ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2018Komplementärmedizin: Patientenzentrierte Therapie – ein Vademecum

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Komplementärmedizin: Patientenzentrierte Therapie – ein Vademecum

Kummer, Karl-Reinhard

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Komplementärmedizin sieht sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, ihre Methoden seien beliebig oder wenig fundiert. Dem begegnet das Vademecum Anthroposophische Arzneimittel in 4. Auflage nun mit einem zweiten Band zur Mistel in der Onkologie. Herstellerunabhängig sind 627 anthroposophische Arzneimittel mit insgesamt 1 778 bewährten Indikationen dargestellt. Durch das ausführliche Indikationsregister auf 80 Seiten entstand so ein Praxishandbuch für die tägliche Arbeit.

Die Basis im „Vademecum-Prozess“ bilden strukturierte Erfahrungsberichte von 274 Ärztinnen und Ärzten aus 19 Ländern – ausdrücklich werden Falsifikationsberichte erfragt. Zur Misteltherapie stützte sich die Redaktion auch auf eine Befragung von 35 onkologischen Experten. Eine internationale interdisziplinäre Redaktion beurteilt und gewichtet dieses Material. Fallvignetten illustrieren anschaulich die Therapie. Fast alle Bereiche ärztlicher Arzneitherapie sind erfasst, so gibt es Empfehlungen für die Therapie atopischer Ekzeme, zur Prophylaxe postoperativer Delirzustände, von Bluthochdruckerkrankungen, zur Behandlung klimakterischer Beschwerden, von Wurzelreizsyndromen oder der palliativmedizinischen Begleitung Sterbender.

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Eine besondere Stärke des Werkes ist die systematische und herstellerunabhängige Einführung in die Misteltherapie und ihre naturwissenschaftlichen Grundlagen auf fast 200 Seiten. Die Mistelbehandlung erscheint hier als ein Baustein der gesamten onkologischen Therapie zusätzlich zur ganzen Breite der aktuellen leitliniengerechten Behandlung. Dazu gehören die Therapieoptimierung durch individualisierte Wirtsbaumwahl, besondere Dosierungen oder Applikationsformen. Wesentlich sind auch die Erfahrungen zu Therapiedauer oder Pausen. Praxisrelevant wird das individualisierte rationale Vorgehen je nach Allgemeinzustand des Patienten oder Tumor-Progress-Risiko dargestellt: Wer verträgt zum Beispiel und reagiert positiv auf eine fieber-induzierende Hochdosis-Misteltherapie, wer dagegen nicht? Die geschilderten Applikationsformen reichen von der subkutanen Injektion – die sicher Therapiestandard ist – bis hin zur nur auf Intensivstationen ausführbaren, jedoch bei malignen Perikardergüssen hocheffektiven Mistelperikardese, für die auch feinste erforderliche Details geschildert werden. Sicherheitsaspekte und Datenlage zur Misteltherapie werden mit der nötigen Distanz und Kritik behandelt. Besonders wertvoll sind die differenzierten Hinweise zur Begleittherapie bewährter onkologischer Standardtherapien durch anthroposophische Arzneimittel, die die Nebenwirkungsrate deutlich senken und die Lebensqualität stabilisieren können. Auf diese Weise können Onkologen auch besser einordnen und verstehen, was ein großer Teil „konventionell“ behandelter Patienten zusätzlich anwendet.

Dieses Praxisbuch ist zugleich eine Zusammenfassung rationaler anthroposophischer Pharmakotherapie, vertieft durch eine CD mit 19 000 Literaturverweisen.

Karl-Reinhard Kummer

Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e.V., Medizinische Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, Dornach/Schweiz (Hrsg.): Vademecum Anthroposophische Arzneimittel. München 2017, 4. überarbeitete und erweiterte Auflage (2 Bde. + CD), 1340 Seiten, 79 Euro

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