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Wir bedanken uns für die konstruktiven Rückmeldungen zu unserer Übersichtsarbeit „Lagebedingte Schädeldeformitäten“, zu denen wir gerne Stellung beziehen (1).

Der Zusammenhang zwischen der absolut sinnvollen Empfehlung einer konsequenten Rückenlagerung von Säuglingen zur Risikoreduktion des plötzlichen Kindstodes und der Entwicklung lagerungsbedingter Schädeldeformitäten gilt als belegt (2). Zu den möglichen Ursachen zählen, wie aufgeführt, unter anderem Bewegungseinschränkung auch im Zusammenhang mit Geburtstraumata. Die kopfgelenkinduzierten Symmetriestörungen (KISS-Syndrom) sind nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Neuropädiatrie nicht im Sinne eines definierten Krankheitsbildes zu sehen (3). Es ist redaktioneller Wunsch des Deutschen Ärzteblatts, sich im Rahmen eines solchen Artikels an bestehenden, evidenzbasierten Empfehlungen zu orientieren. Wie im Artikel beschrieben, stellen Bewegungseinschränkungen des Kopfes häufig die Ursache eines Lagerungsplagiozephalus dar und sollten daher frühzeitig therapiert werden. Hierzu sind beispielsweise physiotherapeutische oder manualtherapeutische Maßnahmen zu nennen. Analog zur bestehenden aktuellen US-amerikanischen Leitlinie haben wir diesen Unterpunkt mit der Überschrift Physiotherapie versehen (4) – der Begriff Osteopathie wird hier nicht erwähnt. Bei einer bestehenden Bewegungseinschränkung des Kopfes sprechen wir den Eltern unserer Patientinnen und Patienten die Empfehlung zur frühzeitigen physiotherapeutischen, manualtherapeutischen oder osteopathischen Behandlung aus. Wie dargestellt, sollte eine stadiengerechte Therapie gewählt werden, wobei die Helmtherapie in der Regel die letzte Therapieoption darstellt. Da eine Therapie mittels modellierender Kopforthese Bewegungseinschränkungen des Kopfes nicht ursächlich behandelt, halten wir es für wichtig, eine physiotherapeutische, manualtherapeutische oder osteopathische Therapie parallel zu einer Helmtherapie weiterzuführen. Vom Einsatz beweglicher Lagerungshilfen, wie zum Beispiel Ringe oder Kissen, wird wegen des erhöhten Risikos eines plötzlichen Kindstods explizit abgeraten (2).

Die Frage zu bestehenden Entwicklungsverzögerungen betroffener Kinder ist sicherlich ein spannendes und sehr kontrovers diskutiertes Thema. Wie von Dr. Riedel richtig angeführt existieren Studien, die auf einen bestehenden Zusammenhang hinweisen. Leider berücksichtigt keine der vorhandenen Studien die Frage nach Ursache und Wirkung: Bestand zunächst eine Entwicklungsverzögerung, in deren Folge eine lagerungsbedingte Schädelasymmetrie entstanden ist – oder führt die lagerungsbedingte Schädeldeformität zu Entwicklungsverzögerungen? Weiter sind die untersuchten Fallzahlen gering und nur teilweise mit Kontrollgruppen belegt. In eigenen aktuellen Untersuchungen, in welchen wir die frühsprachliche Entwicklung von betroffenen Kindern und Kindern einer Kontrollgruppe untersuchten, zeigten sich keinerlei Unterschiede zwischen den Gruppen (5, 6). Diese Ergebnisse decken sich mit unserem klinischen Eindruck. Trotzdem ist die Frage nach bestehenden neurokognitiven Auswirkungen lagerungsbedingter Schädeldeformitäten sicherlich noch nicht abschließend zu beantworten und bedarf weiterer Studien.

Wichtig in der Diskussion über die Ursache, Wirkung und Therapie von lagerungsbedingten Schädeldeformitäten ist es, an der Empfehlung zur Rückenlagerung festzuhalten und die Eltern frühzeitig und umfassend zu instruieren. Die Sorge oder Unwissenheit über die Entstehung von Schädeldeformitäten sollte keinesfalls zu einer Ablehnung dieser sinnvollen Lagerungsempfehlung führen.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0039b

Für die Autoren

PD Dr. med. Dr. med. dent. Christian Linz

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie

Universitätsklinikum Würzburg

Linz_c@ukw.de

PD Dr. med. Tilmann Schweitzer

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Linz C, Kunz F, Böhm H, Schweitzer T: Positional skull deformities— etiology, prevention, diagnosis, and treatment. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 535–42 VOLLTEXT
2.
AAP Task Force on Sudden Infant Death Syndrom: SIDS and other sleep-related infant deaths: evidence base for 2016 updated recommendations for a safe infant sleeping environment. Pediatrics 2016; 138 pii: e20162940.
3.
Karch D, Boltshauser E, Groß-Selbeck G, Pietz J, Schlack HG: Behandlungsverfahren bei Entwicklungsstörungen und zerebralen Bewegungsstörungen. Manualmedizinische Behandlung des KISS-Syndroms und Atlastherapie nach Arlen; Stellungnahme der Gesellschaft für Neuropädiatrie e. V. Manuelle Medizin 2005; 43: 100–5 CrossRef
4.
Flannery AM, Tamber MS, Mazzola C, et al.: Congress of neurological surgeons systematic review and evidence-based guidelines for the management of patients with positional plagiocephaly: executive summary. Neurosurgery 2016; 79: 623–4 CrossRef MEDLINE
5.
Linz C, Schweitzer T, Brenner LC, Kunz F, Meyer-Marcotty P, Wermke K: Does shape affect function? Articulatory skills in babbling of infants with deformational plagiocephaly. Childs Nerv Syst 2017 (Epub ahead of print) CrossRef MEDLINE
6.
Wermke K, Linz C, Hasenberg A, Kunz F, Meyer-Marcotty P, Schweitzer T: Six month-old infants with deformational plagiocephaly do not differ from unaffected infants with respect to vocal control. Intl J Ped Otorhinolaryng 2017; 102: 15–20 CrossRef MEDLINE
1.Linz C, Kunz F, Böhm H, Schweitzer T: Positional skull deformities— etiology, prevention, diagnosis, and treatment. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 535–42 VOLLTEXT
2.AAP Task Force on Sudden Infant Death Syndrom: SIDS and other sleep-related infant deaths: evidence base for 2016 updated recommendations for a safe infant sleeping environment. Pediatrics 2016; 138 pii: e20162940.
3.Karch D, Boltshauser E, Groß-Selbeck G, Pietz J, Schlack HG: Behandlungsverfahren bei Entwicklungsstörungen und zerebralen Bewegungsstörungen. Manualmedizinische Behandlung des KISS-Syndroms und Atlastherapie nach Arlen; Stellungnahme der Gesellschaft für Neuropädiatrie e. V. Manuelle Medizin 2005; 43: 100–5 CrossRef
4.Flannery AM, Tamber MS, Mazzola C, et al.: Congress of neurological surgeons systematic review and evidence-based guidelines for the management of patients with positional plagiocephaly: executive summary. Neurosurgery 2016; 79: 623–4 CrossRef MEDLINE
5. Linz C, Schweitzer T, Brenner LC, Kunz F, Meyer-Marcotty P, Wermke K: Does shape affect function? Articulatory skills in babbling of infants with deformational plagiocephaly. Childs Nerv Syst 2017 (Epub ahead of print) CrossRef MEDLINE
6.Wermke K, Linz C, Hasenberg A, Kunz F, Meyer-Marcotty P, Schweitzer T: Six month-old infants with deformational plagiocephaly do not differ from unaffected infants with respect to vocal control. Intl J Ped Otorhinolaryng 2017; 102: 15–20 CrossRef MEDLINE

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