ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2017Frühes Mammakarzinom: Mit Gentest ist der Chemotherapiebedarf abschätzbar

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Frühes Mammakarzinom: Mit Gentest ist der Chemotherapiebedarf abschätzbar

Dtsch Arztebl 2017; 114(51-52): A-2477 / B-2046 / C-2000

Siegmund-Schultze, Nicola

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In frühen Stadien des Mammakarzinoms wird nach der Operation häufig eine adjuvante Chemotherapie empfohlen, um Rezidive zu verhindern. Da sich das Rückfallrisiko aber auf Basis konventioneller Kriterien nicht zuverlässig prognostizieren lässt, ist eine Zytostatikabehandlung für einen Teil der Frauen eine Übertherapie. Um den zu erwartenden Nutzen besser einschätzen zu können, sind genomische Tests wie Oncotype oder MammaPrint entwickelt worden

In der PROMIS-Studie sind Tumorresektate von Frauen mit der Diagnose eines frühen Mammakarzinoms, die dem 21-Gene-Signatur-Test Oncotype zufolge ein intermediäres Rezidivrisiko hatten, mit einem 70-Gene-Signatur-Test (MammaPrint) untersucht worden. Hintergrund der Studie: Bei 39 bis 67 % der mit dem 21-Gene-Test untersuchten frühem Mammakarzinome ergibt sich ein solches intermediäres Risiko, das Ärzten die Therapieempfehlung erschwert.

840 Frauen mit frühem Brustkrebs nahmen teil. Sie hatten ein Lymphknoten-positives oder -negatives Mammakarzinom, der Tumor war negativ für Her2neu und Hormonrezeptor-positiv. Der Recurrence Score mit dem 21-Gene-Test lag zwischen 18 und 30. Mit dem 70-Gene-Signatur-Test hatten 44,5 % ein hohes Risiko, 55,5 % ein niedriges. Nur bei hohem Risiko wurde eine Chemotherapie empfohlen. Die beiden genomischen Testverfahren korrelierten im intermediären Bereich nicht miteinander. Bei 33,6 % der Patientinnen wurde mit dem 70-Gene-Signatur-Test ein anderes Ergebnis erzielt als mit dem Vergleichstest. 108 von 374 Frauen, die mit dem 70-Gene-Signatur-Test als Niedrig-Risiko-Patientinnen eingestuft wurden, beendeten die Chemotherapie, 171 von 466 als Hoch-Risiko-Patientinnen eingeschätzte Frauen erhielten Zytostatika. Bei 78,6 % der Patientinnen berichteten die Ärzte, sie hätten größeres Vertrauen in das Ergebnis des 70-Gene-Signatur-Tests als in das des 21-Gene-Tests.

Fazit: Mithilfe eines 70-Gene-Signatur-Tests lässt sich bei Frauen mit operiertem frühem Mammakarzinom, die einem 21-Gene-Test zufolge ein intermediäres Rezidivrisiko haben, differenzieren in eine Gruppe mit hohem oder niedrigem Rückfallrisiko. Diese Differenzierung ist therapierelevant.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Tsai M, Lo S, Audeh W, et al.: Association of 70-Gene Signature Assay findings with physicians’ treatment guidance for patients with early breast cancer classified as intermediate risk by the 21-gene assay. JAMA Oncology 2017; doi:10.1001/jamaoncol.2017.3470.

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