ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2018Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Die Befürchtungen der Ärzte

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Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Die Befürchtungen der Ärzte

PP 17, Ausgabe Januar 2018, Seite 1

Bühring, Petra

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Auch im neuen Jahr wird die Reform der Ausbildung ein einnehmendes Thema bei Psychotherapeutentagen, Symposien und hoffentlich auch auf der politischen Agenda sein. Aussagen dazu, ob die so dringend notwendige Reform Eingang in einen Koalitionsvertrag finden wird und wenn ja, wann die parlamentarische Debatte darüber beginnen könnte, sind spekulativ. Die Regierungsbildung gestaltet sich schließlich mehr als schwierig. Vonseiten der geschäftsführenden Bundesregierung, respektive dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) liegt aber immer noch der Arbeitsentwurf für ein „Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz“ vom 26. Juli 2017 vor, der nach wie vor Kritik auf sich zieht. Weniger vonseiten der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, wenngleich diese auch Klärungs- und Änderungsbedarf sehen, wie auf dem 31. Deutschen Psychotherapeutentag im November deutlich wurde. Mit der Grundausrichtung der BMGVorlage ist die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) und die Mehrheit der Verbände einverstanden.

Heftige Kritik an den Reformvorschlägen kommt in letzter Zeit jedoch verstärkt aus den Reihen der Ärzteschaft. Dies wurde bei einer Veranstaltung der Bundes­ärzte­kammer am 11. November deutlich, die sich nun verstärkt um die spezifischen Interessen der ärztlichen Psychotherapeuten kümmern will. Diese fürchten, dass sich durch ein Hochschulstudium der Psychotherapie ihr Nachwuchsproblem noch verschärfen könnte. Sie befürchten Konkurrenz um Weiterbildungsstellen in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken. Und sie lehnen die Möglichkeit, dass die nach der Reform ausgebildeten Psychotherapeuten auch Psychopharmaka verschreiben können sollten, grundweg ab. Das BMG hat in dem Arbeitsentwurf Modellstudiengänge zum Erwerb psychopharmakologischer Kompetenzen vorgesehen. Die BPtK beteuerte zwar lange, dass die Gesamtheit der Profession dagegen sei und der Gesetzgeber dieses Element hineingehoben habe, doch auf dem letzten DPT schien das nicht mehr so eindeutig: Man müsse sich mit der Notwendigkeit und Machbarkeit dieser Kompetenzerweiterung fachlich auseinandersetzen, auch im Hinblick auf das Selbstverständnis als Psychotherapeuten.

Mitte Dezember verkündeten nun drei medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften der Psychiater, Psychosomatiker und Kinder- und Jugendpsychiater, dass sie den Arbeitsentwurf ablehnen, unter anderem weil er die Abspaltung der Versorgung von psychisch Kranken aus dem medizinischen System befördere, anstatt die Vernetzung beider Berufsgruppen voranzubringen. Sie anerkennen zwar die Notwendigkeit einer Reform der Ausbildung, doch sollte die Psychotherapie als Behandlungsmethode wie bisher auf Basis eines Grundberufs – Arzt oder Psychologe – erlernt werden. Auch fordern die Fachgesellschaften, dass im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung weiterhin eine somatische Abklärung erfolgen sollte.

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Die Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung löst bei vielen Ärzten Befürchtungen aus. Das sollte ernst genommen werden. Dass die Kritik die Reform noch aufhalten kann, scheint unwahrscheinlich. Sachlich geführte Debatten sind wichtig. Am Ende entscheidet der Gesetzgeber.

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