ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Unklare Gruppenbildung
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Der Artikel kommt zum Schluss, dass mehr als die Hälfte der Patienten aufgrund ihrer niedrigen subjektiven Behandlungsdringlichkeit nicht unter die Definition eines medizinischen Notfalls fallen (1).

Diese Schlussfolgerung kann ich aus den dargestellten Daten nicht teilen. Dies hat zwei Gründe:

Rechenweg – 54,7 % von 1 175 Patienten haben eine Behandlungsdringlichkeit von 0 (kein dringender Behandlungsbedarf) bis 5 aus der Skala bis 10 (sehr dringend, akute Lebensgefahr) angegeben, dies sind 643 Patienten. Demgegenüber steht ein Kollektiv von 6 488 Patienten im Beobachtungszeitraum. 643/6 488 Patienten sind 9,9 %. Betrachtete ich alle Patienten des Beobachtungszeitraumes, komme ich zu dem Schluss, dass unter 10 % der Patienten angegeben haben, dass ihre Behandlungsdringlichkeit von 0 bis 5 sei.

Gruppenbildung – Anzumerken ist, dass die Ratingskala von 0 bis 10 reichte und bis 5 als niedrig und ab 6 als hoch klassifiziert wurde: „Die Behandlungsdringlichkeit wurde mithilfe der Ratingskala von den Patienten selbst eingeschätzt und anschließend in zwei Gruppen eingeteilt; niedrig, das heißt 0 bis 5; hoch, das heißt 6 bis 10.“ Allein in „niedrig“ sind somit 0 bis 5, also 6 Auswahlmöglichkeiten für den Patienten, in „hoch“ nur 6 bis 10, also nur 5 Auswahlmöglichkeiten. Ein „dringend“, was konsequenterweise zwischen „nicht dringend“ und „sehr dringend“, also bei 4, 5 oder 6 Punkten läge, wurde gar nicht angeboten. Wussten die Patienten davon, in welche Gruppe welcher Punktwert landete, oder gingen sie vielleicht davon aus, dass ein Wert von 5, also die Mitte der Skala, „dringend“ heißt? Wenn nicht, ist es meines Erachtens nicht erlaubt, nachträglich die oben genannten Gruppen zu bilden. Wie sah die Ratingskala genau aus? Die Mehrheit der Patienten hat immerhin den Wert 5 gewählt. Ein Vergleich mit der Triagierung durch Klinikpersonal passt nicht, da hier die Gruppierung „dringend“, „normal“, „nicht dringend“ sowie „keine Angabe“ lautete. Hier bestehen also Zweifel, ob den 18 % (1 175/6 488) der Patienten, die ein Rating abgegeben haben, überhaupt klar war, in welche Gruppe ihre Einschätzung nach dem Rating fallen würde.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.066a

Dr. med. Mechthild Waldeyer-Sauerland

Hamburg

sauerland@hamburg.de

1.
Scherer M, Lühmann D, Kazek A, Hansen H, Schäfer I: Patients attending emergency departments—a cross-sectional study of subjectively perceived treatment urgency and motivation for attending. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 645–52 VOLLTEXT
1.Scherer M, Lühmann D, Kazek A, Hansen H, Schäfer I: Patients attending emergency departments—a cross-sectional study of subjectively perceived treatment urgency and motivation for attending. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 645–52 VOLLTEXT

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Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 10. Februar 2018, 10:55

Daumen auf der Waagschale

Da drückt ein Kaufmann auf die Ergebnistaste.
Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 10. Februar 2018, 08:00

Geknickter Maßstab

Die Ratingskala von 0 bis 10 hat 11 Stufen. Der Neutralpunkt 5 wurde in die ausschließende Hälfte "kein dringlicher Behandlungsbedarf" einbezogen.
Die Publikation zeigt nicht verzeihliche technische Mängel, sondern verzerrt mit versierter Konstruktion die Lage.


In der Erwiderung danken die Autoren für die "Anregungen zu potenziell sinnvollen Umgestaltungen in der Notfallversorgung." Die Autoren legen damit offen, dass Sie Zuarbeiter, Mitdenker für eine vollzogene Willensbildung sind. Für diese soll eine in ihrer Finesse beachtenswerte, aber wissenschaftlich ergebnislose Publikation das Futter liefern.

Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 10. Februar 2018, 08:00

Geknickter Maßstab

Die Ratingskala von 0 bis 10 hat 11 Stufen. Der Neutralpunkt 5 wurde in die ausschließende Hälfte "kein dringlicher Behandlungsbedarf" einbezogen.
Die Publikation zeigt nicht verzeihliche technische Mängel, sondern verzerrt mit versierter Konstruktion die Lage.


In der Erwiderung danken die Autoren für die "Anregungen zu potenziell sinnvollen Umgestaltungen in der Notfallversorgung." Die Autoren legen damit offen, dass Sie Zuarbeiter, Mitdenker für eine vollzogene Willensbildung sind. Für diese soll eine in ihrer Finesse beachtenswerte, aber wissenschaftlich ergebnislose Publikation das Futter liefern.

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