ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2018Cannabis-Studien: Weitere Studien erforderlich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Trotz aller Mängel an der bestehenden Studienlage erbringt die neue Meta-Analyse (CaPRis) ein Indiz dafür, dass Cannabisarzneimittel im Rahmen der chronischen Schmerztherapie unter Berücksichtigung des nihil nocere sich zu einem sinnvollen Therapiebestandteil der medikamentösen Schmerztherapie entwickeln können. Die von der Autorin erwähnte fehlende substanzielle Evidenz zur Schmerzreduktion um mindestens 50 Prozent umfasst nicht die umfängliche Wirkungsdarstellung der CaPRis-Studien. ... In den LONTS-S3-Leitlinien steht unter dem 7. klinischen Konsensuspunkt – Therapieziele: „Mit dem Patienten sollen individuelle und realistische Therapieziele erarbeitet werden. – starker Konsens“. Weiter heißt es: „Aus medizinischer Sicht sinnvolle Ziele einer Therapie (= Therapieresponse) sind eine mindestens 30-prozentige Schmerzreduktion und/oder eine individuell angemessene Verbesserung der Funktionsfähigkeit im Alltag ...). Was für die eine Medikamentengruppe gilt, sollte auch für andere gelten. In der CaPRis-Meta-Analyse heißt es expressis verbis: „Cannabisarzneimittel waren Placebo teilweise in der Schmerzreduktion (um mindestens 30 Prozent) überlegen.“ Damit kommt man in die Nähe der Einsatzkriterien für Opioide bei nicht Tumorschmerzpatienten in der LONTS-S3-Leitlinie.

Bezüglich der Kombinationstherapie von Cannabisarzneimitteln mit etablierten Schmerzmitteln, auf die im CaPRis-Kurzbericht verwiesen wird, sei an einen Artikel von Weber et al. erinnert, der in dieser Arzneimittelkombination eine deutliche Reduktion der etablierten Schmerzmittel bei gleichzeitig deutlicher Schmerzreduktion belegt (Weber J, 2009). Darüber hinaus lassen sich im Praxisalltag durch eben diese Reduktion der etablierten Schmerzmittel auch die mit diesen assoziierten Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten vermindern. Dies wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit in der Gesamtbilanz der Nutzen-Risiko-Relation auch positiv in der Langzeittherapie widerspiegeln müssen.

Die Therapie von chronischen Schmerzen mit Cannabisarzneimitteln als Ultima ratio scheint vor den o. g. Aspekten zumindest fragwürdig geworden zu sein. Weitere Studien sind in jedem Fall zu fordern. Diese sollten sich nach den in der Praxis häufig eingesetzten Cannabisarzneimitteln, Indikationen, Krankheitsentitäten und Patientengruppen, hier insbesondere bei geriatrischen Patienten genannt, richten.

Anzeige

Dr. med. Knud Gastmeier, 14482 Potsdam

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige