ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2018Verschluss des PFO und Schlaganfall
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In ihrem Artikel „Juveniler Schlaganfall“ nehmen die Autoren auch Stellung zur Indikation für einen interventionellen Verschluss des PFO (1). Basierend auf einer amerikanischen Leitlinie aus dem Jahre 2014 empfehlen sie bei einem kryptogenem Schlaganfall auch bei Vorliegen eines PFOs eine Thrombozytenaggregationshemmung oder bei einem Schlaganfallrezidiv eine Antikoagulation. Der PFO-Verschluss erhält den Status eines individuellen Heilversuchs.

In den letzten beiden Jahren sind neue Daten zu diesem Thema publiziert worden: 2015 wurden die Langzeitdaten der RESPECT-Studie vorgestellt und kürzlich publiziert, die bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 5,9 Jahren eine signifikante Risikoreduktion für ein Schlaganfallrezidiv durch eine PFO-Okkluder-Implantation zeigten (2). Diese Daten führten im Oktober 2016 zu einer FDA-Zulassung des PFO-Okkluders in den USA. Im Mai dieses Jahres wurden auf der „European Stroke Organization Conference“ in Prag zwei große randomisierte Studien vorgestellt. In der REDUCE-Studie (664 Patienten) wurde der PFO-Verschluss einer reinen Thrombozytenaggregation gegenübergestellt: Die PFO-Verschluss-Gruppe zeigte eine signifikante absolute Risikoreduktion von 4,0 % für einen erneuten Schlaganfall (3). In der CLOSE-Studie (663 Patienten) wurden Patienten nach kryptogenem Schlaganfall und Vorliegen eines PFOs mit größerem Rechts-Links-Shunt oder mit Vorhofseptumaneurysma randomisiert. Im mittleren Follow-Up von 5,3 Jahren kam es nach PFO-Verschluss zu keinem einzigen Schlaganfall und in der medikamentösen Gruppe bei 14 Patienten. Somit ergab sich ein hochsignifikanter Vorteil für die Interventionsgruppe (4).

Der aktuellen Datenlage entsprechend sollte immer ein PFO-Verschluss bei jungen Patienten mit kryptogenem Schlaganfall (das heißt nach dem Ausschluss anderer Ursachen) diskutiert werden, insbesondere wenn ein großes PFO mit relevantem Rechts-Links-Shunt beziehungsweise ein Vorhofseptumaneurysma vorliegt.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0056b

Dr. med. Mathias Lange, FESC

Niels-Stensen Kliniken, Marienhospital Osnabrück

Klinik für Innere Medizin und Kardiologie

mathias.lange@mho.de

Interessenkonflikt

Dr. Lange erhielt Honorare für Schulungen, Fortbildungen und Beratung von Abbott (vormals St. Jude Medical).

1.
Schöberl F, Ringleb PA, Wakili R, Poli S, Wollenweber FA, Kellert L: Juvenile stroke—a practice-oriented overview. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 527–34 VOLLTEXT
2.
Saver JL, Carroll JD, Thaler DE, et al.: Long-term outcomes of patent foramen ovale closure or medical therapy after stroke. N Engl J Med 2017; 377: 1022–32 CrossRef MEDLINE
3.
Søndergaard L, Kasner SE, Rhodes JF, et al.: Patent foramen ovale closure or antiplatelet therapy for cryptogenic stroke. N Engl J Med 2017; 377: 1033–42 CrossRef MEDLINE
4.
Mas JL, Derumeaux G, Guillon B, et al.: Patent foramen ovale closure or anticoagulation vs. antiplatelets after stroke. N Engl J Med 2017; 377: 1011–21 CrossRef MEDLINE
1.Schöberl F, Ringleb PA, Wakili R, Poli S, Wollenweber FA, Kellert L: Juvenile stroke—a practice-oriented overview. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 527–34 VOLLTEXT
2.Saver JL, Carroll JD, Thaler DE, et al.: Long-term outcomes of patent foramen ovale closure or medical therapy after stroke. N Engl J Med 2017; 377: 1022–32 CrossRef MEDLINE
3.Søndergaard L, Kasner SE, Rhodes JF, et al.: Patent foramen ovale closure or antiplatelet therapy for cryptogenic stroke. N Engl J Med 2017; 377: 1033–42 CrossRef MEDLINE
4.Mas JL, Derumeaux G, Guillon B, et al.: Patent foramen ovale closure or anticoagulation vs. antiplatelets after stroke. N Engl J Med 2017; 377: 1011–21 CrossRef MEDLINE

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