ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2018Kooperation Onkologie: Keine gerechte Preisbildung
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Meiner Ansicht nach sind die Preise der Medikamente in der Onkologie überhöht.
Ich kann nicht verstehen und es bereitet mir Unbehagen, wie die neu auf den Markt drängenden und stark beworbenen Substanzen so hohe Preise erzielen können. Selbst alte p.o.-Medikamente wie Thalidomid (ursprünglich Contergan®) kosten im Monat über 1  00 Euro pro Patient. Dies ist z. B. verglichen mit dem neueren Lenalidomid, 21 Kps., circa 7 000 Euro monatlich Therapiekosten, noch günstig. Eine lange Liste mit sehr teuren Pharmazeutika könnte hier folgen. Es handelt sich bei den stark überteuerten Medikamenten also nicht nur um iv-Zytostatika, sondern um sehr viele der gängigen Therapeutika in der Krebsheilkunde.

Ich arbeite seit neun Jahren in der Onkologie. Auch mithilfe der Vielfalt und Wirksamkeit moderner Krebsmedikamente kann ich meinem Bedürfnis einer guten Patientenversorgung nachkommen. Bei mir entsteht der Eindruck einer gewissen gewollten Gewöhnung an exorbitante Preise unserer Therapien.

Echtes Vertrauen beruht aus meiner Sicht auf Transparenz und Gerechtigkeit. Es erscheint mir aber nicht gerecht, wie die Finanzmittel verteilt werden. Besonders die patientennahen Tätigkeiten der Pflege, der Physiotherapie, der Psychoonkologie, der Kunsttherapie und auch das ärztliche Gespräch erscheinen mir zu gering honoriert. Durch nachvollziehbare und gerechte Medikamentenpreise ließe sich mein Vertrauen und meines Erachtens auch das Vertrauen der Patienten und der Kollegen aus den anderen Fachbereichen in die Menschen, die im Feld der Onkologie arbeiten (Pharmazeuten, Ärzte, Apotheker), dauerhaft stärken.

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Ausgehend von der Ärzteschaft und der DGHO, gerne auch gefördert vom Deutschen Ärzteblatt, wünsche ich mir eine breite, transparente Diskussion über die Preisentwicklung und die Verteilung der Ressourcen im Gesundheitssystem.

Manuel Medam, Facharzt für Innere Medizin, 72076 Tübingen

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