ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2018Manfred Cierpka †: Abschied von einem großen Verbinder

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Manfred Cierpka †: Abschied von einem großen Verbinder

Dtsch Arztebl 2018; 115(3): A-89 / B-77 / C-77

Benecke, Cord

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Manfred Cierpka, Foto: privat
Manfred Cierpka, Foto: privat

Am 14. Dezember 2017 starb Prof. Dr. med. Manfred Cierpka in Heidelberg im Alter von 67 Jahren. Viel zu früh. Er hat viel bewegt, entworfen, gebaut und in die Welt gestellt, und mit unermüdlicher Energie am Laufen gehalten.

Geboren wurde Cierpka 1950 in Nürtingen. Ein Flüchtlingskind, seine Eltern stammten beide aus Schlesien. Er studierte Medizin in Ulm als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Ulm scheint eine Art Reifungsort für ihn gewesen zu sein. Dort machte er seinen Facharzt für Psychiatrie und für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, dort promovierte er und habilitierte er sich, ließ sich zum Psychoanalytiker und Familientherapeut ausbilden. In Ulm heiratete er seine Frau Astrid, mit der er zwei Söhne hat.

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Ulm war damals eine Art Welthauptstadt der psychoanalytischen Psychotherapieforschung; zu Cierpkas Zeiten (1971–1991) noch unter der Leitung von Helmut Thomä, später Horst Kächele. Beide waren ihm fördernde Lehrer.

1990 wurde er auf die Professur für Psychosomatik und Psychotherapie mit Schwerpunkt Familientherapie an der Universität Göttingen berufen. Von 1998 bis 2015 war er dann Direktor des Instituts für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie im Zentrum für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg. Dort konnte er sein kreatives Potenzial und seine Schaffenskraft zur Entfaltung bringen.

Manfred Cierpka sah in der Familie in erster Linie eine Ressource für die Entwicklung von Menschen. Die Familiendiagnostik und -therapie war ein bedeutsamer Zweig in seinem Wirken. Ein zentrales Anliegen waren ihm die Kinder: ihnen von früh an beste Entwicklungsbedingungen schaffen. Ihm ging es um wissenschaftlich fundierte praktische Hilfe. Seine Präventionsprojekte „Faustlos“, „Das Baby verstehen“ und „Keiner fällt durchs Netz“ haben Maßstäbe gesetzt und sind breit implementiert worden.

Seine Arbeiten im Bereich der psychosozialen Prävention hätten eigentlich schon zwei Wissenschaftlerleben erfüllt. Aber dann war da ja auch noch Lindau: seit 1990 war Manfred Cierpka in der wissenschaftlichen Leitung der Lindauer Psychotherapiewochen (LPTW) aktiv. Mit seinem untrüglichen Gespür für die richtigen Themen und seinem Auge für die Referenten entwickelte er gemeinsam mit Verena Kast, und später mit Peter Henningsen, die LPTW zu einem Erfolgsmodell.

Cierpka hatte viele Funktionen inne, wie die des Ärztlichen Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie von Bundes­ärzte­kammer und Bundes­psycho­therapeuten­kammer von 2009 bis 2015. Außerdem leitete er lange Jahre den Arbeitskreis Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik, den er mitgegründet hatte.

Alle diese Aktivitäten waren von der Überzeugung angetrieben, dass Beziehungen der Schlüssel zu nachhaltig positiven Entwicklungen sind. Manfred Cierpka war ein Verbinder. Sein blitzschneller Geist verband Theorien und Konzepte, sein unermüdliches Engagement verband Erkenntnis mit praktischer Umsetzbarkeit, sein großes Herz verband Menschen. Prof. Dr. phil. Cord Benecke

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