ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2018Therapie mithilfe der Osteopathie
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Vielen Dank für das Aufgreifen des Themas der sogenannten „lagerungsbedingten Plagiozephalie“, welches zum Teil aus Unwissenheit, merkantilen Interessen und übertriebener Sorgengenerierung kontrovers diskutiert wird (1).

Hierzu 2 Ergänzungen: Wir wissen aus der Forschung über die ontogenetische Entwicklung der sensorischen und motorischen Systeme des Menschen, dass die Synaptogenese in Quantität und Synapsenstärke insbesondere in den ersten 3–4 Lebensmonaten sehr eng von der zunächst rein reflektorischen motorischen Kompetenz des heranwachsenden Kindes abhängig ist. Insbesondere für die optische Kontrolle (Entwicklung der Kopfkontrolle) sind diese Zusammenhänge nicht nur plausibel, sondern seit vielen Jahren gut erforscht.

Die hieraus reifende Raumorientierung (das buchstäbliche „Begreifen des Raumes“) ist entscheidend für die Entwicklung der Wahrnehmungssysteme, wie auch der Sprache (2).

Die sensorische und kognitive Einschränkung des Kindes im Zusammenhang mit einer Schädelasymmetrie (mit Einschränkung der freien Kopfbewegung) ist nicht nur plausibel, sondern auch bis in die Schulzeit gut belegt (3).

Zur Therapie: Wenn – wie meist – eine Funktionsstörung des Kopf-Halsüberganges zum Beispiel nach einem Geburtstrauma zugrunde liegt, dann führt eine direkte funktionelle Behandlung mit den Mitteln der manuellen Medizin sowie der osteopathischen Medizin in dieser Region sehr zuverlässig zum gewünschten Erfolg. Mit der Atlastherapie nach Arlen sowie Handgriffen aus dem osteopathischen Formenkreis stehen ärztlich angewendete Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die nicht nur nach meiner persönlichen Erfahrung den üblichen physiotherapeutischen Möglichkeiten überlegen sind, beziehungsweise diese sinnvoll ergänzen.

Der Erfolg der Osteopathie bei Kindern mit asymmetrischer Haltung ist durch externe Evidenz belegt (4). Diese Verfahren ersparen häufig die Notwendigkeit einer Cranioorthese und sollten daher im Artikel erwähnt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0038c

Dr. med. Matthias Riedel
Deutsche Gesellschaft für Osteopathische Medizin

Ärztegemeinschaft für Manuelle Kinderbehandlung
und Atlastherapie (ÄMKA e. V.)

Freiburg i. Br., m.riedel@posteo.de

1.
Linz C, Kunz F, Böhm H, Schweitzer T: Positional skull deformities—etiology, prevention, diagnosis, and treatment. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 535–42 VOLLTEXT
2.
Coenen W: Manuelle Medizin bei Säuglingen und Kindern. Berlin Heidelberg: Springer Verlag 2016: 6–7 CrossRef MEDLINE
3.
Miller R, Clarren S: Long-term developmental outcomes in patients with deformational plagiocephaly. Pediatrics 2000; 105: e26 CrossRef MEDLINE
4.
Philippi H: Osteopathie in der Pädiatrie: Wirkprinzip und Indikation. Kinderärztliche Praxis 2008; 79: 290–5.
1.Linz C, Kunz F, Böhm H, Schweitzer T: Positional skull deformities—etiology, prevention, diagnosis, and treatment. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 535–42 VOLLTEXT
2.Coenen W: Manuelle Medizin bei Säuglingen und Kindern. Berlin Heidelberg: Springer Verlag 2016: 6–7 CrossRef MEDLINE
3.Miller R, Clarren S: Long-term developmental outcomes in patients with deformational plagiocephaly. Pediatrics 2000; 105: e26 CrossRef MEDLINE
4.Philippi H: Osteopathie in der Pädiatrie: Wirkprinzip und Indikation. Kinderärztliche Praxis 2008; 79: 290–5.

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