ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2018Rezidivierende Clostridium-difficile-infektion: Stuhltransfer ist auch in Kapselform hoch wirksam

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rezidivierende Clostridium-difficile-infektion: Stuhltransfer ist auch in Kapselform hoch wirksam

Siegmund-Schultze, Nicola

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Schwere Clostridium-difficile-Infektionen (CDI) haben in Industrienationen wie USA und Deutschland in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Inzidenz wird auf 100–140/100 000 Einwohner geschätzt. Die Behandlung der CDI erfolgt mit Antibiotika. 10–30 % der Patienten werden weder mit Vancomycin noch mit Fidaxomicin oder anderen Antibiotika rezidivfrei. Sie sind Kandidaten für den fäkalen Mikrobiomtransfer (FMT; Stuhltransfer).

Die Heilungsraten werden mit 60–90 % bei frisch applizierten Stühlen angegeben. Diese Applikationsform erfordert jedoch eine spezifische, gut funktionierende Logistik, da die Suspensionen zeitnah hergestellt und übertragen werden müssen. In einer randomisierten, doppelblinden Studie war bereits belegt worden, dass tiefgefrorene Stühle, die bei Bedarf aufgetaut werden, vergleichbar effektiv sind wie frische FMT-Präparate (1). Nun sind Wirksamkeit und Sicherheit von Kapseln untersucht worden (2).

116 erwachsene Patienten mit mindestens 3 dokumentierten CDI-Episoden wurden in die Studie aufgenommen, 5 gesunde Personen waren Stuhlspender. Es wurden jeweils 80–100 g Stuhl aufbereitet: tiefgefroren, bei Bedarf aufgetaut, in Kochsalzlösung suspendiert, gefiltert und dann koloskopisch verabreicht oder als Kapseln. Die Randomisierung erfolgte in eine dieser beiden Anwendungsgruppen. Bei oraler Gabe wurden 40 Kapseln unter Aufsicht eingenommen.

Die Studie hatte das Ziel zu prüfen, ob eine orale Gabe der koloskopischen gleichwertig war (Nichtunterlegenheit). Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten ohne CDI 12 Wochen nach Behandlung. Unerwünschte Effekte wurden als sekundäre Endpunkte analysiert, ebenso die Lebensqualität und die Bewertung der Applikationsform durch den Patienten.

105 Patienten, durchschnittlich 58 Jahre alt, beendeten die Studie: 59 in der Koloskopiegruppe und 57 mit oraler Applikation. Der Per-Protokoll-Analyse zufolge erreichten in beiden Gruppen 96,2 % den primären Endpunkt, also keine CDI nach 12 Wochen (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [–6,1 %; ∞]; p < 0,001). Das Kriterium der Nichtunterlegenheit war damit erfüllt.

Die Rate minderschwerer unerwünschter Effekte betrug 5,4 % in der Gruppe mit oraler Applikation und 12,5 % in der Koloskopiegruppe. Bei 2 Patienten mit koloskopischer Verabreichung kam es zur Exazerbation einer bestehenden chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ung. Es gab keine signifikanten Veränderungen der Lebensqualität (körperliche und psychische Parameter) 4 Wochen nach Applikation im Vergleich zu den Ausgangswerten. 66 % in der Gruppe, die die Kapseln geschluckt hatte, berichteten, die Applikationsform sei nicht unangenehm gewesen, und 44 % on der Koloskopiegruppe.

Fazit: Kapseln eignen sich ebenfalls für den Transfer von fäkalem Mikrobiom. Die Effektivität von oraler und koloskopischer Übertragung, definiert als keine CDI nach 3 Monaten, ist mit > 95 % vergleichbar. Einem Kommentar zufolge (3) sollten nun der optimale Zeitpunkt für einen Mikrobiomtransfer und die optimale bakterielle Zusammensetzung des Stuhls ermittelt werden. In Deutschland wird mit dem nationalen Stuhltransplantations-Register eine Standardisierung der Therapie angestrebt (4).

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Lee CH, Steiner T, Petrof EO, et al.: Frozen vs. fresh fecal microbiota transplantation and clinical resolution of diarrhea in patients with recurrent Clostridium difficile infection. JAMA 2016; 315: 142–9.
  2. Kao D, Roach B, Silva M, et al.: Effect of oral capsule- vs colonoscopy-delivered fecal microbiota transplantation on Recurrent Clostridium difficile infection. A randomized clinical trial. JAMA 2017; 318: 1985–93.
  3. Rao K, Young VB, Malani PN, et al.: Capsules for fecal microbiota transplantation in recurrent Clostridium difficile infection. JAMA 2017; 318: 1979–80.
  4. Mikrotrans-Register online: www.kim4.uniklinikum-jena.de/Mikrotrans_Register.html.

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