ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2018Depressive Störungen: Entpathologisierende Vermittlung von Verhaltensanstößen

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Depressive Störungen: Entpathologisierende Vermittlung von Verhaltensanstößen

PP 17, Ausgabe Januar 2018, Seite 37

Wochinger, Jakoba

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Depression ist nach wie vor die häufigste Diagnose in der psychotherapeutischen Versorgung, sei es als alleinstehende Erkrankung oder im Rahmen einer Komorbidität. Die Leitlinien empfehlen ausgehend von einer deskriptiv an der Schwere der Symptomatik orientierten Störung drei Variationen der Behandlung: antidepressive Medikation, antidepressive Medikation und Psychotherapie kombiniert sowie reine Psychotherapie, wobei die Form der Psychotherapie nicht ausdrücklich festgelegt ist.

Auch dieses Buch geht von einer dreigliedrigen Depressionstypologie aus, die sich an das Vulnerabilitäts-Stress-Modell anlehnt und damit Aussagen über Auslöser und die Formulierung psychotherapeutischer Behandlungsziele mit einer Stabilisierung des emotionsverarbeitenden Systems im Fokus erlaubt. Ausgehend vom Einfluss eines akut wirkenden Stressors werden verschiedene Typen unterschieden:  Der Quantitative Typ (Typ I), der Qualitative (Typ II) sowie ein Historischer Typ (Typ III).

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Während bei der Typ-I-Depression ein akut belastendes Ereignis verantwortlich für die auslösende Symptomatik gemacht werden kann, steht bei Typ II eine wodurch auch immer bedingte Erschöpfung des emotionsverarbeitenden Systems im Vordergrund, zu dem auch der Burn-out zu zählen wäre. Bei Typ III kommen eine im Laufe des Lebens erworbene erhöhte Sensitivität für belastende Ereignisse und im Umgang damit etablierte dysfunktionale Verhaltensweisen hinzu.

Mit dieser Dreiteilung und der Fokussierung auf die Emotionsregulierung erlaubt das nun vorgelegte manualisierte Programm auch dem klinisch Unerfahrenen eine passgenaue Therapieplanung. Der Name TREEP (Therapeutisches Training zur Reaktivierung und Erleichterung Emotionaler Prozeduren) ist hier Programm. Gearbeitet wird (maßgeblich) mit Modulen aus der Dialektisch Behavorialen Therapie (DBT) nach Linehan, insbesondere dem der Achtsamkeit, ergänzt durch Ansätze der Traumatherapie und Mentalisierungstheorie (Fonagy) bei einer psychodynamischen Konzeption des Selbst. Je nach diagnostischer Klassifikation kommen unterschiedlich weit greifende Gruppenprogramme (Basisgruppe und Skillstraining) zum Einsatz. Als Hilfsmaterial steht ein umfangreiches Arsenal von Arbeitsblättern zu Verfügung, wobei die Formulierung der Items manchmal etwas zu technisiert und für manche Patienten schwer verständlich erscheint. Ebenso wäre eine aufmerksamere Lektorierung bei der Aufmachung der Tabellen und Diagramme wünschenswert gewesen. Trotz dieser leichten Einschränkung stellt der Autor mit seiner entpathologisierenden Vermittlung von gut umsetzbaren Einstellungs- und Verhaltensanstößen ein brauchbares Programm für das stationäre Setting zur Verfügung, von dem sich einzelne Elemente auch für den ambulanten Einsatz adaptieren ließen. Jakoba Wochinger

Markus Reicherzer: Depressive Störungen. Differentielle manualisierte Behandlung mit Skills-training und Psychoedukation. Schattauer Verlag, Stuttgart 2017, 248 Seiten, gebunden, 39,99 Euro

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