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In Deutschland fehlt es außer an interkultureller Öffnung vor allem an Wissen der Ärzteschaft über die Erkrankungen, die mit den Migranten in den 50er-Jahren erstmalig zu uns gekommen sind: Hämoglobinkrankheiten wie die Thalassämien und die Sichelzellkrankheiten. Es ist nämlich nicht richtig, dass Migranten an ähnlichen Erkrankungen leiden wie Deutsche, lediglich mit Unterschieden in Verteilung und Alter. Zusätzlich zu den Erkrankungen, die wir gemeinsam haben, gibt es die Hämoglobinkrankheiten, die es vorher bei uns nicht gab. Es ist auch nicht richtig, dass Migranten häufig gesünder sind, weil nur gesunde und mutige Menschen auswandern. Inzwischen kommen sowohl aus Syrien, aber überwiegend aus Afrika, gezielt Kinder und Erwachsene mit Thalassämien beziehungsweise Sichelzellkrankheiten, da sie erfahren haben, dass sie hier behandelt werden können. In Deutschland leben zur Zeit mehr als zehn Millionen Menschen aus Ländern, in denen Sichelzellkrankheiten und Thalassämien häufig sind. Migranten aus dem subsaharischen Afrika kommen aus Ländern, in denen 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung Träger der Sichelzellkrankheit sind – mit entsprechend vielen betroffenen Kindern. Diese Menschen treffen hier auf Ärzte, die im Studium wenig bis nichts über diese Erkrankungen gehört haben – und auch in der Fort-und Weiterbildung spielt diese Thematik keine Rolle. Ein immer größer werdendes Problem stellen zusätzlich zu den von den genannten Erkrankungen Betroffenen die asymptomatischen Träger dar, die meist undiagnostiziert bleiben oder sogar iatrogene Schäden erleiden durch eine falsche Einschätzung der Trägerschaft: schwangere Thalassämie-Trägerinnen werden gnadenlos mit Eisen behandelt – aber es wird unterlassen, den Partner zu testen auf Trägerschaft, um eventuell pränatale Diagnostik anbieten zu können. Trägern der Sichelzellkrankheit wird mitgeteilt, sie hätten eine „heterozygote Sichelzellanämie“ – und alle Beschwerden dieser Patienten werden auf die Trägerschaft geschoben, sie werden aber nicht auf die genetische Bedeutung der Trägerschaft hingewiesen. Fazit: Es ist dringend notwendig, sich nicht nur um interkulturelle Kompetenz, sondern ganz schlicht um medizinische Kompetenz zu kümmern, wenn es um die Gesundheit unserer Migranten geht.

Dr. med. Roswitha Dickerhoff, 40225 Düsseldorf

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