ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2018Kinder und Jugendliche: Prävention mithilfe der Kinderpsychiatrie

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Kinder und Jugendliche: Prävention mithilfe der Kinderpsychiatrie

PP 17, Ausgabe Januar 2018, Seite 35

Schepker, Renate

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Dieses ist der fünfte Tagungsband von Karl-Heinz Brisch, der sich als „Bindungsspezialist“ einen Namen gemacht hat. Die Problematik von Tagungsbänden wird dadurch ausgeglichen, dass die 13 Eingangskapitel den ersten Ergebnissen der Präventionsstudie mit dem Programm „SAFE®“ in verschiedenen Anwendungsbereichen gewidmet sind – für wissenschaftlich Interessierte leider im Vortragsformat ohne die konkreten Studienergebnisse. Dass „Traumatisierungen und depressive Erkrankungen nicht zwangsläufig in die nächste Generation weitergegeben werden müssen“, bleibt damit letztlich den Ergebnissen der laufenden, als RCT-Längsschnittstudie konzipierten Forschung vorbehalten, auf die man nach der Lektüre gespannt sein darf. Verschiedenste Modifikationen des Programms für die Weiterentwicklung von universeller hin zu selektiver Prävention, wie für den Einsatz in der JVA oder bei suchtkranken Eltern, werden bereits skizziert.

Eine Definition und Theorie zum Titelthema „Emotionale Gewalt“ (childhood emotional abuse, CEA) gibt ein lesenswertes Kapitel von Shelley Riggs, das auch auf eigene empirische Arbeiten verweist und letztlich die Notwendigkeit früher Interventionen bestärkt. Sabine Aust referiert Ergebnisse zur Verbindung der frühen emotionalen Gewalt, aber auch körperlichen: zur Alexithymie. Dominic Carbone antwortet gleich mit einem theoretischen Kapitel über „Gegenabhängigkeit“ zur häufig gestellten psychiatrischen Frage nach dem Missing Link zwischen Bindungsproblematiken und Psychopathologie. Im Kapitel von Joachim Bauer zur neurowissenschaftlichen Perspektive wird Neurobiologisches unkompliziert lesbar gemacht. Zuletzt beschreibt Tabea Freitag erfrischend die Auswirkungen exzessiven Pornografiekonsums auf das Bindungs- und Sexualverhalten und konfrontiert die moderne Sexualpädagogik mit ihrer Vernachlässigung der Bindungsfähigkeit, bevor ein Praxisbeispiel den Band abrundet.

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Trotz wissenschaftlicher Verkürzungen ist der Band ein beherztes Beispiel dafür, wie Prävention mit kinderpsychiatrischer Unterstützung funktionieren könnte. Er fundiert die bayrische Initiative, an allen Beratungsstellen das SAFE®-Konzept einzuführen, und lässt auf weitere spannende Ergebnisse hoffen. Renate Schepker

Karl Heinz Brisch: Bindung und emotionale Bewalt. Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2017, 309 Seiten, gebunden, 40,00 Euro

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