Kniegelenken von Patienten mit Diabetes mellitus konnten ein signifikant höheres Synovitis-Score (p = 0,024) und ein signifikant höherer Interleukin-6-Spiegel in der Synovialflüssigkeit (p = 0,003) gemessen werden als in Kniegelenken von Nichtdiabetikern.

Multivariate Regressionsanalysen ergaben, dass Patienten mit höheren Synovitisscores stärkere Schmerzen hatten und dass die positive Assoziation zwischen Schmerzintensität und Interleukin-6-Spiegel vom Vorliegen eines Diabetes mellitus und/oder einer Synovitis abhängig war. Ein hohes Körpergewicht hatte nur einen geringen Effekt auf die Schmerzintensität.

Fazit: „Arthrose-Patienten mit Diabetes mellitus leiden nicht nur verstärkt unter Schmerzen, sondern haben nachweislich vermehrt Interleukin 6 und Prostaglandin E2 im entzündeten Gelenk“, erläutert Prof. Dr. med. Thomas Herdegen, Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Universität Kiel. „Diese rückt für die zumindest symptomatische Pharmakotherapie antiinflammatorische Optionen wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) in den Vordergrund, unter Berücksichtigung renaler und kardiovaskulärer Risiken. Je höher die Entzündungslast, umso größer der Therapieeffekt von NSAR.“

Die Studienautoren betonen, es sei im Weiteren zu klären, ob eine strikte Stoffwechselkontrolle bei Patienten mit Diabetes mellitus eine Arthrose und Arthroseschmerzen bessern könnten. Außerdem wäre zu untersuchen, ob eine therapeutische Beeinflussung der Synovitis für die Schmerzlinderung sinnvoll wäre. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Eitner A., Pester J, Vogel F, et al.: Pain sensation in human osteoarthritic knee joints is strongly enhanced by diabetes mellitus. Pain 2017; 158: 1743–53.

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