ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2018§ 219 a STGB: Schlichtweg falsch
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„Audiatur et altera pars“ (man höre auch die andere Seite) ist ein Grundsatz des Römischen Rechts, der auch im Journalismus, speziell in der Berichterstattung in einem seriösen Medium, wie es das Deutsche Ärzteblatt ist, beachtet werden sollte. In dem Artikel über die Gießener Allgemeinärztin Khristina Hänel, die zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil sie gegen den § 219 a StGB verstoßen hat, wird dieser Grundsatz nicht beachtet. Dass das Deutsche Ärzteblatt mit dieser Berichterstattung nicht allein dasteht – die diversen Magazine aus Hamburg und auch andere Wochenzeitschriften berichten gleich tendenziös – macht es wahrlich nicht besser.

Die Kollegin Hänel wird ausgiebig zitiert und beruft sich auf ein echtes Informationsrecht für Frauen beim Thema Schwangerschaftsabbruch. Sie vertritt die Auffassung: „Man kann für einen Schwangerschaftsabbruch nicht werben, denn die Entscheidung dafür entsteht aus einer inneren Not – sie ist sehr überlegt.“ Das ist in dieser Absolutheit, wie der Unterzeichner aus eigener Erfahrung weiß, schlichtweg falsch. Unabhängig davon, wird sowohl im Artikel des Deutschen Ärzteblattes wie auch in einer Vielzahl von Veröffentlichungen der Laienpresse auf das Informationsrecht und auf das Selbstbestimmungsrecht der Frau hingewiesen. Kein einziger Hinweis erfolgt zum Lebensrecht des ungeborenen Kindes, das Recht, das die Wahrnehmung aller weiteren Rechte voraussetzt.

Die 68ste Generalversammlung des Weltärztebundes in Chicago im Oktober 2017 verabschiedet eine Neufassung der Deklaration von Genf. Seit dem 04. Dezember liegt eine offizielle deutsche Übersetzung vor, die auch im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde. Hier heißt es: „Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren.“ Dass es sich bei Embryonen um menschliches Leben handelt, dürfte unabhängig von religiöser und politischer Überzeugung unstrittig sein. Es hätte dem Deutschen Ärzteblatt gut angestanden, auch die Argumente für den Erhalt des § 219 der sogenannten Abtreibungsgegner zu nennen. Zumal man es sich nicht verkneifen konnte (wie auch ein Hamburger Journal), auf die angebliche Entstehung des Paragrafen in der Zeit des Nationalsozialismus hinzuweisen. Ein sehr zweischneidiges Schwert, wenn man die Einstellung in dieser Zeit zur Eugenetik und anderen Formen nicht gewünschten menschlichen Lebens kennt.

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Dr. med. Michael Glaßmeyer, 44575 Castop-Rauxel

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