ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2018Multiple endobronchiale Chondrome

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Multiple endobronchiale Chondrome

Multiple endobronchial chondromas

Dtsch Arztebl Int 2018; 115(1-2): 11; DOI: 10.3238/arztebl.2018.0011b

Harsch, Igor Alexander; Ghopreal, Talaat

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
Computertomographische Aufnahme des Thorax
Computertomographische Aufnahme des Thorax
Abbildung 2
Computertomographische Aufnahme des Thorax

Bei einer 60-jährigen Patientin war seit vielen Jahren eine nichtspezifische interstitielle Pneumonie (NSIP) bekannt. Sie stellte sich mit subjektiv progredienter Dyspnoe vor. Unter der Annahme einer Befundprogredienz der NSIP erfolgte eine Computertomographie des Thorax. Insgesamt zeigte sich radiologisch kein Befundwandel. Ebenso konnte keine signifikante Verschlechterung der Lungenfunktion festgestellt werden. Unter Belastung war kein Sauerstoffabfall zu verzeichnen. Der Befund im Echokardiogramm war stabil. Die bereits bekannten Enchondrome der Trachea und Hauptbronchien waren größenstabil. Im hier geschilderten Fall besserte sich im Laufe der Hospitalisation die Dyspnoewahrnehmung ohne spezifische Therapie spontan wieder, sodass eine psychogene Komponente am wahrscheinlichsten ist.

Die Enchondrome bieten radiologisch einen eindrucksvollen Befund, vor allem linksseitig. Es handelt sich um seltene, gutartige Tumore. Über eine Assoziation dieser Tumore zur NSIP oder dem ebenfalls bei der Patientin langjährig bestehenden Diabetes insipidus (ED 1976) wird in der Literatur nicht berichtet. Sollten die Ekchondrome (bei insgesamt sehr langsamem Wachstum) zur Obstruktion führen, stehen als therapeutische Optionen Laserverfahren oder eine chirurgische Resektion zur Verfügung.

Prof. Dr. med. Igor Alexander Harsch, Innere Medizin II, Thüringen Kliniken „Georgius Agricola“, Saalfeld/Saale, iharsch@thueringen-kliniken.de

Talaat Ghopreal, Innere Medizin I, Thüringen Kliniken „Georgius Agricola“, Saalfeld/Saale

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Harsch IA, Ghopreal T: Multiple endobronchial chondromas. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 11. DOI: 10.3238/arztebl.2018.0011b

►The English version of this article is available online: www.aerzteblatt-international.de

Computertomographische Aufnahme des Thorax
Computertomographische Aufnahme des Thorax
Abbildung 2
Computertomographische Aufnahme des Thorax

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

kaid
am Dienstag, 6. Februar 2018, 18:06

Indikation für interventionelle Bronchoskopie

Sehr geehrte Damen und Herren, mit großer Freude habe ich Ihren "klinischen Schnappschuss" mit dem Thema "Multiple endobronchiale Chondrome" gelesen. Dies ist in der Tat eine Entität, die man insbesondere in der gezeigten Ausprägung auch in bronchoskopischen Zentren selten sieht. Insofern geht ein Dank an die Autoren für die Präsentation des Falles. Dennoch bedarf es einer Anmerkung: Der Ausschnitt einer axialen Rekonstruktion des Thorax-CTs zeigt multiple benige imponierende Tumore, die den distalen linken Hauptbronchus nahezu komplett verschließen. Es handelt sich somit augenscheinlich um eine hochgradige Stenose eines zentralen Atemweges, der mit Sicherheit eine wesentliche Ursache der beklagten Dyspnoe darstellt. Die Tatsache, dass keine Entsättigung unter Belastung vorlag ist hierbei ohne Bedeutung, da der Gasaustausch nicht beeinträchtigt ist. Allerdings ist bei einer hochgradigen Stenose die Atemarbeit erheblich erschwert und führt zu der beschriebenen Dyspnoe. Regelhaft sehen wir auch bei hochgradigen Trachealstenosen eine normale Sättigung. Die Indikation zur Dringlichkeit der bronchoskopischen Intervention ergibt sich im Wesentlichen aus den klinischen Beschwerden. Im Rahmen einer interventionellen Bronchoskopie in starrer Technik ist die Tumorentfernung und damit "Befreiung" der Atemwege in erfahrenen Händen problemlos möglich und wird unmittelbar zu einer klinischen Verbesserung führen. Eine interventionelle Bronchoskopie ist in jedem Fall auch einer chirurgischen Resektion vorzuziehen.

Mit freundlichen Grüßen

K. Darwiche

Alle Leserbriefe zum Thema

Serie Der klinische Schnappschuss

Anzeige