ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2018Belegärzte: Versorgung aus einer Hand

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Belegärzte: Versorgung aus einer Hand

Korzilius, Heike

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Onkologen, Belegärzte und Kassenärztliche Bundesvereinigung haben einen Vertrag unterzeichnet, mit dem sie die sektorenübergreifende Versorgung von Krebspatienten verbessern wollen.

Ohne Brüche: Nach dem Konzept der Ärzteorganisationen betreuen niedergelassene Onkologen ihre Patienten auch im Krankenhaus weiter. Foto: Your Photo Today
Ohne Brüche: Nach dem Konzept der Ärzteorganisationen betreuen niedergelassene Onkologen ihre Patienten auch im Krankenhaus weiter. Foto: Your Photo Today

Mehr als 482 500 Menschen erkrankten 2013 in Deutschland neu an Krebs, fast doppelt so viele wie 1970. Das belegen jüngste Zahlen des Robert Koch-Instituts. Einer der Gründe ist der demografische Wandel. Dazu kommt, dass sich aufgrund besserer therapeutischer Möglichkeiten viele Krebserkrankungen zu chronischen Krankheiten wandeln. Der Bedarf an onkologischer Versorgung wird deshalb nach Ansicht von Experten in Zukunft steigen. Angesichts dieser Entwicklung haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) und der Bundesverband der Belegärzte (BdB) für eine bessere sektorenübergreifende Versorgung von Krebskranken ausgesprochen. Die Organisationen präsentierten am 17. Januar einen Versorgungsvertrag, in dessen Zentrum der Belegarzt steht.

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Danach übernimmt ein Team aus mindestens drei niedergelassenen Onkologen die Betreuung krebskranker Patienten sowohl ambulant als auch bei notwendigen stationären Aufenthalten. Vor allem angesichts der hohen somatischen und emotionalen Belastung der Patienten und ihrer Angehörigen sei die kontinuierliche Versorgung durch eine Vertrauensperson wichtig, erklärte BNHO-Vorstand Prof. Dr. med. Wolfgang Knauf bei der Vorstellung des Konzepts in Berlin. Belegärzte sicherten hier eine Therapie ohne Versorgungsbrüche. Zum Kompetenznetzwerk gehören darüber hinaus eine onkologisch qualifizierte Medizinische Fachangestellte, ein Case Manager, der die sektorenübergreifende Behandlung koordiniert, sowie ambulante Pflegedienste, Pflegeeinrichtungen und Psychoonkologen. Außerdem legt die Vereinbarung Qualitätsstandards zum kollegialen Austausch und zur Fortbildung sowie zu speziellen Behandlungspfaden und zur elektronischen Dokumentation fest, damit Informationen nicht verloren gehen.

Es gibt zu viele Krankenhäuser

Das Konzept zeige, wie Versorgung aus einer Hand unabhängig von den Sektorengrenzen funktionieren könne, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Gassen. Das Ganze sei zudem keine Einbahnstraße im Sinne einer Öffnung der ambulanten Versorgung für die Krankenhäuser, sondern müsse auch als Öffnung der Kliniken für die Vertragsärzte verstanden werden. Nach wie vor herrsche in Deutschland eine überbordende Krankenhausdichte, kritisierte Gassen. Bei der Lösung dieses Problems könne es aber nicht um bloßen Bettenabbau gehen. Damit auch in strukturschwachen Regionen weiterhin die Versorgung gesichert sei, könnten zum Beispiel ehemals stationäre Standorte für vertragsärztliche Angebote umgewidmet werden. „Belegärzte sind dafür ideal“, meinte Gassen. Das Ziel der KBV sei es deshalb, das Belegarztwesen zu revitalisieren.

Belegärzte arbeiten im Team

Rund 5 000 Belegärztinnen und -ärzte sind nach Angaben von BdB-Vorstand Dr. med. Andreas Schneider zurzeit in Deutschland tätig, vor allem in den Fächern Orthopädie, HNO, Gynäkologie und Urologie. Es sei deshalb an der Zeit, sich bei der sektorenübergreifenden Versorgung auf vorhandene Strukturen zu besinnen, statt beispielsweise im Rahmen des Innovationsfonds Millionenbeträge in neue Versorgungsformen zu stecken. Schneider räumte allerdings ein, dass der Belegarzt alter Prägung keine Zukunft habe. Einzelkämpfer hätten keine Überlebenschance. „Es muss ein Team geben, das seine Dienste aufteilt und miteinander kooperiert“, sagte Schneider. Dieser Arbeitsansatz komme auch Forderungen der jüngeren Ärztegeneration nach mehr Teamarbeit entgegen.

Nach Ansicht von KBV-Vorstand Dr. med. Stephan Hofmeister kann das onkologische Vertragskonzept als Blaupause für andere Versorgungsbereiche dienen. Auch Hausärzte würden in Zukunft eine immer stärkere Rolle in der belegärztlichen Versorgung spielen. Über die Umsetzung des Papiers müsse man jetzt mit den Krankenkassen verhandeln. Denn die belegärztlichen Leistungen der Vertragsärzte müssten zusätzlich finanziert werden. „Das Geld ist da“, sagte Hofmeister mit Blick auf die Überkapazitäten im Krankenhausbereich. „Wir könnten dieses Jahr noch loslegen.“ Heike Korzilius

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