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LNSLNS Medikamentenratgeber
Trotz Mängeln erfolgreich
Kurt Langbein, Hans-Peter Martin, Hans Weiss: Bittere Pillen. Nutzen und Risiko der Arzneimittel, Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 1999, 1 056 Seiten, broschiert, 49,80 DM
Eine Neuauflage liegt in überarbeiteter Fassung vor. Das Buch beschreibt mehr als 3 000 Medikamente (Handelsnamen), Naturheilmittel und Homöopathika. Neu sind die Abschnitte über Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit, Potenzmittel, Krebstherapeutika und Suchtmittel.
Die Mittel werden indikationsbezogen dargestellt, wobei einer allgemeinen Einleitung eine detaillierte Kurzbesprechung von zahlreichen Handelspräparaten folgt. Die Einleitungen enthalten zumeist richtige und nützliche Informationen. Allerdings sind auch erhebliche Fehlinformationen zu finden. So wird zum Beispiel behauptet, daß Aspirin die Gerinnungsfähigkeit des Blutes beeinflussen kann. Aspirin hemmt aber die Plättchenaggregation und verlängert auf die Weise die Blutungszeit, nicht die Gerinnung. Der Hauptteil des Buches besteht aus Kurzbewertungen der einzelnen Arzneimittel. Dabei verbirgt sich hinter einem Standardbegriff wie "abzuraten", der immer wieder auftaucht, eine Fülle von verschiedenen Qualifikationsmerkmalen: Das Medikament kann unzweckmäßig sein, es kann viele unerwünschte Wirkungen haben, es kann wirkungslos sein, es kann seltene, aber lebensbedrohliche unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Häufig sind die Angaben mangelhaft oder falsch. So fehlt zum Beispiel im Zusammenhang mit Migränemitteln der Hinweis auf die Kombination mit Domperidon oder Metodopramid. Es fehlen die modernen Triptane. Falsch ist die Beschreibung der Behandlung bei Wiederauftreten einer Migräneattacke. Bei den nichtsteroidalen Antirheumatika wird Ibuprofen fälschlicherweise als sicher dargestellt. Trotz all dieser Mängel sind inzwischen eine Million Exemplare dieses Buches verkauft worden. Dies sollte den Ärzten zu denken geben. Möglicherweise deutet der Erfolg des Buches darauf hin, daß sich viele Patienten durch die Ärzte bei der Arzneimitteltherapie unzureichend informiert fühlen. Offensichtlich ist auch die dem Medikament beiliegende Produktinformation sowie die Information durch den Apotheker nicht ausreichend. Insofern kann dieses Buch auch den positiven Effekt haben, daß wir uns bei der Arzneimitteltherapie mehr Gedanken über das Gespräch mit dem Patienten machen. Denn es wird oft übersehen, daß der Arzt für die Aufklärung verantwortlich ist und sich nicht auf den Inhalt der Packungsbeilage berufen kann.
Jürgen C. Frölich, Hannover
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