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Finanzen: Steuerupdate für Ärzte

Dtsch Arztebl 2018; 115(1-2): A-36 / B-32 / C-32

Karch, Thomas

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Hat der Gesetzgeber sich im vergangenen Jahr mit neuen Initiativen zurückgehalten, müssen sich Ärzte im neuen Jahr auf einige Änderungen der steuerlichen Rahmenbedingungen einstellen. Diese betreffen den niedergelassenen Arzt sowohl in seiner Praxis als auch im privaten Bereich.

Foto: VRD/stock.adobe.com
Foto: VRD/stock.adobe.com

Auf den Arzt als Unternehmer kommen zum neuen Jahr einige Änderungen zu.

  • Sofortabzug für geringwertige Wirtschaftsgüter angehoben

Die Grenze für die Sofortabschreibung wird ab 2018 für alle Anschaffungen von geringwertigen Wirtschaftsgütern von netto 410 Euro auf netto 800 Euro angehoben. Dies bedeutet, dass die Ausgaben für Praxisanschaffungen von kleineren Geräten, Einrichtungsgegenständen oder EDV-Zubehör, die einschließlich der Umsatzsteuer (USt) von 19 Prozent nicht mehr als 952 Euro kosten, sofort als Betriebsausgaben berücksichtigt werden können. Diese Möglichkeit bestand bis 2017 nur für Anschaffungen bis 400 Euro netto beziehungsweise 476 Euro einschließlich 19 Prozent USt. Für Praxisanschaffungen, die den Wert von brutto 952 Euro überschreiten, aber nicht teurer als 1 000 Euro sind, gibt es weiterhin die Möglichkeit, die Abschreibung pauschal auf fünf Jahre zu verteilen, unabhängig davon, wie lange die steuerliche Nutzungsdauer ist. Dies ist dann jedoch einheitlich für alle Praxisanschaffungen zwischen 150 und 1 000 Euro anzuwenden.

  • Unangekündigte Kassenprüfungen

Können Patienten Rechnungen in der Praxis auch bar bezahlen, so sind Ärzte zur Führung von Kassenaufzeichnungen verpflichtet. Hier ist ab dem Jahr 2018 zu beachten, dass das jeweilige Finanzamt unangemeldet sogenannte Kassen-Nachschau-Prüfungen durchführen darf. Das bedeutet, dass die Finanzverwaltung ohne vorherige Ankündigung in der Praxis erscheinen und sich die Aufzeichnungen und Belege der bar bezahlten individuellen Gesundheitsleistungen, Bescheinigungen oder andere Bareinnahmen und -ausgaben anschauen kann. Praxen sollten dies zum Anlass nehmen, die Organisation der eigenen Kassenführung mit dem Steuerberater zu überdenken, um böse Überraschungen zu vermeiden. Sollte das Finanzamt Mängel feststellen, kann es zu einer Hinzuschätzung der Praxiseinnahmen kommen.

  • Aufbewahrung von Buchführungsbelegen

Auch die elektronische Buchführung und die damit verbundene rechtskonforme Aufbewahrung von elektronischen Dokumenten stellt den Arzt 2018 als Unternehmer vor neue Herausforderungen. Besonders ist darauf hinzuweisen, dass die Aufbewahrung der Belege in dem Format erfolgen muss, in dem auch das Dokument empfangen wurde. Wird also beispielsweise die Telefonrechnung per E-Mail zugestellt, so ist diese auch elektronisch aufzubewahren und lesbar zu halten. Es reicht nicht aus, die Rechnung auszudrucken und dann als Papierbeleg aufzubewahren. Da die Zusendung von Rechnungen auf elektronischem Weg in der Zukunft sicher zunehmen wird, müssen Praxisinhaber sich auf neue Anforderungen der Archivierung einstellen.

  • Geschenke an Geschäftsfreunde

Neuerungen gibt es auch beim Thema Geschenke an Geschäftsfreunde. Soweit Ärzte die auf das Geschenk entfallende Pauschalsteuer von 30 Prozent mit übernehmen, ist diese nach Auffassung des Bundesfinanzhofs (BFH) in die 35-Euro-Grenze, bis zu der die Aufwendungen abziehbar sind, einzubeziehen. Dieser Auffassung folgt die Finanzverwaltung allerdings nicht. Eine völlige Rechtssicherheit besteht daher nur, wenn das Geschenk an den Geschäftsfreund einen Wert von brutto 26,58 Euro nicht überschreitet und wenn der Beschenkte nicht kirchensteuerpflichtig ist.

Der Arzt als Arbeitgeber

Beschäftigt ein Arzt in seiner Praxis ein oder mehrere Mitarbeiter, so sind folgende Änderungen ab 2018 zu beachten:

  • Freibetrag für Betriebsveranstaltungen oder Betriebsausflüge

Seit 2015 gibt es für Zuwendungen an Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeiter im Rahmen von Praxisausflügen, Weihnachtsfeiern oder ähnlichen Praxisveranstaltungen einen Freibetrag von 110 Euro, der steuerfrei und sozialversicherungsfrei bleibt. Der Freibetrag ist auf zwei Veranstaltungen pro Jahr begrenzt. In diesem Zusammenhang hat die Finanzverwaltung nun klargestellt, dass zur Berechnung des Freibetrags die Kosten einer Veranstaltung auf die tatsächlich anwesenden Mitarbeiter umgelegt werden müssen. In die Kosten sind auch die vom Praxisinhaber übernommenen Kosten der Anreise oder die Kosten für kleinere, bei der Veranstaltung überreichte Geschenke einzubeziehen.

  • Förderung der betrieblichen Altersversorgung

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz will der Gesetzgeber ab 2018 die betriebliche Altersvorsorge weiter vorantreiben. Nichtärztliche Mitarbeiter in Praxen machen bislang eher selten von der Möglichkeit Gebrauch, auf einen Teil des Gehalts zugunsten der eigenen Altersvorsorge zu verzichten, da dann oftmals nicht genügend für das tägliche Leben übrig bleibt. Arbeitgeber können Ihre Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von unter 2 200 Euro pro Monat nun unterstützen, eine betriebliche Altersvorsorge aufzubauen, in dem sie für ihre Mitarbeiter jährlich 240 bis 480 Euro in eine betriebliche Altersversorgung einzahlen. Diese Beiträge werden mit einem Förderbeitrag von 30 Prozent unterstützt, sodass der Arbeitgeber dem Mitarbeiter bis zu 480 Euro zusätzlich zuwenden kann, aber nur bis zu 336 Euro dafür aufwenden muss.

Der Arzt als Privatperson

  • Änderungen des Kindergeldbetrages

Der Gesetzgeber hat das Kindergeld ab 2018 auf 194 Euro für das erste und zweite Kind, auf 200 Euro für das dritte Kind und auf 225 Euro ab dem vierten Kind geändert. Der entsprechende Kinderfreibetrag steigt auf 4 788 Euro (Erhöhung um 72 Euro) pro Kind. Es ist zu beachten: Bisher konnte man sich mit dem Kindergeldantrag Zeit lassen, denn das Kindergeld wurde noch vier Jahre rückwirkend ausgezahlt. Ab dem 1. Januar 2018 kann dies nur noch für die letzten sechs Monate vor Beginn des Monats gezahlt werden, in dem der Antrag auf Kindergeld bei der entsprechenden Behörde eingegangen ist.

  • Freibetrag bei der Einkommensteuer

Ab 2018 wurde der Grundfreibetrag für Ledige von 8 820 Euro auf 9 000 Euro erhöht, für Verheiratete – zusammenveranlagte – Steuerpflichtige beträgt der Grundfreibetrag 18 000 Euro im Jahr.

  • Steuerklasse bei Eheschließung

Ab 2018 werden in Anstellung tätige Paare, die heiraten, automatisch der Steuerklassenkombination IV/IV zugeordnet. Sollte dies nicht die günstigste beziehungsweise gewünschte Steuerklasse sein, können die Steuerklassen durch einen Antrag beim Finanzamt gewechselt werden. Der Wechsel ist ab dem auf die Antragstellung folgenden Monat gültig.

  • Außergewöhnliche Belastungen

Bevor sich außergewöhnliche Belastungen wie beispielsweise Krankheitskosten steuerlich auswirken können, muss die sogenannte zumutbare Eigenbelastung überschritten werden. Die Höhe dieses Eigenanteils bemisst sich nach einem Prozentsatz des Gesamtbetrages der Einkünfte, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. Wurde eine Einkommensstufe auch nur geringfügig überschritten, kam aus Sicht der Finanzämter bislang der höhere Prozentsatz zum Tragen. Der BFH hat nun entschieden, dass die zumutbare Eigenbelastung stufenweise zu ermitteln ist. Durch diese geänderte Berechnungsweise wirken sich außergewöhnliche Belastungen somit schon bei niedrigeren Beträgen aus. Thomas Karch

www.vpmed.de

Vorsicht bei Honorartätigkeiten in Krankenhäusern

Niedergelassene Ärzte, die auf Honorarbasis für stationäre Einrichtungen tätig sind, müssen zunehmend damit rechnen, dass sie als abhängig beschäftigt gelten und mit ihrem Honorar sozial­ver­sicherungs­pflichtig werden. Sozialgerichte in Hessen und Berlin-Brandenburg haben unlängst einen auf Honorarbasis tätigen Anästhesisten und eine den Belegarzt im Nachtdienst vertretende Ärztin als sozial­ver­sicherungs­pflichtig eingestuft. Nach Auffassung der Gerichte sind Honorarkräfte immer dann wie Angestellte zu behandeln, wenn sie in die Arbeitsorganisation der jeweiligen Kliniken eingegliedert sind. Dann droht die Kürzung des vereinbarten Honorars um bis zu 20 Prozent der Abgaben für die Sozialversicherung. Zudem wird die Lohnsteuer einbehalten, die aber später auf die Einkommensteuer als Vorauszahlung anerkannt wird.

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