ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Unzulängliche statistische Auswertung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Originalarbeit „Patienten in Notfallambulanzen“ besticht vor allem dadurch, dass sie schon in der Auswahl der Studienteilnehmer grob gegen ein tragfähiges Studiendesign verstößt: von 6 488 Patienten werden im Vorweg bereits 3 396 ausgeschlossen, also fast die Hälfte. Auffällig ist, dass hier der Anteil der wirklich Kranken – sofort behandelt oder direkt in eine andere Abteilung verlegt – mit 1 842 sehr hoch ist. Von den übrigen 3 086 Teilnehmern verweigern 1 043 die Teilnahme, das heißt fast jeder dritte. 708 werden schon behandelt, bevor sie befragt werden konnten (1).

Zum Schluss bleiben nur noch 1 175 Patienten, Selbst unter diesen knapp 18 % der Gesamtpatienten gibt es aber noch Fälle, die sich als dringlich herausgestellt haben.

Trotzdem lautet eine Kernaussage von Patienten in der Notaufnahme von norddeutschen Kliniken (PiNo Nord): Mehr als die Hälfte der Patienten einer Notaufnahme fällt nicht unter die Definition eines Notfalls.

Das erschließt sich aus den dargelegten Daten aber gerade nicht. Abgesehen von der unzulänglichen statistischen Auswertung stellt sich diese Untersuchung nicht der Hauptfrage in der Notfallbehandlung: Können wir durch die Notfallambulanzen diejenigen Patienten selektieren, die wirklich krank, eventuell vital bedroht sind?

Jeder Arzt, der Notfälle behandelt, weiß, dass subjektiver Leidensdruck und objektive Dringlichkeit nicht immer kongruent sind. Es kommt nicht nur vor, dass Patienten bei Nichtigkeiten einen subjektiven Leidensdruck haben, sondern auch das Gegenteil, zum Beispiel Unwohlsein vor einem Herzinfarkt.

Dieses zu unterscheiden ist allein fachärztliche Aufgabe und die hat nun mal ihren Preis. Es ist Aufgabe der Kassen, dies zu finanzieren. Ist das aus den Beiträgen nicht möglich, müssen Kassen und Politik dies kommunizieren und regeln.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0065b

Dr. med. Swana Swalve-Bordeaux

24340 Eckernförde

swalve.bordeaux@gmail.com

1.
Scherer M, Lühmann D, Kazek A, Hansen H, Schäfer I: Patients attending emergency departments—a cross-sectional study of subjectively perceived treatment urgency and motivation for attending. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 645–52 VOLLTEXT
1.Scherer M, Lühmann D, Kazek A, Hansen H, Schäfer I: Patients attending emergency departments—a cross-sectional study of subjectively perceived treatment urgency and motivation for attending. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 645–52 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige